Full text: Über Diphtonge nach weggefallnen Consonanten

Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. Dr 198 
— 25 - 
C Gr. 
wan das subst. ahd. soum, nhd. säum, gr. G'dyfj.a (also auch goth. sagms wie 
bagms) abzuleiten sei und mit seiner zweifachen bedeutung von sutura und 
onus, wie lat. sarcina von sarcio, rupta scissa reficio herstammt, sarte genäht, 
geflickt, integre ausdrückte, der bündel ist zugleich das zusammengebundne 
und die getragne last, darum mufs auch das durch alle sprachen ziehende 
saccus, cctKKog, ags. sacc, ahd. sacch, sag (Graff 6,73) secchil pera, uns für 
unerborgt gelten, da es sich deutlich zu siuwan und soum stellt und die 
wurzelhafte gutturalis laut bezeugt. 
Auf einer linie stehn die ahd. starken verba pliuwan, priuwan, hriu- 
wan, chiuwan; ich behaupte dafs auch für die drei letzten gothische IGGV 
AGGV angenommen werden dürfen. 
Durch die meisten deutschen sprachen reicht ein wort für die bierbe- 
reitung, nhd. brauen, mhd. briuwen, nnl. brouwen, ahd. priuwan, ags. breo- 
yan, engl, brew ,altn. brugga, schwed. brygga, dän. brygge. schon die Go- ^ecm. 23. 
then werden, mit der sache, den ausdruck gehabt haben, mochte er ihnen 
brauan oder wahrscheinlicher lauten briggyan braggv. das G wird auch in 
diesem beispiel bestärkt durch urverwandtes C, Plinius sagt 18,7: Galliae Cߣf^ J&tl, 
quoque suum genus farris dedere, quod illic brace vocant, nos sandalam ni- 
tidissimi grani; aus solchem getraide nemlich wurde das malz bereitet, wel 
ches den Irländern noch heute braich heifst, im mittelalter allgemeiu brace 
bracium hiefs, so wie bierbrauen bracsare braxare, Ducange hat unter brace 
belege gehäuft. Und nun verstehn wir den Zusammenhang zwischen brauen 
und braxare, den Graff 3,316 ahnte, nicht darzulegen vermochte: brauen ver 
hält sich zu bracium wie bauan zu facere facilis, briuwen zu briggvan; die 
nord. form hat GG überall gehegt, freilich die mangelnde lautverschiebung 
läfst schliefsen, dafs, so früh es unter uns einkehrte, das wort doch aus der 
fremde zugeführt ward. 
Statt hriuwan hat die goth. spräche einen andern gänzlich unverwand 
ten ausdruck idreigon, wozu das altn. idraz stimmt, idraz stammt her von 
idr intestina viscera, idreigon setzt ein goth. subst. idr voraus, von dem ich 
ein adj. idreigs und das verb. idreigon leite, die bedeutung ist eigentlich 
ü‘77\cLy%vi£eo‘S-ai, visceribus commoveri, was hier auf den begrif der reue ge 
wandt wird, eben wie die Schweden dafür ängra, die Dänen angre sagen, 
angst und trauer empfinden. Gleichen sinn mufs nun das andrer wurzel 
zufallende ahd. hriuwan, ags. hreovan, alts. hrewan, engl, rue (== rew), fries. 
(Mi 
\>0 
I* Vjdr'fr, 
tllSl. ci)Ccy\ (Xo 
GjL'b', 
Aftt Ö45. 
- • PWa.rvJ'fe W. 
n 
T' 
Qzs, «Av.f ru<W 
I 
. a/jtr-ßjuJk ■' (**» - 
aaj*>. muoa unkt ( «Ai)-w 
X. woiJum- Wv.wmäCa. 
pnKHcij ■ «Ky. rr\ cu&ki K
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.