Full text: Gedichte des Mittelalters auf König Friedrich I., den Staufer und aus seiner so wie der nächstfolgenden Zeit

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Von den sitten und bräuchen der wandernden sänger, deren ältestes 
Vorbild für uns Vidsid und Nornagestr erscheinen, beabsichtige ich bei ande 
rer gelegenheit ausführlicher zu handeln. Wenn der unsere nicht allein in 
Deutschland und Italien, sondern auch wie eben die letzte fabel und sein 
Verhältnis zu Petrus meldensis lehrt, in Frankreich umher gefahren war; so 
möchte ich auf ihn den Galterus beziehen, an welchen das buch de arte 
amandi et de reprobatione amoris von seinem Freunde Andreas, Franco 
rum aulae regiae capellanus gerichtet ist. Es sind die bekannten regulae 
amoris (*), welche die neuere critik überbedächtig ins fünfzehnte, wenig 
stens vierzehnte jahrhundert herabsetzen will ( 2 ), deren inhalt aber unver 
kennbar auf die zweite hälfte des zwölften weist, und aufser entscheidenden 
namen ausdrücklich die jahrzahl 1174 an hand bietet. Was fordert man mehr? 
Schon in einem provenzalischen liede wird dieses Andrea diFranza gedacht ( 3 ), 
mag er nun capellan (Ludwig des siebenten?) gewesen sein oder nicht; schwer 
lich pabst Innocenz des vierten, wozu ihn eine ausgabe der regeln stempelt. 
Auf seine genossenschaft hätte Walther, dessen Flora und Phyllis solch ein 
minnenrecht darstellt, gerechtesten anspruch, wie dies lied überhaupt auf 
die romanische poesie wies. 
Dafs alle lateinischen lieder der Münchner handschrift einem Verfas 
ser beizulegen seien, erzwinge ich nicht, aber die besten und ältesten darun 
ter sind es, voraus die mit geschichtlichen anspielungen. Es war weder mein 
ziel eine ausgabe dieses zu lange verborgnen codex zu unternehmen, noch 
konnte ich einmal seinen reichen inhalt irgend erschöpfen, selbst für meine 
absichten nicht. Aber ich wünsche das bedürfnis einer baldigen bekanntma- 
chung dieser für spräche und sitte des mittelalters wie wenig andere ergibi- 
gen samlung angeregt zu haben, und von wem könnte sie besser erwartet 
werden als von Schmeller? 
Wenn uns die zehn lieder auf die jahre 1162-1165 und gar noch et 
was früher hinauf leiteten, im Münchner codex hingegen die jahrzahlen 1175. 
(*) Christoph von Aretln aussprüche der mlnnegerichte s. 117. Raynouard des trouba- 
dours et de cours d’amour. Paris 1817 p. lxxxi. 
( 2 ) Ebert Im Hermes 1821 st. 4 s. 72. Fr. Diez beitrage zur romant. poesie. Berlin 
1825 s.77. 
( 3 ) Cresclmbeni volgar poesla 2,13. Millot hist, des troubadours 1, 90. Sollte Andrieus 
in einem liede des Gaucelm Faidit (Raynouard 2, 300) nicht der nemliche sein?
	        

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