Full text: Gedichte des Mittelalters auf König Friedrich I., den Staufer und aus seiner so wie der nächstfolgenden Zeit

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Die Münchner handschrift stammt aus Benedictbeuern, man möchte 
sie, ihrem länglichen octavformat, den festen, reinlichen buchstaben nach, 
noch am ende des zwölften jahrhunderts geschrieben glauben: sie gehört 
aber, wie der inhalt ausweist, des dreizehnten erster hälfte an. Sie enthält 
auf 112 blättern lateinische gedichte, welche beinahe sämtlich der bisher ge 
schilderten vagantenpoesie überwiesen werden dürfen, 'die handschrift ist so 
prachtvoll, dafs ihr anblick Docens Vermutung, sie sei ehedem in den hän- 
den solcher umwandernden leute gewesen, widerlegt; im jahr 1824 meinte 
er mit gröfserer Wahrscheinlichkeit, ein geistlicher herr habe darin zusam 
menschreiben lassen was er von fahrenden leuten zu hören liebte. 3 So ur- 
theilt Lachmann in der vorrede zu Walther von der Vogelweide s. ix. Dafs 
sie ungleich reichhaltiger ist als alle übrigen, begreift sich schon aus ihrem 
umfang, sie enthält eine menge lustiger und ernster, zum theil freier, ausge 
lassener lieder von minne, wein, spiel und armut; vollständig in hinsicht auf 
unsern Verfasser kann sie nicht genannt werden, da ihr die meisten gedichte 
der Göttinger und Brüsseler fehlen; auch entspricht die richtigkeit ihrer texte 
nicht überall dem äufseren aufwand, sie setzt also bessere voraus. 
Vorerst ist nun der ganze eindruck des buches der von mir verfocht- 
nen ansicht, dafs diese lateinische poesie, oder vielmehr was ihren ton zuerst 
anschlug, von keinem andern als einem deutschen dichter ausgegangen sein 
müsse, allergünstigst. Italien hat uns solche lieder nicht bewahrt, so viel 
wir wissen auch Frankreich nicht; in Deutschland fanden sie sich zu Bene 
dictbeuern und Stablo in alter fast gleichzeitiger abschrift, woher die Göt 
tinger auch alte stamme ist unbekannt; alle in England vorräthigen reichen 
nicht so weit hinauf und scheinen sich erst im 14. 15 Jahrhundert zu verviel 
fältigen. In allen liedern des gesamten bandes ist gar keine anspielung we 
der im ganzen noch einzelnen auf England. Blatt 51 wird eines ungenann 
ten königs tod beklagt, dessen England und Frankreich beraubt sei; gemeint 
ist Richard Löwenherz, der 1199 starb, den auch Deutschland kannte. Was 
aber vorzüglich merkwürdig scheint, zwischen einzelne lieder sind deutsche 
und romanische worte gemengt, z. b. 97* der ausruf wafna wafna! 98* schil- 
link, 90* per dulzor, 49* der refrain 'tort a vers mei (moi) dama 3 ; ja ganze 
gesänge von unsern ältesten minnesängern werden eingeschaltet, von Wal 
ther, Reinmar dem alten, Heinrich von Morunge, Dietmar von Aste, Otto 
von Botenloube und Nithart, lauter dichtem, die wo nicht ins zwölfte rei-
	        

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