Full text: Gedichte des Mittelalters auf König Friedrich I., den Staufer und aus seiner so wie der nächstfolgenden Zeit

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nete sich das schönste derselben an, indem er es unter seine eignen ähnli 
chen poesien mengte. Statt des electus coloniensis schaltete er aber seinen 
bischof von Coventry ein, von dem das ursprüngliche gedieht kein Sterbens 
wörtchen weifs. Oder drittens, erst späterhin nach Walthers tod wurden 
von latein dichtenden geistlichen, wie man ihm die abfassung des Lancelot 
beilegte, auch die zechlieder auf ihn übertragen und statt Reinalds der von 
Coventry eingeschwärzt. 
Wie die volkssage von ort zu ort, von namen auf namen übergeht, 
scheinen auch schon unter den dichtem des mittelalters, aber mit bewuster 
absicht weisen und lieder entwendet zu werden. Desto gröfsern beruf hat 
die critik gerechtigkeit zu üben, das plagiat zu enthüllen und hier, wie ich 
glaube, unserer landsleute einem wieder zu geben was ihm gebührt. Alle 
umstände reden für die priorität des archipoeta, und wenn auch sein Zeitge 
nosse, scheint Walther Map doch zehn, zwanzig jahre später, als der heerzug 
des Staufers nach Italien fällt, aufzutreten. Bedarf es eines Zeugnisses für 
den deutschen grundton dieser lateinischen poesie, so mag angeführt werden, 
dafs das freilich unübersetzbare c mihi est propositum in taberna mori/ wo 
sich der reim innig mit der empfindung des menschlichen herzens vermählt, 
am glücklichsten nachgeahmt worden ist (*) von Bürger, in welchem auch 
eine ader dieser wilden, das leben bis zur neige auskostenden vagantenpo- 
esie war. 
Die metra wechseln. Das dritte gedieht ist in hexametern, die aber 
schon beim dritten vers leoninisch werden; solche leonine hat auch das sechste 
bis zum zweiundzwanzigsten vers, auf welchen strophisch gereimte hexame 
ter folgen. Doch ist diese messung nach Quantitäten dem dichter unbequem, 
und leichter bewegt er sich in accentuierten versen mit trochäischem fall. 
Am häufigsten (IV. V. IX. X) gebraucht er die dreizehnsilbigen, mit dem 
einschnitt nach der siebenten silbe. VIII, von welchem nur eine strophe üb 
rig ist, bildet sie aus vier achtsilbigen zeilen und zwei damit verschlungnen 
siebenzeiligen. VII hat vierzehn silben, deren erster theil bis zur caesur mit 
IV übereintrift, dem zweiten aber noch eine silbe zugibt, und dreizeilige Stro 
phen, die in der mitte und am ende reimen, entspringen. II ist unstro 
phisch, oder sammelt nach art des leichs Strophen aus ungleichen, stets acht- 
(*) Ich will einst bei ja und nein vor dem zapfen sterben.
	        

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