Full text: Gedichte des Mittelalters auf König Friedrich I., den Staufer und aus seiner so wie der nächstfolgenden Zeit

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que vix in quinquennio scriberes, Lucane, 
vel tu vatum maxime, Maro mantuane. 
Man sei nicht immer zu dichten aufgelegt, sondern müsse begeisterung ab- 
warten: aliquando facio versus mille cito, 
et tunc nulli cederem versuum perito, 
sed post tempus modicum, cerebro sopito, 
versus a me fugiunt carminis oblito. 
Ihm thue Reinalds huld und beistand noth: 
scribere non valeo pauper et mendicus 
que gessit in Latio cesar Fredericus, 
qualiter subactus est tuscus inimicus, 
preter te (*), qui cesaris integer amicus. 
Die weitere und eigentlich poetische auseinandersetzung ist aber mit der im 
zehnten lied enthaltnen umdichtung so genau verwebt, dafs ich hernach dar 
auf werde zurückkommen. Nur hier die schlufsstrophe noch: 
archicancellarie, spes et vita mea, 
in quo mens est Nestoris et vox ulixea, 
Christus tibi tribuat annos et trophea, 
et nobis facundiam, ut scribamus ea. 
Der dichter war also beauftragt, angestellt von dem erzkanzler, die thaten 
Friedrichs in Welschland zu besingen, und es ist nicht zu bezweifeln, dafs er, 
dem die verse leicht flössen, öfter dazu die feder angesetzt haben werde, 
wenn er auch, wie es scheint, seinem beschützer nicht fleifsig genug ar 
beitete. Im neunten gedieht hat von seinem beruf und talent glänzende 
probe abgelegt. 
Auch das fünfte ('nocte quadam sabbati somno jam refectus 3 ) sehn 
wir wiederum an Reinald gerichtet und eine art von vision beschreiben, nach 
welcher, bei nächtlicher weile in den himmel entzückt, archipoeta unaus 
sprechliche geheimnisse erkundet habe, unter andern dafs dem erzkanzler 
ein Schutzengel zur seite stehe, unter dessen geleit er schlachten gewinne 
und auch in bälde den sicilischen könig überwinden werde: 
per hunc regnum Siculi fiet tui juris, 
ad radicem arboris ponitur securis; 
(*) Ohne dich (wan du) vermag ich nicht zu schreiben.
	        

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