Full text: Gedichte des Mittelalters auf König Friedrich I., den Staufer und aus seiner so wie der nächstfolgenden Zeit

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auf dem gipfel seines ruhms einer bösen seuche erlag. Zwei andere gedichte 
aber erwähnen des niederbruchs der mauern Mailands, der im merz 1162 
nach der zweiten einnahme der stadt erfolgte: 
adhuc starent menia Mediolanensium, 
nec cesar per prelia victor esset hostium, 
nisi dei gratia te dedisset socium, 
ruft, stark schmeichelnd, seinem gönner unser dichter zu. Zwar einige der 
übrigen gedichte dürften vor 1162 entsprungen sein, da Reinald schon im 
october 1157 auf dem reichstag zu Besancon des königs geschäft besorgte, 
und von dieser zeit an ununterbrochen die seele der reichsverwaltung blieb. 
Genau weifs ich nicht, wann Reinald das canzleramt zuerst versah, sicher 
schon 1156 (*), electus Coloniae heifsen konnte er nur seit 1158, in welchem 
jahr diese vom pabst gemisbilligte wähl erfolgte ( 2 ); sein Vorgänger Friedrich 
von Altenau starb 1159. Immer aber zögerte die päbstliche weihe, und erst 
im mai 1165 auf dem Wirzburger reichstag empfieng er sie aus Paschalis 
händen und leistete den eid. Zwischen 1158 und 1165 gebührt ihm also der 
titel Coloniensium electus ( 3 ), und archicancellarius (per Italiam) konnte er 
ebensowol sein, archiepiscopus aber nur seit jenem Wirzburger tage heifsen ( 4 ). 
Da nun der dichter ihn archicancellarius, nicht archiepiscopus (aber praesul) 
anredet, so sind diese lieder sämtlich vor 1165 zu setzen. Auch rührt schwer 
lich eins von ihnen noch aus dem jahr 1167; es würde sonst kaum unterlas 
sen worden sein, des von Reinald über die Römer erfochtnen siegs und des 
einzugs der Deutschen in Rom (30. juli 1167) meldung zu thun. Friedrich 
war vom herbst 1164 bis zum herbst 1166 in Deutschland, die gedichte wur 
den aber auf welschem boden abgefafst: ich möchte die meisten in das spät- 
jahr 1162 oder zwischen den herbst 1163 und 1164 legen. 
Die Übersicht der einzelnen stücke wird noch einiges besondere dar 
bieten. 
(*) Urkunde a. 1156 bei Lacomblet n°. 389. Die fast unentbehrlichen canzlernamen sind 
uns in den böhmerschen regesten noch nicht verzeichnet. 
( 2 ) Von Räumers Hohenstaufen 2, 109. 
( 3 ) Urkunde von 1164 bei Lacomblet n°. 407. 
( 4 ) Urkunde vom 11. dec. 1165 bei Lacomblet n°. 410.
	        

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