Full text: Gedichte des Mittelalters auf König Friedrich I., den Staufer und aus seiner so wie der nächstfolgenden Zeit

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Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. Dr 196 
meinen spielleuten gleich dem erzschenk, erzkämmerer ein hofamt beim kö- 
nig oder fürsten versah? Jenes scheint unterstützt zu werden durch die schon 
vorhin gemachte Wahrnehmung, dafs die Überschrift archipoeta dem ersten 
gedieht mangelt. 
Doch es ist zeit, ehe wir gewagten mutmafsungen nachhängen, auf die 
historischen bezüge, welche die gedichte an hand geben, und auch auf den 
könig, den wir fast aus dem äuge verloren haben, zurückzukommen. 
Bevor ich aber dazu schreite, habe ich eines neuen fundes zu erwäh 
nen, der die zahl der lieder um zwei, und die allerbesten vermehrend, jene 
ermittlungen vielfach sichert. Es war schon im allgemeinen zu erwarten, 
dafs der wandernde Schüler eine weit gröfsere zahl von gedichten, aufser den 
bettelliedern an Reinald, verfafst haben und davon noch manches in andern 
handschriften aufbewahrt sein müsse. 
Eine solche handschrift bewahrte ehmals Stablo und von da war sie 
nach Brüssel gelangt, wo sie noch heute vorhanden ist. Das pertzische ar- 
chiv 7, 1008 beschreibt sie folgendermafsen: cod. membr. sec. xii, einst 
Stablo gehörig, enthält ein buch de arte dictandi unter erzbischof Reinald 
von Cöln geschrieben und ein gedieht an kaiser Friedrich I. 'salve mundi 
dominus, cesar noster ave 3 ; dann ‘estuans interius ira vehementi 3 an erzbi 
schof Reinald, 'archicancellarie 3 an denselben, mit anderer dinte aber von 
derselben hand geschrieben. 
Wir befinden uns hier ausgemacht auf dem felde der Göttinger ge 
dichte, unter denselben leuten, und kein zweifei, dafs die angeführten drei 
gedichte von dem Verfasser jener acht ausgegangen sind, obgleich hier der 
name archipoeta völlig fehlt. Herr von Reiffenberg hat im bulletin de l’aca- 
demie royale de Bruxelles tome 9 (1842) n°. 5 die drei gedichte herausgege 
ben. Das letzte derselben ist das siebente der Göttinger samlung, nur un 
vollständiger, dagegen das zweite (schon aus Aretins beiträgen 9, 1318-1322 
bekannt) mit dem Göttinger vierten sechs Strophen gemein hat, das erste gar 
nicht unter den stücken der Göttinger handschrift enthalten ist. Ich füge die 
beiden ersten, in berichtigtem text, meiner ausgabe der acht gedichte als 
neuntes und zehntes hinzu. 
Alle zehn mögen in den jahren 1162 bis 1165 verfafst worden sein; 
später als 1167 könnte schon darum keins derselben fallen, weil im herbst 
dieses jahrs erzbischof Reinald, der in allen als lebend vorausgesetzt wird, 
D
	        

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