Full text: Gedichte des Mittelalters auf König Friedrich I., den Staufer und aus seiner so wie der nächstfolgenden Zeit

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schreibt auch selbst seine lebensart und gesinnung in so lebendigen, unver- 
holnen zügen, dafs man aus seinen liedern blicke in die damalige zeit wer 
fen kann und aufschlüsse erhält über das, was diesen wandernden, armen 
Sängern damals gemeinschaftlich gewesen sein mufs. Er erscheint lustig, 
verschwenderisch, ausschweifend, lumpig, bettelhaft, der bei jedem anlafs 
um geld und kleider fleht und für die erwartete gäbe reumütig seinen sünd- 
lichen wandel abzulegen verspricht. Dennoch regt sich in ihm ein gewis 
ser stolz, er will mit dem schwärm der gemeinen bänkelsänger und spiel- 
leute, die er leccatores (altn. leikarar, warum nicht ahd. leichara?), histrio- 
balatrones nennt, unvermengt sein, und scheint sich mit seiner lateini 
schen bildung vorzugsweise an die geistlichen herrn zu schliefsen, ja zwischen 
ihm und einem derselben, dem berühmten, am heer wie bei hof einflufsrei- 
chen erzkanzler Reinald von Cöln mufs irgend ein näheres Verhältnis bestan 
den haben: an Reinald ist gerade der gröfste theil dieser lieder gerichtet. 
Ich will vorerst stellen ausheben, die das gesagte beweisen, und dann weiter 
mutmafsen. Im vierten gedieht nennt er sich von kriegern stammend (ein 
soldatenkind), nicht für bäurische arbeit geschaffen: 
fodere non debeo, quia sum scolaris 
ortus ex militibus preliandi gnaris; 
sed quia me terruit labor militaris 
malui Virgilium sequi quam te, Paris, 
d. h. ich hätte ein held werden können, wollte aber lieber dichter sein, weil 
das kriegshandwerk mich schreckte; 
mendicare pudor est, mendicare nolo, 
fures multa possident, sed non absque dolo; 
quid ergo jam faciam, qui nec agros colo 
nec mendicus fieri nec fur esse volo. 
Mit dem meiden des bettelns scheint es ihm aber kein rechter ernst, denn rwao l J rtuih'T’ 
bald darauf heifst es: scribere non valeo, pauper et mendicus [/ \0/wa 
que gessit in Latio cesar Fridericus, 
und das erste gedieht hat es noch weniger hehl: 
viri digni fama perpetua 
prece vestra complector genua, 
nec recedam hinc manu vacua; 
fiat pro me collecta mutua, 
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