Full text: Gedichte des Mittelalters auf König Friedrich I., den Staufer und aus seiner so wie der nächstfolgenden Zeit

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figen handschriften des Caesarius, dem ich eine critische behandlung in den 
monumentis historiae Germaniae wünsche, darbieten. Wir werden sehn, 
dafs die abfassung unsrer lateinischen gedichte in die sechziger jahre des 
zwölften jahrhunderts fällt. Es widerstrebt keiner möglichkeit, wenn der 
alte lebensmüde archipoeta vom lieber befallen sich bei den Cisterciensern 
(das waren sie zu Heisterbach) hätte aufnebmen lassen, und kaum genesen, 
wie ein gezähmtes wild plötzlich wieder in den freien wald lauft, zu der an 
gewöhnten umschweifenden lebensart zurückgekehrt wäre. Wurden die lie- 
der, wie man nothwendig annehmen mufs, in schäumender jugend verfafst, 
so hätte Nicolaus, etwa zwischen 1145-1150 geboren, als siebzigjähriger greis 
zwischen 1215 und 1220 zu Heisterbach können einkehren; genau wissen wir 
nicht, welches jahr Caesarius unter anno praeterito meinte, er konnte diese 
erzählung niedergeschrieben haben, eh er das übrige buch vollendete. Frei 
lich ein beisatz von senex oder aetatis decrepitae in jenem bericht würde die 
Vermutung wahrscheinlicher machen und der archipoeta der gedichte kann 
allerdings schon ein Vorgänger des niederrheinischen Nicolaus gewesen sein. 
Es käme darauf an, archipoeta in andern stellen als einen ausdruck allge 
meiner bedeutung nachzuweisen. Jetzt bin ich blofs im stande ihn aus weit 
späterer zeit, nemlich noch der des beginnenden sechzehnten jahrhunderts 
beizubringen. Camillo Querno, hofsänger oder hofnarr Leo des zehnten, 
führte damals noch den also auch in Italien hergebrachten beinamen archi 
poeta (*); als er einmal dem pabst über sein mühsames amt klagte: 
archipoeta facit versus pro mille poetis, 
versetzte Leo alsobald: 
et pro mille aliis archipoeta bibit. 
Das stimmt völlig schon zu der weise der wandernden sänger in früherer zeit. 
Ist nun das erste der acht gedichte zufällig ohne die aufschrift archipoeta ge 
blieben, oder kommt sie ihm nicht zu, weil es allein an mehrere gönner, 
die übrigen alle an den einen gerichtet sind, in bezug auf welchen der dich 
ter jenen namen führt? Wir müssen aber noch andere züge und nachrichten 
über ihren Verfasser aus ihnen gewinnen. 
Der dichter stellt sich in diesen nicht nur als einen fahrenden schüler 
dar, der mit dem deutschen heer in Welschland herumzieht, sondern er be- 
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