Full text: Gedichte des Mittelalters auf König Friedrich I., den Staufer und aus seiner so wie der nächstfolgenden Zeit

Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. Dr 196 
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deum venerabili cinctum juventute, 
gloriantur numinis in tanta virtute, 
quas deus considerans prevenit salute. 
75 Causam vie postulat, aperitur causa, 
et laudatur utraque tantum pondus ausa, 
ad utramque loquitur, modo parum pausa, 
donec res judicio reseretur clausa. 
76 Deus erat, virgines norunt deum esse, 
retractari singula non fuit necesse, 
equos suos deserunt et quiescunt fesse. 
Amor suis imperat, judicent expresse. 
77 Amor habet judices, Amor habet jura, 
sunt Amoris judices usus et natura, 
istis tota data est curie censura, 
quoniam preterita sciunt et futura. 
78 Eunt, et justitie ventilant vigorem, 
ventilant et retrahunt curie rigorem 
secundum scientiam et secundum morem: 
ad amorem clericum dicunt aptiorem. 
79 Comprobavit curia dictionem juris 
et teneri voluit etiam futuris; 
parum ergo precavent rebus nocituris 
quj sequuntur militem, et fatentur pluris. (*) 
E 
79,1 wart volge getan. 
79, 2 vgl. de ordine vagorum 9, 1 imis teneatur. 
(’) Da schon im liede 72* der dichter seine geliebte Flora und Floramene nennt, darf man nicht zwei 
feln, dafs auch in diesem längeren streitgedicht, welches den Vorzug eines geistlichen liebhabers vor dem 
weltlichen darstellt, sie als Flora von ihm, dem clericus, besungen werde. Aber die beziehung von Flora 
und Phyllis (laubast) erinnert an die berühmte, dem zwölften jh. sicher schon bekannte sage von Flore 
und Biancaflor, auf welche z. b. die gräfin von Dia in einem liede anspielt (Rayn. 2, 304), nur dafs diese 
namen zwischen liebhaber (Floris, früher wol Floro?) und der geliebten (Biancaflor) getheilt sind, hier 
zwischen zwei jungfrauen. Der vermutete Zusammenhang erhebt sich zur gewisheit durch die Verglei 
chung altfranzösischer, unserm lateinischen liede entsprechender gedichte; ich meine das jugement d’amour 
oder de Florance et de Blancheflor (Meon 4, 354- 365) und Hueline et Aiglantine (Meon nouveau re- 
eueil 1, 353-363), in jenem liegt die ähnlichkeit der namen noch augenscheinlicher vor, und auch in diesem 
bezeichnet Aiglantine den weifsdorn (blancaflor); es ist ein liebliches märchen vom zwist der blumenjung- 
frauen, den sie vor den richtstul des liebesgottes bringen und da schlichten lassen. In beiden französischen 
dichtungen, zumal dem ersten, wird der eigentliche rechtsgang genauer berichtet als im lateinischen lied: 
die vögel mengen sich in den streit und nehmen partei, papegai und nachtigall treten auf als zweikämpfer 
für Florance, die den ritter, und für Blancheflor, die den mönch liebt; die nachtigall siegt und das gericht 
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