Full text: Deutsche Grenzalterthümer

©Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. Dr 197 
deutsche grenzalterthümer. 
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nig, beim antritt der herschaft sein reich nach bestimmten wegen zu durch 
ziehen und von allen marken feierlichen besitz zu nehmen. Eine andere 
Veranlassung zu den grenzgängen fand sich darin, dafs über ihre genaue stelle 
hader und streit ausgebrochen war und sachverständige oder markgenossen 
zu entscheiden hatten. Endlich wurde, zumal in ansehnlichen marken die 
ganze grenze in bestimmter frist, gewöhnlich von sieben zu sieben jahren 
feierlich begangen oder beritten und ihre abzeichen dem gedächtnis der mit 
lebenden eingeprägt. Ein solcher begang glich den jahreszügen der gottheit 
durch das land oder der umtracht des gottes durch die Auren, und bildete 
ein wahres Volksfest, dem die ganze gemeinde fröhlich beiwohnte, wobei es 
nicht an gelagen und schmäusen, im heidenthum gewis nicht an opfern fehlte. 
In Wales geleitete ein geistlicher das umziehende volk und sprach, wenn es 
zum grenzstein gelangt und mit entblöfsten häuptern darum gestellt w*ar, 
einen Auch gegen den aus, der des nachbars grenze verrücken werde, worauf 
alle amen riefen. 
Unsere urkunden gewähren zahlreiche beispiele von grenzbegängen, 
an deren schlufs sie feierlich aufgenommen wurden; die bedeutendsten die- {jöCxrfY 
ser urkunden verdienten zusammengestellt und aus allen die hergänge und ft - ^ 
terminologien des Sprachgebrauchs vollständiger, als es bis jetzt geschehn ist,^, ^ | 
erörtert zu werden. rn 
Es kam besonders auf die kundigen, erfahrnen männer an, welche von ° n f°j 
der grenzzeichen läge und beschaffenheit unterrichtet, sie sicher nachzuwei 
sen im stände waren. Aus einer meldung des zehnten jahrhunderts dürfen f\ / 
wir entnehmen, dafs ein einzelner grenzfuhrer gewählt wurde, der seine rechte Wr YxhfrQV 
feierlich mit dem handschuh bekleidend damit auf die Zeichen Angerdeu- * 
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- ergo, et ciroteca, quam rustici wantum vocant, manu superducta, demon- n s , (J K ~'\ l 
V Ü, stravit( 1 ). Sollte sich aus dieser anwendung des im alten rechtsgebrauchrp^üJ®' 
U ßti Huürä^tf. vorkommenden handschuhs etwa der bei mehrern örtern begegnende l (X 
mu Slia.12., name Handschuhsheim, Handscbuhsleben erklären? ( 2 ) To-Mcmo»-*» , ÖUfcWfc • f\ 
\n2.°\.')%\ .'Jil Während die ältesten greise, die das höchste menschliche ziel erreicht ^ 
" hatten, auserlesen wurden, um sicherste kundschaft von der mark zu erstat- f&Mi jPTMtfÄ 
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(*) Sigehardi miracula sancti Maximini, bei Pertz 6, 232. n 
( 2 ) Berliner Jahrbücher für kritik 1842 sp. 794. ncxxp... 
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