Full text: Über zwei entdeckte Gedichte aus der Zeit des deutschen Heidenthums

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J. Gjrimm über zwei entdeckte Gedichte 
alles Gefahr, und nichts ist den gütigen Gottheiten angelegner als schleunig 
sie abzuwenden. Heilungen und Beschwörungen vorzunehmen war ein 
Frauengeschäft (*), darum sich auch hier vier hehre Göttinnen des Zaubers 
unterfangen, obwol vergebens; erst dem Oberhaupt aller Götter gelingt es 
ihn zu lösen. Das erste Lied gewährt uns Einsicht in das Amt höherer aber 
untergeordneter Wesen; auf die Ausdrücke idis und haptband habe ich alles 
Gewicht gelegt, das sie zu fordern scheinen, sie sind Fingerzeige uralter und 
systematischer Religion. 
Das Ergebnis wurde davon getragen, dafs die eigentliche Abfassung der 
Gedichte zurück zu verlegen sei bis in den Zeitraum vor der Bekehrung, 
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höher gemessenen oder auch noch ungemessenen griecmsener, indischer My 
thologien, die von epischer bis zu dramatischer Fülle ungestört sich entfalte 
ten. Unser einheimisches Heidenthum litt Unterbrechung, bevor es sinnliche 
Kraft und Anmut, die man ihm nach dem nordischen Mafsstab nicht abspre 
chen wird, geistig erhöhte und grofs zog, was ihm vielleicht doch versagt ge 
blieben wäre. Es hat die Keime des Göttlichen. Seine rohen, nicht un 
schönen Bruchstücke rühren uns, sie reizen gleich allem Vaterländischen zu 
öfterer Betrachtung. 
Wie man aber dem was ich auszuführen suchte zugethan sei oder ab 
geneigt, es erweitern oder einschränken möge; das wird kaum Widerspruch 
befahren, dafs von künftigen Forschern ältester deutscher Religion, Sprache, 
Poesie oder Geschichte die Merseburger Denkmale, nachdem sie nun einmal 
wieder ans Licht getreten sind, nicht vorbeigegangen werden dürfen. 
(') Rindr singt galdr über Rän (Ssem. 97); Groa über Thorr und iln
	        

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