Full text: Über zwei entdeckte Gedichte aus der Zeit des deutschen Heidenthums

Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. Dr 195 
aus der Zeit des deutschen Heidenthums. 
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Benennungen, wie Teufelsmauer, Rofsrücken, Hundsrücken und ähn 
liche, wie sie anderwärts auch blofsen Gebirgsreihen, bei deren Bildung 
Menschenhände aufser Spiel sind, zustehen. Ohne den Namen des Phol 
bestimmt und von Anfang an auf sie zu beziehen, könnte er doch in der 
Volksansicht ihnen hinzugetreten sein? 
4. Noch näher liegt mir zu fragen, ob nicht ein seit dem zwölften 
Jh. in der mhd. Poesie auftauchender Name Valant, Volant (Mythol, s^ 
555), den uns noch niemand erklärt hat, und der Gott Phol Zusammenhän 
gen? Es kommt hinzu, dafs hennebergisch und thüringisch Fäl, Fahl, der 
böse Fal für Teufel und bösen Feind gesagt wird (Reinwald henneb. Id. 
1,30.) Ahd. Sprachdenkmäler lieferten bisher weder Pholant noch ein 
faches Phol. Altsächsisch müste sich wie Pal, Pol ein Paland, Poland auf 
weisen. Aus dem Begriff Teufel statt des lebendigen Gottes hätte sich denn 
auch Teufelin, välantinne aus valant gebildet. (*) 
Darf ich gestehn, dafs diese wenn noch so problematischen Bezüge 
des Phol auf Valant und die Teufelsmauer mich beinahe wieder wankend 
machen in der Annahme seiner Identität mit Balder? Balder war ein so rei 
ner, schuldloser, fast frauenhafter Gott, dafs es schwer wird zu glauben, 
selbst die geflissene Entstellung heidnischer Götter habe sein Bild je in ein 
teuflisches verkehrt. Wie also wenn Phol ein böser Gott, gleich dem nord. 
Loki war, der mit Wuotan zu Walde fuhr, in dessen Geleite ihn die Edda 
oft schildert, und gar die Lähmung des Rosses von Balder veranlafste? Dafs 
er zur Lösung des Zaubers nichts beitragen wollte, versteht sich von selbst. 
Dem Loki durfte Theilnahme an Riesenbauten viel eher als dem Balder bei 
gelegt werden. 
Über Phol hoffentlich wird uns künftige Forschung, da er nun ein 
mal aufgeweckt und unter der Bank hervorgezogen worden ist, entscheiden 
dere Aufschlüsse bringen. Ich kehre wieder zu unserm Gedichte, dessen 
erstes Wort an sichrer Deutung noch verzweifeln liefs. 
Birenkit (statt des Schreibfehlers birenkict) in der zweiten Zeile ist 
unser heutiges verrenkt, Rank drückt Verdrehung aus, was in sechster Zeile 
(*) des franz. fol, fou, provenz. folli, die man aus fallere ableitet, denke leb nur in der 
Anmerkung. Wichtiger w’are wol das Diminutiv volencel faunus in einem mittelniederländ. 
glossar (Diut. 2,214.) Das engl, fool war noch nicht ags. und wurde, gleich dem Island, fol, aus 
dem franz.Wort entnommen. Seltsam ist fols cuculus bei Graff 3,517, weil gouch wieder stultus. 
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