Full text: Über zwei entdeckte Gedichte aus der Zeit des deutschen Heidenthums

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J. Grimm über zwei entdeckte Gedichte 
als mit Phol. Zwar alliterierten dann Wol und Wodan, doch im zweiten 
Gliede gienge das Band aus, man müste denn von neuem auch holza verän 
dern in walda. Allein an der Alliteration Phol und fuorun ist auch nichts 
auszusetzen. 
Was ist aber Phol? nach jenem dem Stil der Erzählung abgedrung 
nen Schlufs dürfte es ein andrer, der nordischen Mythologie unbekannter 
Name Balders, ja Phol (mit kurzem Vocal für Phal, wie holon und halon) 
einerlei sein mit Bai, das in Balder steckt. Die sächsische Form wäre dann 
P*ol, Pal, was aber der Dichter, seiner Mundart nach, in Phol veränderte, 
der Schreiber in dem übergesetzten h noch nachbesserte. 
Bekanntlich besitzt die hochdeutsche Sprache ein zwiefaches F. Eins, 
ihr mit der gothischen und sächsischen gemein, erscheint anstatt des lat. P, 
z. B. in pater, goth. fadar, ahd. fatar; griech. TroXyg, goth. filus, ahd. filo. 
Hier war aus Gründen, die ich anderwärts ausführlich erörtere, die Lautver 
schiebung ins Stocken gerathen, deren Gesetz zufolge die ahd. Formen die 
ser Wörter B zeigen, mithin batar, bilo hätten annehmen sollen. Ein zwei 
tes ganz anderes ahd. F ist das dem goth. und sächs. P, oder dem lat. B 
entsprechende, in Wörtern wie cannabis, sächs. hamp, ahd. hanf; sächs. 
helpan, heptan, ahd. helfan, heftan, welche zvreite Art jedoch anlautend 
bisher nur in fremden Wörtern, wie sächs. papo, ahd. phafo; sächs. pebar, 
pepar, ahd. phefar; sächs. pipa, ahd. phifa; sächs. pund, ahd. phunt wahr 
genommen worden ist, wo bereits die lat. Form papa, piper, pondus zeigt, 
die ahd. aber ihr F (fafo, funt) in PH oder PF zu steigern liebt. Solch 
fremdartiges PH meine ich nun auch in unserm Phol zu erblicken, dem zwar 
ein sächs. Pol oder Pal entspräche, das aber nichts destow T eniger hier auf 
fuorun (sächs. förun) alliteriert und kaum viel verschieden von Fol ausge 
sprochen worden sein wird. 
Balder seinem ganzen Wesen nach ist ein Lichtgott, Sonnengott, 
und die sächs. Form Bäldäg, Beldeg (ich weifs nicht, ob zu schreiben Bael- 
däg) stellt heraus, dafs die Wurzel nicht in bald audax, sondern im ags. bael, 
altn. bäl rogus, pyra mitliege. Bseldäg könnte wörtlich dies rogi, ignis aus- 
drücken, wobei nicht zu übersehn ist, dafs Bseldägs Sohn in den Genealo 
gien Brand heifst, altn. brandr. beal ist aber im Irländischen Sonne, und 
hat schon genug Mythologen auf die celtische Gottheit Belenus, dann wei 
ter auf Bel, Belus und selbst Apollo geleitet. Phol, Pol, Pal hingegen
	        

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