Full text: Über zwei entdeckte Gedichte aus der Zeit des deutschen Heidenthums

aus der Zeit des deutschen JTeidcnl/mrns. 7 
Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. Dr 195 
iterum, wir erhielten auch auf diesem Wege den Sinn von retro, retrorsum. 
Meine Übersetzung versucht huc et illuc, was ungefähr die wirkliche Mei 
nung erreicht. 
Bei hapt heptian, d.i. Haft heften im zweiten Vers bleibt dahinge 
stellt, auf welche Weise, zu welchem Ende diese Frauen es vollbrachten. 
Herile zian (goth. hari latjan) ist exercitum tardare, morari, hemmen, auf- 
halten, in dem Kampf von gröfstem Einflufs. Bei Graff 2,298 gibt lezian 
retardare und irretire. Edda Saem. 31 a heifst es ähnlich mit unsrer Redens 
art: heima letja ec mundi herja föctor, domi retardare velim exercituum pa- 
trem, i.e. Odinum. 
Clübon im dritten Verse bedeutet colligere, pflücken, auflesen, was 
wir noch jetzt klauben, aufklauben nennen. Man sagt z.B. Eicheln, Ähren 
klauben (Schmeller 2,349); mhd. den wintruben abe chlüben, Maria 192,25. 
Hier jedoch steht bei klübön nicht der gerade Acc., die Präp. um bi vermit 
telt ihn: klubon umbi cuoniowidi heifst nach Kränzen pflücken oder suchen, 
wie mhd. nach pfifferlingen kluben MsH. 3, 307% nach Schwämmen su 
chen. (*) Von der so entwickelten Bedeutung des Wortes klubon ist das 
rechte Verständnis des Wortes kuniowidi nicht unabhängig. Kuoniowidi, 
richtiger kuniowidi, ist in ahd. Form Gramm. 2, 464 aufgewiesen, khuna- 
withi gloss. Ker. 184, chunwidi Diut. 1,259 drückt aus catena, wie goth. 
kunavedom Eph. 6,20 catenis. Diesem goth. kunaveda oder kunavedo ca 
tena schiene i für e (die freilich öfter wechseln) angemessen, doch könnte 
mit der Vocalabweichung auch das verschiedne Genus Zusammenhängen, das 
goth. Wort ist weiblich, das ahd. neutral. Ags. bietet sich cyneviclije redi- 
miculum und cynevictdan redimicula dar, wieder ein schwaches Fern, zu dem 
goth. kunavido stimmend, in dieser Mundart drückt auch das einfache vidcte 
vineulum, restis, catena aus und scheint lautverschoben nichts als das lat. 
vitta, d.i. taenia, rcavla, fascia, qua crines vel serta aut flores religabantur. 
Im Vorsatz cyne, kuna, kunio mag der Begriff einfacher Binde erhöht sein 
etwa in Hauptbinde, Diadem, Krone. Wenn aber die idisi, vielleicht in 
Lüften, ob der Erde schwebend nach solchen Binden pflücken, darf man 
nicht annehmen, dafs sie von bestimmten heiligen Bäumen oder Stauden 
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(*) umbe und nach tauschen, z.B. werben nach oder umbe (Gramm. 4,841); ahd. 
avaiön (satagere) umbi thaz ambaht, T. 63,3. 
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