Full text: Brief von Adolf Friedrich Hesse an Louis Spohr

wie in einigen Konzerten, mehrfach Klavier spielte.
Vieuxtemps gab ein Konzert im Saale und wir im
Theater unter großem Zulauf. Er ist ein sehr bedeutender
Geiger (wir hörten ihn ja auch in London zusammen),
namentlich interessierte mich ein neues Konzert in d moll
(aus 4 Sätzen bestehend, es hat auch ein Scherzo) sehr, das in
Erfindung, Harmonie und G seinen Effecten in der Instru-
mentirung sehr interessant und sinfonieartig
gehalten ist. Er spielte dann noch eines in E dur, und das
Beethovensche in d. Doch wir Altgläubigen werden bei
ihm doch von so Manchem gestört. Die schwächere
Besaitung, der große Konsum des Bogens, die oft übertriebene
Leidenschaftlichkeit im Vortrage, die Flageoletpfeifferei, das
Reißen und Schnalzen auf der schwachen G-Saite, sind Dinge,
die ich, im Andenken an die mir von Ihnen gewordenen
ungetrübten Hochgenüsse, nicht goutire. Dann spielt er
auch viel schlechtes Zeug, um dem großen Publikum genug
zu thun, wie Yankeedoodle, Hexenvariationen von
Paganini, den Karneval in Venedig. Interessant war sein
Vortrag der alten Teufelssonate von Tartini, die zwar
einen langen Zopf hat, aber doch von großer Schwierigkeit
ist. Ich habe in der Zeitung Einiges über das ältere und
neuere Virtuosenthum gesagt und sende es Ihnen mit. —
Ihre werthe Frau Gemahlin, so wie Alle die lieben Ihrigen
befinden sich doch wohl? Empfehlen Sie mich Allen, so wie
sonstigen Bekannten und Freunden hochachtungsvoll.
Denken Sie, hochverehrter Freund, inmitten der Politik
auch an mich und erfreuen mich recht bald mit einigen
Zeilen, die ich immer mit großer Freude begrüße.

Wie immer Ihr dankbarer Verehrer
Adolph Hesse.

Volltext von: Karl Traugott Goldbach, Spohr-Briefe www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1854041831

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