Full text: 400 Jahre Landesbibliothek

IX. Die Landesbibliothek Kassel im Verbund der wissenschaftlichen 
öffentlichen Bibliotheken in Kassel ab 1957 
Am 31. Oktober 1957 beschloß die Stadtverordnetenversammlung der 
Stadt Kassel, dem Vertrag über die Übernahme der Landesbibliothek in Eigentum 
und Verwaltung der Stadt Kassel zuzustimmen. Die Verhandlungen hatten im 
Herbst 1953 begonnen. Bis zum 15. November wurden Inventar und Bestände an 
Büchern und Handschriften gezählt und ordnungsgemäß übernommen. Ab 
15. November wurden die Landesbibliothek Kassel und die Murhardsche 
Bibliothek der Stadt Kassel gemeinschaftlich verwaltet. 
Durch den Vertrag ist die Landesbibliothek Kassel bereits ab 1. 4.1957 in 
das Eigentum der Stadt Kassel übergegangen. Zu diesem Termin wurden 10 
Bedienstete des Landes übernommen. Der Betrieb der Landesbibliothek lief 
jedoch bis zum Januar 1959 unverändert weiter, da zunächst das Murhardsche 
Bibliotheksgebäude für die zusätzliche Aufnahme der Landesbibliothek Kassel 
instandgesetzt werden mußte. Der Umzug erfolgte im wesentlichen im März und 
April 1959. 
Das vereinigte Bibliothekensystem hieß seit dem 15. 11. 1957 „Murhard 
sche Bibliothek der Stadt Kassel und Landesbibliothek“. Durch den Vertrag vom 
12. 12. 1975 zwischen der Stadt Kassel und dem Land Hessen über die 
Übernahme der Verwaltung der „Murhardschen Bibliothek der Stadt Kassel und 
Landesbibliothek“ durch das Land Hessen wurde der Verbund um die Bibliothek 
der Gesamthochschule Kassel erweitert. Seit dem 1.1. 1976 heißt das Bibliothe 
kensystem „Gesamthochschul-Bibliothek Kassel - Landesbibliothek und Mur 
hardsche Bibliothek der Stadt Kassel“, 
Die Vereinigung der öffentlichen wissenschaftlichen Bibliotheken in 
Kassel war eine rationelle Notwendigkeit, die für Verwaltung wie Benutzung nur 
Vorteile bot. Mit dem Aufbau und beginnenden Ausbau eines einzigen, 
zentralen, auf allen Gebieten tätigen wissenschaftlichen Bibliotheksinstitutes 
beginnt ein neuer Abschnitt in der Geschichte der wissenschaftlichen Bibliothe 
ken Kassels. 
Erster Direktor der vereinigten Bibliotheken wurde der um die Erfor 
schung der Arbeit der Brüder Grimm bereits verdiente Wissenschaftler und 
Bibliothekar Dr. Ludwig Denecke. Bei seinem Dienstantritt am 30. 4. 1959 
waren die Umbauarbeiten im Murhardschen Bibliotheksgebäude und der Einzug 
der Landesbibliothek Kassel in das Gebäude weitgehend abgeschlossen. Sein 
Verdienst ist es, Verwaltung, Kataloge, Benutzungsgefüge und Erwerbung gemäß 
den neuen Möglichkeiten zweckmäßig aufgebaut zu haben. 
Dr. Denecke trat am 30. 4. 1968 in den Ruhestand. Leiter bis 1975 wurde 
mit Wirkung 1. 5. 1968 der Bibliothekar Dr. Dieter Hennig, für die ausgeschrie 
bene Position unter anderem positiv ausgewiesen durch seine frühere Tätigkeit 
bei der Göttinger Arbeitsstelle „Deutsches Wörterbuch der Brüder Grimm“, Dr. 
Hennig leitete in Personalunion auch die Stadtbücherei Kassel. Mit Erfolg setzte 
er unter den größeren Möglichkeiten den begonnenen Aufbau der Bibliothek 
fort. 
Die Geschichte der Landesbibliothek in dieser Zeit ist Teil der Biblio 
theksgeschichte des vereinigten Bibliothekensystems ab 1957. Im Rahmen der 
Vertragsverpflichtungen bemühte sich das Bibliothekensystem, die alten Sammel 
gebiete der Landesbibliothek Kassel weiterhin intensiv zu pflegen. Die Erwer 
bungsmittel beider Bibliotheken hatte man zunächst addiert in der Überlegung, 
daß damit in einem besseren Umfang als in der Vergangenheit die Sammelgebiete 
beider Bibliotheken betreut werden könnten. Die Erstarrung des Etats bis 1968, 
dazu gelegentliche Haushaltssperren, die Verteuerung der wissenschaftlichen 
Literatur, brachten es mit sich, daß bis 1969 wie in früheren Zeiten der 
Erwerbungsetat als zu gering bezeichnet werden mußte. Die größeren Zuweisun-
	        

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