Full text: 400 Jahre Landesbibliothek

einem alphabetischen Zettelkatalog für die Benutzer und für die Verwaltung — 
Regelwerk Preußische Instruktionen einem Schlagwortkatalog - nach dem 
weiten Schlagwortbegriff - und einem systematischen Katalog - Regelwerk der 
Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg 
In diesen Katalogen waren 1957, kurz vor der Vereinigung mit der 
Murhardschen Bibliothek der Stadt Kassel, vom Druckschriftengesamtbestand 
von rd. 130000 bibliographischen Bänden rd. 90000 Bände nachgewiesen. 
Im Haus Ständeplatz 8 befanden sich die Mehrzahl der Verwaltungs 
räume, der allgemeine Lesesaal und die Ausleihe. Die neueren Erwerbungen 
konnten dort aus einem provisorischen Magazin sofort bereitgestellt werden. 
Bestellungen auf Bücher, die in der Gemäldegalerie magaziniert waren, mußten 
mit Hilfe eines Fahrrades mit einem angehängten Wagen (!) herbeigeschafft 
werden. Unter der allgemeinen Belastung durch den Wiederaufbau war die 
räumliche Trennung für die Mitarbeiter eine besondere Arbeitserschwernis. 
VIII. Die Sonderabteilungen der Landesbibliothek bis 1957 
Die Sonderabteilungen entstanden erst nach der Brandkatastrophe 1941 
infolge von Schutzüberlegungen - Auslagerung der Handschriftenabteilung 
1942-1949 in das Hessische Staatsarchiv nach Marburg - oder infolge der 
Schwerpunktsetzung bei der Wiederaufbauplanung im Jahre 1942 - Hassiaca- 
Abteilung -. Handschriften wie das Hessische Schrifttum waren lediglich bis 
dahin im Magazin besonders aufgestellte Literaturgruppen. 
1. Die Hessische Abteilung als Sonderabteilung befand sich in der Neuen 
Galerie. Aufgrund einer Auszählung des alten Standortkataloges umfaßte die 
Hassiacaabteilung im Augenblick der Brandkatastrophe im Jahre 1941 exakt 
8068 Einzelschriften mit 15011 Bänden. Ihre Aufteilung nach Erscheinungs 
zeiten ohne die Periodica illustriert die immense Schwierigkeit, auf die eine 
Wiederbeschaffung stoßen mußte : rund 5 % stammten aus dem 16. Jh., 12 % 
aus dem 17., 25% aus dem 18., 40% aus dem 19. und 12% aus dem 20. 
Jahrhundert. 
Die Beharrlichkeit, mit der Direktor Hopf und der wissenschaftliche Mitarbei 
ter Lieberknecht bereits bis 1948 versucht hatten, die Hassiaca-Verluste zu 
ersetzen, führte bis 1957 zu einem Bestand, der geschätzt rd. 80% dem der 
Vorkriegszeit entsprach. Der Kern-Buchbestand einer Landesbibliothek war 
somit durchaus wieder vorhanden. 
1952 erschien die von Bibliotheksrat Bahlow erarbeitete „Bibliographie der 
wichtigeren Neuerscheinungen über Kurhessen und Waldeck 1940 bis 1951“. 
Bahlow setzte damit eine alte Tradition der Landesbibliothek in Zusammenar 
beit mit dem Verein für Hessische Geschichte und Landeskunde fort. Bis zum 
Erscheinen der „Hessischen Bibliographie“ ab 1976 hat der verantwortliche 
Sachbearbeiter dieser Sonderabteilung jährlich in der Zeitschrift des Vereins für 
Hessische Geschichte und Landeskunde die Neuerscheinungen über Kurhes 
sen und Waldeck angezeigt. Heute wird der „Hessischen Bibliographie“ 
zugearbeitet. 
2. Die Handschriftenabteilung war in besonders geschützten Räumen im 
Haus Ständeplatz 8 im ersten Stock untergebracht. Ihre Hauptaufgabe bestand 
neben der laufenden Beratung der Benutzer darin, Vorbereitungen für eine 
umfassende wissenschaftliche Katalogisierung zu treffen. Der Bestand an 
mittelalterlichen Handschriften wurde 1954 mit rd. 400 Bänden ermittelt. 
Gegenstand besonderer Aufmerksamkeit war die Suche nach Handschriften, 
die an den Auslagerungsorten verschwunden waren. Nach Bad Wildungen 
z. B. waren die beiden wertvollsten Handschriften, das Hildebrandslied und 
der Willehalmcodex, ausgelagert worden. Beide Handschriften waren 1945 
nicht auffindbar. Die Handschrift mit Blatt 2 des Hildebrandsliedes fand sich
	        

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