Full text: 400 Jahre Landesbibliothek

In den letzten Kriegswochen war ein geregeltes Arbeiten nicht möglich. 
Erworbene Bestände wurden möglichst sofort in einen Auslagerungsort gebracht. 
Mit Kriegsende verfügte die Landesbibliothek wohl über Verwaltungsräume im 
Murhardschen Bibliotheksgebäude - hier befand sich ab Herbst 1944 auch die 
Hessische Abteilung jedoch über kein Magazin. Sie besaß zwar rd. 65 000 
bibliographische Bände, doch diese befanden sich, zum Teil in Kisten verpackt, 
an fast 20 Auslagerungsorten. 
Dr. Hopf hatte nach Kriegsende zunächst diese Bestände aus den 
Auslagerungsorten zurückzuholen. Voraussetzung hierzu war, daß in Kassel oder 
im nahen Umland geeignete Magazinräume zur Verfügung standen. Der biblio 
thekarische Alltag der Jahre bis 1949 kann als unablässiger Versuch charakterisiert 
werden, die Grundlage der Arbeit wiederherzustellen: Magazinraum, Raum für 
die Verwaltung, Arbeitsgerät, insbesondere Bücherregale zum geordneten Auf 
stellen der zurückgeholten Bücher zu erwerben oder zu mieten. Erst im Herbst 
1949 konnten die letzten Bücherstapel aufgestellt werden. Parallel dazu bemühte 
sich Dr. Hopf, die Bibliothek wenigstens provisorisch dem Publikumsverkehr 
wieder zu öffnen. 
Im Herbst 1945 konnte Dr. Hopf unverhofft die erneute Anmietung des 
Erdgeschosses der stark zerstörten Gemäldegalerie erreichen. Zur Nutzung für 
die Bibliothek mußte der Baukörper jedoch äußerlich wie im Innern erst 
instandgesetzt werden, was trotz aller Ungeduld dazu führte, daß die Bibliothek 
das Übergangsdomizil im Murhardschen Bibliotheksgebäude erst im Sommer 
1947 verlassen konnte, ein Jahr später als zunächst vorgesehen. 
Bis dahin fluteten, - z. T. durch unerwartete Autotransporte dank eines 
Entgegenkommens des amerikanischen Kulturoffiziers - die auswärts ausgelager 
ten Bücher nach Kassel zurück. Sie wurden im Murhardschen Bibliotheksge 
bäude, z. T. im Untergeschoß der Gemäldegalerie, in Haufen und damit 
unbenutzbar gestapelt. Ein größeres Ausweichmagazin konnte im Ritterschaftli- 
chen Stift in Oberkaufungen gefunden werden, so daß ab 1946 fast alle 
Buchbestände wieder in Kassel bzw. in Oberkaufungen zusammengeführt waren. 
Die Verluste in den Auslagerungsorten waren in der Menge zwar gering, in der 
Substanz aber gravierend: einige besonders wertvolle Handschriften und die 
Grimm-Sammlung gingen in einem thüringischen Auslagerungsort bei Wanfried 
verloren. 
Die Raumsituation verschärfte sich 1946 dadurch, daß die amerikanische 
Verwaltung Teile des Murhardschen Bibliotheksgebäudes für die Einrichtung 
einer Amerikabibliothek beschlagnahmte. Die Stadt Kassel drängte daher auf 
einen möglichst raschen Auszug der Landesbibliothek. 
Bereits 1944 war das Personal der Landesbibliothek aufgrund der 
kriegsbedingten Unmöglichkeit, Literatur in größerem Umfang zu erwerben, 
verringert worden. Diese Entwicklung setzte sich 1945 fort, einmal dadurch, daß 
alle Mitarbeiter, die der NSDAP angehörten, entlassen wurden. Zum anderen 
mußten aus Sparsamkeitsgründen weitere Angestellte ihren Dienst quittieren. Für 
den Aufbau war jedoch eine verbliebene Personalkapazität von 5 Mitarbeitern 
nicht ausreichend. Direktor Hopf wies in seinen Erläuterungen zum Haushalts 
plan für das Rechnungsjahr 1946 auf diese Zusammenhänge hin. Er fand 
Verständnis und konnte so trotz der schwierigen Zeitsituation, beginnend mit 
dem Haushaltsjahr 1946 Schritt um Schritt die Zahl der Planstellen wieder auf den 
beträchtlichen Stand von 14 bringen. 
Die sogenannte „Führerspende“ in Höhe von 200000 RM wie eine 
Spende der Hessischen Brandversicherungsanstalt von 50000 RM waren 1942 auf 
einem Sparbuch angelegt worden mit dem Ziel, damit nach dem Kriege 
notwendige Ergänzungskäufe tätigen zu können. Dieses Sparbuch wurde der 
Bibliothek jetzt zur Verausgabung zur Verfügung gestellt und ermöglichte es ihr, 
in Verbindung mit der allgemeinen Etatzuweisung in dieser Zeit großzügiger 
Literatur zu erwerben. Laut Kaufstatistik 1946-1948 erwarb die Landesbiblio-
	        

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