Full text: 400 Jahre Landesbibliothek

Sekretariat und einige Räume, genutzt durch den Verein für Hessische 
Geschichte. Der Zugang zum ersten Stock war durch Treppen in den Seitenflü 
geln und eine großzügige Treppe hinter der Ausleihe möglich. Die Räume im 
ersten Stock dienten im wesentlichen als Büchermagazin, auch der in früheren 
Reiseberichten so sehr gelobte große Büchersaal. Im rechten Flügel befand sich 
das Arbeitszimmer des Handschriftenbibliothekars. Im Zwehrenturm wurden die 
wertvollen Handschriften und Musikalien aufbewahrt. Der Hausbuchbinder für 
eilige Reparaturen hatte hier seine Werkstatt, Er wie der Hausmeister waren 
zugleich Bote und Magaziner. 
Der Personaletat 1930/31 wies insgesamt 12 Planstellen aus. 4 Planstellen 
sind dem Höheren Dienst und 5 Planstellen dem Gehobenen Dienst zuzuordnen. 
Am Ende des Haushaltsjahres 1929/30 besaß die Bibliothek 325 882 
bibliographische Bände, das waren rund 80000 Bände mehr als 1912. Zusätzlich 
nennt die Statistik 380 Wiegendrucke, rund 4500 Handschriften, dazu Karten, 
Noten, Bilder usw. 
Die Landesbibliothek Kassel besaß gute Bestände an alter Literatur aus 
allen Wissenschaftsgebieten. Erst die Entwicklung zur Landesbibliothek von 
Kurhessen bzw. zur Ständischen Landesbibliothek hatte den Ansatz einer 
historisch-philologischen Ausrichtung verstärkt. Die Landesbibliothek pflegte 
um 1930 in erster Hinsicht das Fach Geschichte und insbesondere die von 
Kurhessen. Weitere Schwerpunkte waren klassische und neue Philologie mit 
ihren verwandten Wissensgebieten, Archäologie und Kunstgeschichte, Geogra 
phie, wenig Theologie und von den Rechtswissenschaften nur das Bürgerliche 
Recht und das Strafrecht, 
Der Erwerbungsetat von 30000 RM im Haushaltsjahr 1930 einschließlich 
7000 RM für den Einband reichte nach der Abschätzung von Dr. Hopf gerade 
aus, um die wichtigsten Neuerscheinungen der eben genannten Gebiete, bei der 
deutschen Verlagsproduktion auch Spezialwerke, in guter Auswahl zu erwerben. 
In den vergangenen Jahren ab 1920 war es aufgrund der bekannten Notzeiten 
nicht immer möglich gewesen, alle wissenschaftlich wertvollen Werke für die 
Landesbibliothek anzuschaffen. Dr. Hopf forderte daher zu Recht hierfür wie bei 
Zuweisung neuer Aufgaben eine Erhöhung der Erwerbungsmittel. 
Die überaus knapp bemessenen Erwerbungsetats hatten bereits am 
1. Oktober 1922 nach zweieinhalbjährigen Verhandlungen zu einer Vereinbarung 
zwischen der Landesbibliothek Kassel und der Murhardschen Bibliothek der 
Stadt Kassel geführt, wodurch die beiden Bibliotheken ihre Arbeitsgebiete 
anhand der geschichtlichen Entwicklung trotz einer universalen Sammelverpflich 
tung einigermaßen abgrenzten. Eine Erweiterung dieses Abkommens auf die 
übrigen öffentlichen und nichtöffentlichen Bibliotheken der Stadt Kassel war ins 
Auge gefaßt worden. Ziel war es, eine möglichst große Titelvielfalt zum Nutzen 
der an wissenschaftlicher Arbeit interessierten Bevölkerung in Kassel und 
Umland zu erwerben. Praktisch stand diese Erwerbungsabsprache jedoch nur auf 
dem Papier. 2 
Durch besondere Vereinbarungen hatten die wissenschaftlichen Vereine 
„Verein für Hessische Geschichte und Landeskunde “, „Verein für Natur 
kunde“, der „Gartenbauverein“, der „Verein für Erd- und Bürgerkunde“, der 
„Hessische Bezirksverein Deutscher Ingenieure“, der „Deutsche Sprachverein“ 
und die „Kurhessische Gesellschaft für Familienkunde in Hessen-Nassau und 
Waldeck“ sowie der „Ärzteverein Kurhessen-Kassel“ ihre Büchersammlungen in 
der Bibliothek aufstellen dürfen. Sie wurden durch Vereinsmitglieder betreut. Sie 
standen vereinbarungsgemäß den Benutzern der Landesbibliothek Kassel allge 
mein zur Verfügung. Hauptnachteil war, daß der Zustand dieser Büchersamm 
lungen je nach der Einsatzbereitschaft des Bücherwartes unterschiedlich gut war. 
Die Vereine tauschten jedoch mit allen gleichgearteten Vereinen Deutschlands, 
zum Teil auch des Auslandes Publikationen. In diesem Zuwachs von wissen 
schaftlichen Neuerscheinungen, die zusammen keinen geringen Wert darstellen,
	        

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