Full text: 400 Jahre Landesbibliothek

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Bibliotheksgeschichte 
Ernst Wilhelm Cuhn (1756-1809) 
Johann Christian Entzeroth (um 1751-1814) 
Friedrich Wilhelm Strieder (1739-1815) 
Jean Pierre Louis Marquis de Luchet (1740-1792) 
Johannes Buch (um 1515-1599) 
Ludwig Denecke (* 1905) 
Nachdem Wir den Candidatum Ernst Wilh. Cuhn die Gnade gethan und 
denselben zum Secretario bey Unserer Bibliothec im Musio zu Cassel ernennet, 
ihme auch einen jährlichen Gehalt von Einhundert Th. hierdurch verordnet 
haben; So hat der Geheime Rath [davor gestrichen: Legations] Marquis de Luchet 
[...] die vor denselben erforderliche Instruction zu begreifen und zu Unserer 
gnädigsten Vollenziehung einzuschicken. Weisenstein, den 4 ten Junii 1784. (StA 
Marburg. 5. Hess. Geh. Rat 9650, 5.) So läßt Landgraf Friedrich II, Cuhn auf 
dessen Bitte um Anstellung vom 15. April 1784 antworten. ERNST Wilhelm 
CUHN (1756-1809), Sohn des Hofrats und Leibmedikus’ Cuhn hatte sich 
vorgestellt u. a. mit dem Signalement Mes etudes finies depuis quatre ans, pendant 
lesquels, Vhistoire naturelle, la politique, la finance et les langues modernes... und 
erstrebte nun une place au Museum, (a. a. O. 3) 
Über Cuhns merkwürdige kurze Marburger Professorenschaft bemerkt 
Strieder: Um ihn von Cassel zu entfernen, bekam er zwar jenes Professorenre- 
script, worauf er aber stehend seine Entlassung bat, worin ihm gern willfahrt 
wurde. (Strieder 11, 361.) Durch irgendeinen schwerwiegenden, bisher noch 
nicht feststellbaren Vorfall muß er sich den Zorn Landgraf Wilhelms IX. 
zugezogen haben, denn er schreibt am 21. Mai: Mit der innigsten seelenzerknir 
schenden Empfindung erfuhr ich gestern den hohen Grad von Ungnade die ich das 
Unglück gehabt mir von Ew. hochfürstlichen Durchlaucht zuzuziehen und bin 
darüber so erschrocken und bestürtzet, daß ich kaum noch Besinnung habe, und 
lebe wie im Traum, (a. a. O. 35.) Die Entlassung wird prompt und kommentarlos 
verfügt. Damit war auch die Bibliothek einen ihrer emsigsten, gewissenhaftesten 
Mitarbeiter los. 
Nachdem Friedrich Wilhelm Strieder am 22. 3. 1786, nach dem Tode 
Friedrichs II,, wieder in der Bibliothek war, setzte er seine ganze Energie daran, 
... der mißhandelten Bibliothek nur gleich für’s erste ihre vormalige Gestalt 
wieder zu verschaffen... (Strieder 18, 468). Das hieß, er machte kurzen Prozeß 
mit der verhaßten Luchet’schen Systematik und begann einen achtzig Folianten 
umfassenden Katalog. Autor war, wie schon erwähnt, Ernst Wilhelm Cuhn. Im 
§4 seiner Bestallungsurkunde vom 23.6.1788 - er war inzwischen zweiter 
Bibliothekar geworden - liest sich das so: Und da das System, nach welchem die 
Bücher bisher abgetheilt und geordnet gewesen, so wie es wäre, nicht bestehen 
kann; so haben bey de Bibliothecarien sich vorzüglich auch damit zu beschäftigen, 
daß die gehörigen Abtheilungen der Bücher nach den Wißenschaften vorsorglichst 
geschehe, und dabeneben genau nachgesehen werde, ob alles, was die alten 
Verzeichniße enthalten, auch würklich noch vorhanden, und zu dem Ende jedes 
Buch mit dem Catalogo verglichen, auch sich überzeugen; ob alles richtig 
eingetragen, mithin so detaillirt seye...; und im § 6 heißt es: Ununterbrochen soll 
also vor die Beendigung des Catalogi und deßen bestimmten Fortsetzung, in 
Ansehung aller neu zugehenden Werke gesorget werden, und wann der Fall 
entstünde, daß er in Ansehung des detaillirten Eintrag des Buchs, oder wegen der
	        

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