Full text: 400 Jahre Landesbibliothek

384) ist köstlich: ... erhielt ich ebenso unerwartet, als erwünscht, unter dem 
31. Januar 1834 eine Anstellung an der hiesigen Landesbibliothek. Der Wirkungs 
kreis und die collegialischen Verhältnisse konnten mir nur angenehm sein, und, 
was ich damals freilich nicht ahnen konnte, ich mußte gerade darin abermals eine 
göttliche Fügung dankbar anerkennen; denn nach einigen Jahren fing mein Gehör 
an schwächer zu werden und es setzte sich eine Harthörigkeit fest, die mich zum 
Lehrer untauglich gemacht haben würde, in meiner jetzigen Stellung aber kaum 
störend, in mancher Beziehung sogar förderlich ist. Später, 1839, hatte er 
Gelegenheit zu einer Italienreise, und der alte Antikenschwärmer wußte sich 
nicht zu lassen vor Begeisterung. Wo andere Reisende ihre Fahrten mit dem 
Baedeker oder sonstigen Führern nachbereiten, so arbeitete Schubart, selbst ein 
Periheget, die ganze griechische und lateinische Reiseliteratur durch und exzer 
pierte alles, was sich auf Geographie und Topographie bezog. 
Wie bescheiden er trotz seines außergewöhnlichen Wissens von der 
Antike blieb, zeigte seine Stellung zur Kunstgeschichte und Archäologie. Nicht 
nur, daß er sich kein treffendes Urteil über diese Gegenstände erlauben mochte, 
weil er glaubte, nicht die nötigen Kenntnisse zu besitzen, es fehlte mir endlich, um 
es offen auszusprechen, die kühne Phantasie, welche sich in so manchen 
Erzeugnissen der archäologischen Literatur, schwerlich zur Förderung der Wissen 
schaft, nicht immer anspruchslos und duldend ergeht. Kritik und Selbsterkenntnis! 
Und wer könnte nicht vor Neid erblassen, wenn er den Schluß von Schubarts 
Selbstbiographie (a. O. 389) liest: Mit Zufriedenheit, mit Dank kann ich auf die 
Vergangenheit zurücksehen, mit ruhiger Erwartung gehe ich der Zukunft 
entgegen. Ich lebe in glücklichen häuslichen und verwandtschaftlichen Verhältnis 
sen, es ist mir die hohe Gabe einer wahren Freundschaft zutheil geworden, meine 
amtliche Beschäftigung neben einem lieben Collegen macht mir Freude, ich bin 
noch körperlich gesund und geistig frisch, ich habe ein reichliches Auskommen - 
und ich sollte dem nicht dankbar sein, der mir in seiner Güte alles dieses gegeben 
hat? Kassel, am 13. Februar 1865. 
Schubart also hatte 1839 Gelegenheit zu einer Italienreise; 1843 bat er 
wiederum um Urlaub für eine Sizilienfahrt. Sein Entwurf des Urlaubsgesuchs hat 
sich in Kassel erhalten:** 
l r K. M. d. I. 1 
Seit im Anfänge des 17. Jahrh. Phil. Cluver 2 auf Kosten der Generalstaaten, u. 
später d’Orville mit eignen Mitteln Sicilien bereisten und in umfangreichen 
Werken die 3 Resultate ihrer tüchtigen Forschungen niederlegten, ist jene höchst 
intereßante 4 Insel zwar von zahllosen Reisenden besucht, bewundert, oft auch 
beschrieben worden, ja sie hat theilweise selbst das Unglück gehabt, in die 
breitgetretene Straße der englischen Touristen gezogen zu werden. Wer sich jedoch 
etwas genauer mit dieser bändereichen Literatur bekannt gemacht hat, wird sehr 
bald bemerken, daß die bei weitem größte Maße mit entschiedener Unfähigkeit 
etwas Tüchtiges zu leisten oder mit der ausgesprochenen Absicht, nur eine 
Reisebeschreibung zu liefern, theils das schon hundertmal gesagte zum hundert u. 
erstenmal wiederholen, theils nicht sowohl eine wißenschaftliche Erkenntniß, als 
vielmehr Unterhaltung des Publikums bezwecken; wozu dann noch kommt, daß 
die Meisten sich auf einen bestimmten, den mindest beschwerlichen Weg, 
eingeschränkt haben. Daß es einige 5 sehr rühmliche Ausnahmen gebe, besonders 
in Bezug auf naturhistorische Erforschung des Landes, bedarf kaum einer 
besonderen Erwähnung; auch fehlt es nicht an einzelnen 6 , zum Theil vortreffli 
chen Monographien u. hauptsächlich archäologischen Untersuchungen siciliani- 
scher u. fremder Gelehrten; dennoch aber ist es eine Thatsache, daß man bis jetzt 
noch ein Werk vermißt, welches ein anschauliches, lebendiges, ins Einzelne 
eindringendes 7 , aus einer genauen Kenntniß des griechischen Alterthums hervor 
gehendes 8 Bild dieses Landes gewährte; und 9 doch gehört daßelbe ohne allen 
Zweifel in Macht 10 u. Herrlichkeit der bürgerlichen Verhältniße nach außen u. 
innen, in seinem Einfluß auf die Bildung der Menschheit durch Gewerbe, Künste
	        

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