Full text: 400 Jahre Landesbibliothek

Philologie 
Johann Heinrich Christian Schubart (1800-1885) 
Christian Wilhelm Michael Grein (1825-1877) 
Christoph (von) Rommel (1781-1859) 
Karl Bernhardi (1799-1874) 
Karl Heldmann (1869-1943) 
Albert Duncker (1843-1886) 
Bibliothekare waren bis in die jüngste Vergangenheit fast durchweg 
Philologen und Historiker, andere Disziplinen vertraten sie nur in den seltensten 
Fällen. Eine solche Ausnahme war Wilhelm Lange (s. Archäologie), Arzt seines 
Zeichens, der erst später zum Bibliothekarsberuf überwechselte und da dann 
nichts Eiligeres zu tun hatte, als sich mit historischen, speziell archäologischen, 
aber sogar gelegentlich auch sprachlichen Dingen zu befassen. So wie sich fast alle 
Bibliothekare folgerichtig mit historisch-landeskundlichen Themen beschäftigt 
haben, so hinterließen die meisten auch philologische Studien, die teilweise noch 
heute grundlegend sind. Einer dieser Philologen, die eben auch Bibliothekare 
waren, war Johann Heinrich Christian Schubart (* 28. 2. 1800 Marburg, 
Studium der klassischen Philologie Marburg, Heidelberg, 1825 Promotion 
Marburg, Hauslehrer in Württemberg und Österreich, dabei umfangreiche 
Handschriftenstudien in Wien, Januar 1834 Sekretär LB Kassel, 1850 2. Biblio 
thekar, 1874 bis 1881 als Nachfolger Bernhardis 1. Bibliothekar, f 1. 5. 1885). 
Schubarts philologische Studien kreisten sein Leben lang um Pausanias, 
den Perihegeten, also wörtlich übersetzt „den der durch Herumführen etwas 
erklärt“. Pausanias, aus Kleinasien stammend, beschrieb zwischen 160 bis 
180 n. Chr. Land und Leute Griechenlands, wobei er sich zahlreiche historische 
Exkurse gestattete. Die Darstellung ist lebhaft, auf Augenschein beruhend, nicht 
so sehr auf sekundären Quellen, und voll Sehnsucht nach der vergangenen Größe 
Griechenlands. 
Schubart hatte sich während seines längeren Wiener Aufenthaltes in der 
Bibliothek gründlichste paläographische Kenntnisse erworben, wobei er sich 
besonders auf griechische Handschriften konzentrierte. So stieß er auch auf die 
beiden Wiener Pausanias-Handschriften, der Anlaß, den Plan einer kritischen 
Ausgabe der „descriptio Graeciae“ zu verfolgen. Dabei kam ihm seine glänzende 
Handhabung der diplomatischen Kritik zugute."' Daß er sich in seinen wissen 
schaftlichen Arbeiten im wesentlichen auf Pausanias beschränkte, hat er nie als 
Nachteil gesehen. Die Wissenschaft braucht nicht bloß Großhändler, und es sollte 
wohl jeder erst lernen, mit redlichem Streben in der Beschränkung zu arbeiten, die 
Kräfte erst zu sammeln und seine Studien einem bestimmten Gegenstand 
zuzuwenden. Der große Geist wird sich schon seine Bahn brechen; ein Fehler aber 
ist es, sich von vorneherein für einen großen, etwa nur schlummernden Geist zu 
halten. Mancher würde im Kleinen nützlich gewirkt haben, der vergeblich 
gearbeitet hat, weil ihm die Beschränkung fehlte. (Selbstbiographie in: Strieder 
20, 379.) Später, als er erfuhr, daß Walz in Tübingen ebenfalls eine Pausaniasaus- 
gabe vorbereitete, tat er sich mit ihm zusammen, und die Frucht war die 
dreibändige Ausgabe mit lateinischer Übersetzung Leipzig 1838-39. Diese Arbeit 
gilt bis in die heutige Zeit als mustergültig, auch wenn andere Ausgaben 
dazugekommen sind. 
Schubart hatte sich ursprünglich für den Lehrerberuf entschieden, aber 
der Ruf an die Kasseler Landesbibliothek kam einer Anstellung an einem 
Gymnasium zuvor. Sein Kommentar dazu in seiner Selbstbiographie (Strieder 20,
	        

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