Full text: Geschichte II (3)

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herum. Soweit es möglich war, wurde versucht, sich von der ver 
unglückten Ladung etwas zu "organisieren" (d.h. mitzunehmen), 
denn Feinseife konnten sich die meisten Sandershäuser wegen 
des Preises im Verhältnis zum Einkommen, nicht leisten. Nach 
diesem Autounfall wurde gesagt, in ganz Sandershausen hätte es, 
ja sogar auch aus den Viehställen, eine zeitlang nur noch nach 
"Palmulive" gerochen, was natürlich übertrieben war. 
Der Zeitpunkt dieses Autounfalles war aus bekannten zugängli 
chen Unterlagen und auch durch Gespräche mit älteren Personen 
leider nicht sicher zu ermitteln. Diese Angabe wäre der Voll 
ständigkeit halber wünschenswert gewesen, aber nicht möglich. 
Bei einem anderen Autounfall konnte ein mit Weinfässern bela 
dener Lastzug, mit einer großen Geschwindigkeit fahrend, zwar 
die ersten beiden gefährlichen Kurven im Dorf noch schaffen, 
aber an der dritten scheiterte, weil der Fahrer sie nicht mehr 
"schibbeln" konnte. So landete der Lastzug bei Hellwigs auf 
dem Grundstück. Da gab es einen Donner und Krach, Weinfässer 
zerbarsten oder wurden leck geschlagen und der Wein floß auf 
der Straße, die Straßenrinne hinunter bis zum Mühlgraben. Um 
das "kostbare Naß" nicht umkommen zu lassen kamen "hilfsberei 
te" Frauen und Männer mit Eimern und Kannen und versuchten zu 
retten, was noch zu retten war. Viele Sandershäuser Einwohner 
mögen an diesem und den folgenden Tagen auch mehr Wein getrun 
ken haben, als in ihrem bisherigen ganzen Leben, und es hat 
wohl auch so manchen "Weinkater" gegeben. Einige der Gänse und 
Enten von Hellwigs- und Hämmerlings Hof sollen auch von dem in 
der Straßenrinne rinnenden Wein geschleckt haben und danach im 
Gelände herumgetorkelt sein. Auch sollen heilgebliebene Wein 
fässer mit einem Beil leck geschlagen worden sein, damit noch 
mehr Wein zum Abtransport in Eimern und Kannen zur Verfügung 
war. Vorbeiziehende Handwerksburschen sollen sich auf den Bauch 
gelegt haben um. Wein aus der Straßenrinne zu schlürfen. 
Vieles von diesen an Wirtshaustischen später in launiger Runde 
erzählten Erinnerungen muß wohl als eine gewisse "Wichtigtue 
rei" bezeichnet und somit auch teilweise in den Bereich der 
Fabel verwiesen werden. 
Wieder ein anderes mal verunglückte ein mit Apfelsinen belade 
ner Lastzug am Sandershäuser Berg. Durch diesen Unfall rollten 
jede Menge Apfelsinen den Berg hinunter und der Straßengraben 
lag auch voll. Damit hatten, besonders die in der Nähe wohnen 
den Sandershäuser, eine Gelegenheit, sich mit dieser, kaum kau 
fen zu könnenden Südfrucht einzudecken. Durch einen verständ 
lichen, überaus reichlichen Genuß von Apfelsinen, in einer so 
kurzen Zeit, hatten natürlich auch einige Personen über mehr 
oder minder heftige Bauchschmerzen zu klagen. 
Bei einem anderen Autounfall machte ein Lastzug mit Anhänger, 
der Salzheringe geladen hatte, am Sandershäuser Berg ein Sal 
do. Auch dieses mal sollen wieder Sandershäuser Familien von 
der verunglückten Ladung profitiert haben. An der Unglücksstel 
le liegende, noch verwertbare Heringe sollen in Familien zur 
Zubereitung von Mahlzeiten verwendet worden sein. Wenn auch in 
diesen Jahren Fischgerichte als ein "Armeleuteessen" bezeich 
net wurden, so war doch ein weitgehend kostenfreies Herings 
essen eine willkommene Sache. Berichten zu Folge, nach denen 
es nach diesem Unglück in den meisten Häusern nach Salzhering 
gerochen habe und der Bierumsatz durch das Heringsessen merk 
lich angestiegen sei, dürften natürlich als leicht übertrieben 
angesehen werden.
	        

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