Full text: Geschichte II (3)

- 15 - 
14 
Familienväter fanden, ab 1929, im Wechsel, für eine kurze Zeit 
beim Straßenbau der Fuldatalstraße von Wolfsanger über die 
"Graue Katze", Wahnhausen und Wilhelmshausen nach Hann. Münden 
eine Arbeit. Um zur Arbeitsstelle einen kürzeren Anmarschweg 
zu haben, wurde oft der, wenn auch verbotene Weg über das Na 
delwehr der Fulda-Schleuse bei Wolfsanger/Sandershausen ge 
gangen. 
Bedingt durch die wirtschaftlichen Verhältnisse des größten 
Teiles der Einwohner von Sandershausen, war die Bautätigkeit 
im Wohnungsbau im Dorf im allgemeinen nicht groß. So kam es, 
daß in der Zeit zwischen 19^8/^9 und 1953 keine größere Erwei 
terung der bebauten Flächen des Dorfes zu verzeichnen war. Den 
meisten Menschen fehlte einfach das Geld zum Bauen, und selbst 
bei einem vorhandenen eigenen Grundstück wäre das Risiko zu 
groß gewesen. 
Waren in den letzten Jahren schon viele der Einwohner von San 
dershausen ohne Arbeit, so stieg mit dem Beginn der Weltwirt 
schaftskrise, im Herbst 1929, die Zahl der Arbeitslosen stetig 
rapid an. Es kann gesagt werden, daß es jetzt ganze, immer 
größer werdende Menschenkolonnen wurden, die wöchentlich durch 
den Helleberg nach Kassel in 1 s Arbeitsamt zum "Stempeln" mar 
schierten. Dieses "Stempeln" auch "Drücken" genannt war näm 
lich Grundlage und Voraussetzung für die Auszahlung des Arbeits 
losengeldes bezw. der Krisenunterstützung. 
Mit der großen Zunahme der Arbeitslosenzahl wurde in den be 
troffenen Familien natürlich die wirtschaftliche Lage immer 
schlechter und die Not immer größer. Für die Arbeitslosen im 
Dorf, ob jung oder älter, gab es kaum noch eine Perspektive 
an der man sich hätte aufrichten können. 
So mancher Familienvater oder auch seine Frau ging, wenn eine 
Beziehung vorhanden war oder mit etwas Glück, zum Bauern/Land 
wirt um bei der Feldarbeit oder auf dem Hof zu helfen, und wenn 
es auch nur für die Verpflegung war. Im Spätherbst des Jahres 
war man besonders gern beim Dreschen der Roggen-, Weizen-, Ha 
fer- und Gerstengarben auf der Scheune des Bauern/Landwirt. Je 
nach Hofgröße wurde zwei oder drei Tage auf der Scheune gedro 
schen. Die Arbeit war zwar sehr staubig und auch anstrengend, 
aber es gab an diesen Tagen eine überdurchschnittlich gute Ver 
pflegung und einen geringen Stundenlohn. 
Wenn der Staat trotz wiederholt beschlossener Notverordnungen 
nicht in der Lage war, die ständig steigende Arbeitslosenzahl 
zu stoppen, geschweige zu senken, so war es den Kommunal- und 
Gemeindeverwaltungen, trotz einiger aufgelegter "Notstands 
programme" überhaupt nicht möglich, etwas nennenswertes gegen 
die Arbeitslosigkeit zu tun. Im Rahmen eines solchen "Notstands 
programmes" wurden, im Jahre 1952, in Sandershausen, Arbeiten 
im Bereich "Ziegenpark" durchgeführt. 
Die sich ständig verschlechternde Lebensgrundlage der Menschen 
führte natürlich auch dazu, daß die radikaleren Links- und 
Rechtsparteien, besonders die NSDAP einen starken Mitglieder 
zuwachs zu verzeichnen hatten. In Sandershausen war der Mit 
gliederzuwachs bei der NSDAP nicht so groß wie in vielen ande 
ren Dörfern der Umgebung. Als Gegengewicht zu "SA" und "SS" 
der "NSDAP" mit ihrem "HakenkreuzSymbol", schuf sich die "SPD" 
die "Eiserne Front" mit den "Drei Pfeilen" als ihrem Symbol. 
Eines steht natürlich außer Frage; die "Machtübernahme" durch 
die "NSDAP", mit Hitler als Reichskanzler, im Januar 1955, wäre
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.