Full text: Geschichte II (3)

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"verdrückt" werden. Jeder hatte seinen Trainer, welcher ihn 
anfeuerte. Velmeten August, die "Palme", war Sieger geworden: 
52 Kartoffeln hatte er im Bauch, Er bekam den ersten Preis, 
eine Schachtel Zigaretten der Marke "R 6". 
So geschehen an einem Wochentag. Es war ja viel Zeit, aber 
kein Geld vorhanden. 
Im Winter, wenn Schnee lag, war der "Hohlweg" am Galgenberg 
unter Einbeziehung des oberen Teiles der Alten Hannoverschen 
Straße, eine beliebte Rodelbahn für die Schulkinder und auch 
Jugendlichen. Hier wurde oft noch lange nach Einbruch der 
Dunkelheit in "Geleitzügen" (zwei oder mehr hintereinander 
gebundene Schlitten) gerodelt. 
Die zugefrorene Nieste wurde als Eisbahn für Eisgleiten auch 
Rutschen genannt und zum Schlittschuhlaufen genutzt. 
Jährlich einmal wurde unter der älteren männlichen Schuljugend 
ein Fußballspiel "Unterdorf" gegen "Oberdorf" ausgetragen, was 
nicht immer nur zu einem sportlichen Vergleich wurde. So kam 
es auch vor, daß neben gewissen Fehden, von der unterlegenen 
Mannschaft eine alsbaldige Revanche gefordert wurde. Gespielt 
wurde in der normalen täglichen Straßenkleidung (also ohne 
Dress und ohne Fußballschuhe), und kam dann ein Spieler mit 
zerrissenem Hemd oder Hose oder auch mit kaputten Schuhen nach 
Hause, gab es etwas aus der "Armenkasse", d.h. es gab von den 
Eltern mehr oder minder heftige Prügel. Wenn diese Prügel auch 
meist sehr schmerzhaft waren und immer eine Besserung gelobt 
wurde, so war bis zum nächsten mal alles wieder vergessen. Als 
Kinder in diesem Alter wurden die Sorgen und Nöte der Eltern 
ja noch nicht begriffen. 
Im Herbst eines jeden Jahres wurde immer das größte Fest im 
Dorf, die Kirmes gefeiert. Das Fest, das schon Wochen vorher 
seine Schatten voraus warf, war in seinem Ursprung zum Ab 
schluß der Ernteeinbringung eine Art Erntedankfest. 
Die Kirmes wurde auf allen drei in der Gemeinde vorhandenen 
Sälen, dem Gasthaus "Zur Insel", dem Gasthaus "Vaterland" und 
dem Gasthaus "Goldener Stern" am gleichen Wochenende gefeiert. 
Dabei hatten natürlich auf jedem Saal Kirmesburschen und Kir- 
mesmädchen, die von einem hier beheimateten Verein waren, das 
Regiment und sorgten auch für die Musikkapelle. Unter diesen 
gegebenen Voraussetzungen war es natürlich, daß jede Gruppe 
der Kirmesburschen mit ihren Kirmesmädchen das beste Fest aus- 
richten und somit die Besten, mit den größten Einnahmen sein 
wollten. 
Am Sonnabend-Nachmittag wurde unter Kirmesklängen der Musik 
kapelle die "Schnaps-Kirmes-Buddel" vom Vorjahr wieder ausge 
graben und somit das Kirmesfest eröffnet. Beim abendlichem 
Vergnügen auf den Sälen ging es dann hoch her. Am Sonntag nach 
dem Mittagessen zog der obligatorische Kirmesfestzug durch die 
Straßen des Dorfes. Nachmittags und abends wurde dann auf den 
Sälen kräftig weitergefeiert und getanzt. Es wurden auch schon 
"Gesundheiten" gespielt. Ab dem Montagmorgen zogen die Kirmes 
burschen mit ihren Kirmesmädchen, dem Kirmestuch und ihrer Ka 
pelle von Haus zu Haus um gegen Entrichtung eines Oboluses den 
Hausbewohnern "Gesundheiten" zu spielen und zu tanzen. Am spä 
ten Abend ging dann das Fest mit der Versteigerung des Kirmes 
tuches -einer bunten Tischdecke- und dem feierlichen Vergraben 
der "Kirmes-Schnaps-Buddel", bis zum nächsten Jahr, zu Ende. 
Während dem Feiern an den Kirmestagen , kam es auch vor, daß 
versucht wurde, das Kirmestuch der Kirmesburschen von dem einen
	        

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