Full text: Geschichte II (3)

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das Standesamt für die Gemeinde Sandershausen, das bisher von 
der Gemeindeverwaltung Heiligenrode geführt wurde, nach San 
dershausen geholt und der eigenen Gemeindeverwaltung ange 
schlossen. Bürgermeister Pfromm war somit auch der erste Stan 
desbeamte in Sandershausen. 
Obwohl in den letzten vergangenen Jahren in Sandershausen doch 
eine größere Anzahl der privaten Haushaltungen mit elektri 
schen Beleuchtungsanlagen ausgestattet worden waren, und nicht 
nur einzelne andere eine Gasbeleuchtung und auch Gas-Kochmög 
lichkeit hatten, war im Jahre 1925 ein einziger Schulsaal mit 
einer elektrischen Lichtanlage ausgestattet. In diesem Jahr 
wurde dann von der Gemeindeverwaltung der Beschluß gefaßt und 
auch sofort in die Tat umgesetzt, die anderen Schulsäle auch 
mit einer elektrischen Lichtanlage auszustatten. 
Im Jahre 1927 wurde in Sandershausen mit dem Bau eines Orts- 
Kanalnetzes begonnen. In den Straßen, Friedrich-Ebert-Straße 
und Kirchgasse, in denen die Kanalleitung verlegt worden war, 
wurden die Wohngrundstücke mit ihrem Regenwasser an diese Lei 
tungen angeschlossen und durch diese Leitungen erfolgte auch 
eine Straßenentwässerung. Eine Schmutzwasser-(Fäkalien-)Abwas 
serbeseitigung aus den Wohnungen war noch nicht erforderlich, 
denn die Wohnungen in diesen Straßenbereichen hatten weder 
Spülklosetts noch Bäder, sondern nur Trockenaborte, im Volks 
mund mit "Latrine" oder "Plumsdich" bezeichnet. Die mensch 
lichen- und tierischen- Fäkalien wurden zu gegebener Zeit in 
"Jauchefässer" gefüllt und als Dung auf die Felder gefahren. 
Durch die nun vorhandene Straßenentwässerung verschwanden auf 
den Straßen auch die sonst nach Regenfällen vorhandenen gros 
sen Pfützen und Sumpflöcher. Der Baubeginn der Kanalisation 
brachte der Bevölkerung des Dorfes neben den hygenischen Vor 
teilen auch eine Verbesserung der Lebensqualität, und für so 
manchen arbeitslosen Mitbürger, von denen es schon viele gab, 
wieder Einnahmen aus Arbeitslohn. 
Der in der unmittelbaren Nachkriegszeit durch den damaligen, 
aus der Ernährungslage bedingten, Landhunger abgeholzte ein 
zige Gemeindewald, der Viehberg, wurde im Jahre 1927 wieder 
bepflanzt. 
Aus Gründen, der Wirtschaftlichkeit erfolgte die Bepflanzung 
mit Obststämmchen. Die Gemeinde erhoffte sich nämlich durch 
den Verkauf des später zu erntenten Obstes, eine, wenn auch 
geringe Verbesserung der Gemeindefinanzen. 
Im März 1927 wurden bei der Untersuchung der sogenannten Beo 
bachtungs-Schulkinder 44 unbedingt kurbedürftige Kinder fest 
gestellt. Welche Anzahl von diesen Kindern aber tatsächlich 
zu einer Kur geschickt werden konnten war zweifelhaft, denn 
bedingt, durch die schon große Arbeitslosigkeit, konnten vie 
le Eltern den notwendigen, wenn auch geringen Kosten-Eigen 
anteil überhaupt nicht aufbringen. Die Anzahl von den 44 be 
dürftigen Schulkindern, die tatsächlich zur Kur gefahren sind, 
ist aus den Aufzeichnungen nicht ersichtlich. 
Die inzwischen erfolgte verbesserte Verkehrsanbindung an die 
Stadt Kassel wurde im Jahre 1927 von einem privaten Unterneh 
men in die "Öffentliche Hand" übergeführt. Durch diese Über 
nahme einer nun doch günstigen Verkehrsanbindung an die Stadt 
Kassel, kamen allerdings in der Bevölkerung auch Befürchtun 
gen auf, daß Sandershausen in die Stadt Kassel eingemeindet 
werden könnte und somit seine Selbständigkeit verlöre.
	        

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