Full text: Geschichte II (3)

Die Teufelsscheune von Ellenbach. 
(Sagenhaftes von Gut Ellenbach.) 
Von Ellenbach gingen im Volk einige Erzählungen um. Bekannt 
in der Nachbarschaft -den umliegenden Dörfern- war der son 
derbare Eckstein einer Scheune. Auf diesem Eckstein war ein 
Wagen mit vier Pferden ausgehauen. Auf einem Hinterpferd 
saß der Fuhrmann, dem der Hals herumgedreht war und dessen 
Gesicht nach hinten schaute. Im Giebel dieser Scheune waren 
noch zwei offene Gefache, die sich nicht zubauen ließen. In 
der Scheune spukte es, und nachts ging niemand gern hinein, 
um nicht Unglück zu erleiden. Sie wurde deshalb die "Teu 
felsscheune" genannt, von der die folgende Sage überliefert 
ist: 
Vor alten Zeiten besaß ein Mann die "Ellenbach" der total 
verschuldet war. Als eine neue Scheune gebaut werden mußte, 
wußte er keinen Rat mehr. Eines Tages ging er im Wald umher 
und grübelte nach, wie er zu Geld kommen könnte. Auf einmal 
stand der Teufel neben ihm und bot ihm an, die Scheune in 
einer Nacht bis zum ersten Hahnenschrei fix und fertig zu 
bauen, wenn er ihm seine Seele verschreibe. Der hilflose 
Mann sagte zu und erzählte, daheim angekommen, seiner Frau 
von diesem Vorfall. 
Die Nacht war kaum angebrochen, da war draußen ein großer 
Lärm zu hören. Mit Steinen schwer beladene Wagen kamen, es 
wurde abgeladen, die Mauerkellen erklangen, neue Wagen ka 
men, andere fuhren weg. Es klang so schauerlich, daß keiner 
hinzuschauen wagte. 
Doch wie die Nacht so dahin ging, wurde der Mann immer un 
ruhiger, denn er erinnerte sich an seine Zusage. Die Frau 
aber war klug und mutig zugleich. Sie zog die Kleidung ihres 
Mannes an, schlich sich als der Tag grauen wollte, vor das 
eine Hühnerhaus und schlug dreimal auf das Dach. Der Hahn 
im gegenüberliegenden Hühnerhaus glaubte, dieser Hahn wolle 
krähen und ihm zuvorkommen. Er trat auf den Hof und krähte 
dreimal laut. Da donnerten alle Wagen wie der Wind vom Hofe, 
und der ganze Teufelsspuk war wie weggeblasen. 
Der Teufel hatte verspielt, denn die oberen beiden Gefache 
waren noch nicht zugemauert, und die Scheune bis zum ersten 
Hahnenschrei nicht fertig geworden. Voller Wut drehte er dem 
letzten Fuhrmann, der zu langsam fuhr, den Hals herum. 
Glück und Segen soll der Ellenbacher Gutsbesitzer mit der 
vom Teufel erbauten Scheune nie gehabt haben.
	        

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