Full text: Geschichte II (3)

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Bedeutung, Bis am 22. September 19^ wieder ein schwerer Flie 
gerangriff auf Sandershausen erfolgte. Von den noch vorhande 
nen Häusern wurden wieder 59 total zerstört und 4 Scheunen, 
die zum Teil erst kurz vorher fertiggestellt waren, wurden mit 
dem gesamten Erntevorrat ein Raub der Flammen. Bei diesem An 
griff waren glücklicherweise keine Menschenleben aus der Be 
völkerung im Dorf zu beklagen. 
Ein Fliegerangriff am 27. September galt dem Losse-Kraftwerk 
(Elektrizitätswerk der Stadt Kassel) in Kassel-Eettenhausen. 
Bei diesem Angriff wurden im Kraftwerksbereich und in Sanders 
hausen, im Bereich der Flur "Schlade”, über loo Einschläge ab 
geworfener schwerer Bomben gezählt. An den letzten September 
tagen und Anfang Oktober erfolgten noch einige Fliegerangriffe, 
die aber in Sandershausen keinen weiteren großen Schaden ange 
richtet haben. 
Bei dem Fliegerangriff, am 18, Oktober, auf Sandershausen, wur 
den von den übrig gebliebenen Häusern noch einmal -hauptsäch 
lich im Oberdorf- 28 Häuser total zerstört und 5 Scheunen mit 
dem gelagerten Erntevorrat verbrannten. Bei diesem Angriff muß 
te leider wieder ein Sandershäuser Bürger sein Leben lassen. 
Bei Jedem dieser Angriffe wurde aber auch das Wasserleitungs 
netz, die Kanalleitungen und die Leitungen der Stromversorgung 
immer mehr zerstört und der Straßenzustand wurde immer schlech 
ter. 
In den restlichen Monaten des Jahres 194-4 waren weitere Flie 
gerangriffe im Kasseler Raum zu verzeichnen, die in Sanders 
hausen aber keine größeren Zerstörungen brachten. In dieser 
Zeit gab es schon Tage mit fünf und mehr Fliegeralarmen. 
Die Angabe einer genauen Einwohnerzahl von Sandershausen war 
nicht mehr möglich. Es sollen schätzungsweise noch zwischen 
9oo und 6oo gewesen sein. Die Zahl der im Dorf untergebrach 
ten Fremdarbeiter und Kriegsgefangenen dürfte aber weit grös 
ser gewesen sein. 
Die bei noch bewohnten Häusern bei den Fliegerangriffen zu 
Bruch gegangenen Fensterscheiben konnten -weil Fensterglas 
nicht, oder kaum zu beschaffen war- nicht wieder neu verglast 
werden. Selbst eine neue Verglasung hätte wohl auch, durch die 
in immer kürzeren Zeitabständen erfolgten Fliegerangriffe, kei 
ne längere Lebensdauer gehabt. So wurde anstelle von Fenster 
glas einfach Pappe an die Fensterflügel genagelt. 
Die Fronten des Krieges rückten immer näher an die Grenzen des 
Deutschen Reiches heran und das Kriegsgebiet wurde somit immer 
kleiner. Im Osten standen die Russen; im Süden und Westen die 
Amerikaner, Engländer und Franzosen mit ihren Kampfverbänden 
zum Angriff auf das deutsche Reichsgebiet bereit. Im Norden 
war Deutschland durch die englische Flotte von der Außenwelt 
abge schnitten. 
Aufgrund dieser Tatsachen erließ Hitler am 25. September "1944 
den "Führerbefehl" zur Bildung eines "Deutschen Volkssturmes", 
der aus allen "waffenfähigen" Männern zwischen "16 und 6o Jah 
ren zu bilden sei. Dieser Volkssturm sollte die Soldaten der 
Wehrmacht bei der Reichsverteidigung unterstützen. Aus dem 
gleichen Grunde hatte sich aus der Partei-Jugendorganisation 
der "Hitlerjugend" ("HJ"), eine KampfOrganisation "Wehrwolf" 
gebildet. Die Angehörigen des Volkssturmes und der Wehrwölfe 
wurden während ihres Einsatzes Lt. Befehl, Soldaten im Sinne 
des Wehrgesetzes. 
Von der Zivilbevölkerung in der Heimat wurden immer größere 
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