Full text: Geschichte II (3)

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"verhört” und bei dem "Verhör" auch körperlich mißhandelt. 
Von diesem Tag, dem 26. April "I955 , schrieb der damalige 
Gemeinde-Kassenverwalter, Georg Zufall, in die DorfChronik, 
daß es ein schwarzer Tag für Sandershausen gewesen sei. Es 
wurden auch Bürger des Dorfes, wegen früherer Zugehörigkeit 
zu einer anderen Partei, in die sogenannte "Schutzhaft" ge 
nommen, aus der sie nie wieder in ihre Heimat Sandershausen 
zurückkehrten. 
Auch in Sandershausen wurde, wie überall im Lande, ein ge 
wisser Druck auf die Bevölkerung aller Altersgruppen -ange 
fangen vom Schulkind bis hin zum Rentner- ausgeübt, damit 
sie Parteimitglieder der NSDAP oder einer ihrer Gliederun 
gen wurden. Um diesen ausgeübten Druck auf eine Mitglied 
schaft zu umgehen -was immerhin ab und zu gelang- war ein 
gutes Fingerspitzengefühl und eine Taktik, die einfach Zu 
rückhaltung hieß, erforderlich. Die Mitgliedschaft in der 
"Deutschen Arbeitsfront", der Nachfolgeorganisation der Ge 
werkschaften, war für die im Arbeitsleben stehenden Frauen 
und Männer zur Pflicht gemacht und an dieser Pflicht gab es 
kein Vorbeikommen. 
Bei Veranstaltungen aller Art waren nun überwiegend nur noch 
die braunen Uniformen der Partei und ihrer Gliederungen zu 
sehen, und bei Umzügen hallte der Gleichschritt der Kolon 
nen durch die Straßen. 
Aufgrund der "Wehrhoheit" wurden im Mai 1933 > bei der er 
sten Musterung, die Sandershäuser Jugendlichen der Jahrgän 
ge 1912 und ^915 für den zweijährigen Wehrdienst gemustert 
und auch bald darauf zur Ableistung in die Kasernen einbe 
rufen. 
Im Januar 1937 legte Martin Mausehund sein Amt als Ortsgrup 
penleiter der Partei nieder. Über die Gründe, die zu diesem 
Schritt führten, wurde in der Öffentlichkeit nichts bekannt. 
Nachfolger als Ortsgruppenleiter der Partei wurde Heinrich 
Schaub. 
Auf Anordnung der örtlichen Parteiführung, in Sonderheit von 
Ortsgruppenleiter Heinrich Schaub und Ab Segnung durch die 
Gemeindeverwaltung, wurde im Jahre 1937 mit dem Bau eines 
Schießplatzes in dem Geländedreieck Hannoversche Straße und 
Milchstraße, unterhalb des Wasserwerkes, begonnen. In diesem 
Geländebereich wurde gleichzeitig in Verbindung mit dem 
Schießplatz auch noch ein kleiner Festplatz angelegt. Die Ar 
beiten an der gesamten Anlage wurden ausschließlich in Eigen 
leistung ausgeführt, zu der die Bürger, zum Teil in bestim 
mender Form, aufgerufen wurden. Am 23. Juli d938 war dann die 
Anlage des Schießplatzes mit dem kleinen Festplatz fertigge 
stellt und wurde eingeweiht. 
An jeweils einem Sonntag im Monat wurde behördlicherseits das 
heißt von der Partei den Familien ein "Eintopfsonntag" ver 
ordnet. Das für den Braten oder ein anderes Stück Fleisch ge 
sparte Geld sollte gespendet werden. Parteifunktionäre gingen 
am Vormittag dieses "Eintopfsonntags" oft in die Familien und 
kontrollierten durch ein "in die Töpfe gucken" die Einhaltung 
der Verordnung. 
In den Wintermonaten wurde regelmäßig einmal monatlich für 
die "Deutsche Winterhilfe" gesammelt. 
Für die arbeitenten Menschen im Lande war nach und nach aber
	        

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