Full text: Geschichte I (2)

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Die Mühle 
Außerhalb des damaligen bebauten Sandershausen, im Mündungs 
bereich der Nieste in die Fulda, lag die Mühle. 
Schon im Jahre "’27 /1 wird die Mühle erwähnt. Ein Heinemann 
von Loben hatte sie vom Kloster Kaufungen in Pacht. In die 
sem ersten urkundlichen Nachweis heißt es: 
Ich Heinemann, Bürger in Cassel, genannt von Loben, will, daß 
allen, die diesen Brief sehen werden, kund wird, daß ich den 
Zins der Mühle in Sandershausen .... nur noch an den jetzt 
folgenden zwei Terminen des Michaelisfestes erhalten und da 
nach an die Häufungen Kirche zurückgeben werde. 
In diesem Jahr 1271 beginnt also die geschriebene Geschichte 
der Mühle in Sandershausen. Warscheinlich ist die Mühle aber 
älter, was nicht nachweisbar ist. 
Mit der Mühle in Sandershausen im Zusammenhang wird "Können 
Bodeckers Gut" daselbst 1556 genannt. 
Die Mühlenpächter hatten neben der Pacht auch noch den "Zehn 
ten" zu zahlen. 
Erst im 13» Jahrhundert wurden in Hessen "Wassermühlen" ge 
baut. Zuvor mußten die Mahlsteine mit der Hand gedreht werden. 
Das Wasser als Energiequelle zum Antrieb der Mahlsteine zu 
nutzen war von den Römern nach Deutschland gebracht worden. 
Dabei wird unterschieden zwischen einem oberschächtigen An 
trieb (auf ein Mühlrad fallendes Wasser) und einem einem un- 
terschächtigen Antrieb (bei dem das Mühlrad durch in einem 
Bachbett strömenden Wasser angetrieben wird). 
Das Privileg Mühlen zu betreiben, hatten nur die Klöster und 
weltlichen Feudalherren. Es waren die sogenannten "Bannmühlen" 
Aus dem gesamten Umkreis mußten die Bauern und auch die klei 
nen Ackerleute ihr Getreide in diesen Mühlen mahlen lassen. 
Es gab ja keine andere Möglichkeit. Dieser Zwang hat auch zu 
dem großen Reichtum der Klöster mit beigetragen. 
Die Mühle in Sandershausen war eine sogenannte "Wassermühle", 
d.h., das kleine Bächlein des Mühlgraben, das sein Wasser aus 
dem Niestebach bekam, trieb das große Wasserrad an, das wie 
derum die Mahlsteine in Bewegung setzte. 
Mit Beginn der Reformation und Auflösung der Klöster in Hes 
sen, gingen die Mühlen in den Besitz des Landesherren über, 
der sie im Erbleihe-Verhältnis verpachtete. Im 19« Jahrhun 
dert wurden Mühlen auch schon Privatbesitz. 
Um l8oo wird von einer "Herrschaftlichen Mühle" in Sandershau 
sen berichtet, die ein Müller namens Christoph Witzei mit sei 
ner Ehefrau Dorothea, zwei Söhnen und zwei Töchtern in Pacht 
hatte. Der Müller Witzei mußte von dieser Mühle jährlich drei 
hundert Thaler Pacht zahlen, soll aber dennoch durch Fleiß und 
Ehrlichkeit ein gutes Leben haben führen können. 
Christoph Witzei verstarb am o2. Juni 18o7 in Sandershausen, 
im Alter von 5' 1 Jahren. 
Ob diese "Herrschaftliche Mühle" in ihren Baulichkeiten (dem 
Ursprungsbau und Teilen der baulichen Substanz) dieselbe ist, 
wie die, die 1271 erwähnt wurde, ist nicht nachweisbar, und 
daher auch nicht sicher zu beantworten. Es kann aber kaum
	        

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