Full text: Geschichte I (2)

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wollte der Herzog von Braun schweig nutzen und Kassel im Hand 
streich einnehmen. Mit dem Unternehmen wurde der hannoversche 
General Oberg beauftragt. Am 26. September 1758 war seine Ka 
vallerie schon bis vor die Tore von Kassel vorgedrungen, als 
sie zurückbefohlen wurden um ein Lager im Habichtswald aufzu 
schlagen. Das war für Prinz Soubise ein Anlass und die Zeit 
sich ansehnlich zu verstärken. Aus der Einnahme von Kassel wur 
de nun nichts mehr. General Oberg zog sich über die Eulda zu 
rück und wollte sich am o9• Oktober 1758 mit seinen Truppen an 
derselben Stelle am Sandershäuser Berg, an der im Juli Prinz 
von Ysenburg eine Niederlage erlitt, zum Kampf einrichten. 
Die starke Überlegenheit des Feindes zwang ihn aber zurückzu 
gehen. Bei Lutterberg vereinigte er sich mit dem Prinzen von 
Ysenburg. Am io. Oktober wurden die Einheiten bei Lutterberg 
von französischen Truppen gestellt und es kam zu einem Gefecht. 
Die Hessen und Hannoveraner wurden in das Hinterland zurückge 
drängt . 
In der Umgebung von Kassel waren durch die Ereignisse der letz 
ten Monate die Lebensmittel so knapp geworden, daß sich die 
französische Armee nach Frankfurt zurückzog. 
Landgraf Wilhelm III starb am o'l . Februar 1760 in Rinteln. Ab 
dem ol. März 1760 war der neue Landesherr Landgraf Friedreh II. 
Im Sommer 1780 fanden Kämpfe bei Korbach und Warburg statt und 
am 51. Juli drang die französische Armee wieder bis Kassel vor. 
Die Besatzung von Kassel verteitigte die Stadt vom Morgen bis 
Mittag und zog sich dann auf den Sandershäuser Berg zurück. 
Am 19. April 1762 traf Prinz Soubise aus Frankreich kommend 
wieder in Kassel ein und am 08. Mai folgte ihm der Marschall 
d' Etrees . Rings um Kassel sammelten sich ihre ca. 80.000 Mann 
starken, bestens ausgerüsteten, Truppen und bezogen danach ein 
Lager bei Grebenstein, daß sich von Calden, Schachten, Greben 
stein bis in die Gegend von Geismar ausdehnte. Der Plan war in 
das Hannoversche vorzudringen. Durch einen unverhofften Angriff 
des Herzog Ferdinand von Braunschweig am 24. Juni ^762 bei 
Wilhelmsthal wurde dies vereidelt. Dieser Angriff hatte zur 
Folge, daß das französische Heer in Verwirrung geriet und in 
vollkommener Unordnung, immer verfolgt, in der Mittagszeit bei 
Kassel ankam, sich über die Fulda auf der Anhöhe bei Landwehr 
hagen und dann in der Gegend von Crumbach, wo auch das Haupt 
quartier war, festsetzte. 
Am 17« August 1762 brach die französische Armee in Richtung 
Hersfeld auf. Die Besatzung von Kassel blieb zurück und wollte 
nicht aufgeben. Da sollte eine Blockade vom ^7» August bis zum 
16. Oktober bewirken, daß durch Hunger die Besatzung zur Über 
gabe gezwungen wurde. Anfang September konnte durch ein kühnes 
Unternehmen noch einmal Lebensmittel in die Stadt gebracht wer 
den, aber für die Bewohner wurde durch die strenger werdende 
Blockade die Not immer größer. Der Kommandant befahl daher, 
daß jeder, der sich nicht für sechs bis acht Wochen mit Provi 
ant versehen konnte, die Stadt verlassen sollte. Etwa 2ooo 
Menschen aller Stände benutzten diese Gelegenheit aus dem Orte 
der Not zu entkommen und wanderten schaarenweise mit Bündeln 
bepackt nach Sandershausen wo sie mit Pässen versehen werden 
sollten. Viele Hundert lagen oft 24 Stunden auf freiem Feld,
	        

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