Full text: Geschichte I (2)

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sie ihre Gewehre in das Zeughaus abgeliefert hatte, und ließ 
durch den Chef der Artillerie, Generalleutnant de la Valiere , 
das Zeughaus in Besitz nehmen. 
Am 15* Juli 1757 rückte die französische Armee in Kassel 
ein. Zum Teil wurde sie einquartiert und zum Teil bezog sie 
ein auf dem Forst abgestecktes Lager. Es folgte nun Requerie- 
rung auf Requerierung. Auf eine Anordnung des Commisair's 
Ordonnanteur Poulon werden am 17. Juli 24.ooo Säcke Weizen, 
24.ooo Säcke Korn, 1.2oo.ooo Rationen an Heu und Hafer und 
1.2oo.ooo Gebund teils Weizen- teils Roggenstroh gefordert und 
eingetrieben. Was das damals für Kassel und seine Umland- 
Dörfer bedeutete, kann man heute nur noch ahnen. 
In Kassel führten ein Graf von Bercheny , ein Duc de Ayen , 
ein Prinz von Soubise und ein Duc de Broglio nach und nach 
das Gouvernement. 
Während dieser Zeit kam ein Teil der zweiten französischen 
Armee unter dem Marechal Duc de Richelieu , bestehend aus 
18 Battalionen und 16 Eskadronen durch Kassel , und man kann 
heute nur noch ahnen, welche Belastungen die zu erbringenden 
Transportfuhren an Kriegsmaterial und Lebensmitteln für die 
betroffenen Bürger bedeuteten. 
Die verunglückte Schlacht bei Hastenbeck am 26. Juli und 
als Folge davon die Convention zu Kloster Seven am 08. Sep 
tember hatte zur Folge, daß Hessen als ein erobertes Land 
betrachtet und somit für die Bereitstellung der Winterquartie 
re und Lieferung an Kleidung, Schuhen, Überröcken und Geldlei 
stungen belastet wurde. 
Die Convention von Kloster Seven wurde jedoch sehr bald auf 
gehoben. Der Krieg begann unter Herzog Ferdinand von Braun 
schweig auf's Neue. Infolge dessen zog sich die französische 
Armee eilig nach Wesel zurück. Die Besatzungstruppen von 
Kassel waren zuvor noch eifrig bemüht, rückständige Abgaben 
einzutreiben und auch zu erpressen. Das gesamte vorrätig ge 
münzte Gold und Silber war innerhalb von 24 Stunden abzulie 
fern. Für noch zu leistende Restzahlungen wurden aus Regierung 
und Landesständen fünf Personen als Geiseln nach Straßburg 
gebracht. Am 21. März ^758 zog die Besatzung unter dem Duc 
de Broglio von Kassel ab und am 06. Mai kehrte der Land 
graf, Wilhelm III , nach Kassel zurück. 
Ab dem 08. Juli 1758 marschierte plötzlich ein größerer fran 
zösischer Heeresteil unter den Generälen Herzog von Broglio 
und Prinz Soubise in einer Stärke von 5o.ooo Soldaten (nach 
anderen Angaben sollen es nur ^2.ooo Soldaten gewesen sein) 
von Hanau nach Norden auf Kassel zu. Vor dem anrückenden 
Feind verließ am 2^• Juli ^758 der Prinz Casimir von Isen 
burg mit seinen 6.000 Hessen (nach anderen Angaben sollen es 
nur zwischen 5.000 und 4.000 Hessen gewesen sein) die Stellung 
bei Marburg und zog sich in Richtung Kassel zurück. Herzog 
Broglio beabsichtigte das Hessische Corps bei Obermöllrich 
zum Kampf zu stellen, was durch einen vom Prinzen von Isen 
burg befohlenen, anstrengenden Nachtmarsch vereitelt wurde. 
In den frühen Morgenstunden des 25* Juli ^758 überquerte 
Prinz von Ysenburg mit seinen Truppen über eine Notbrücke 
bzw. durch eine Furt die Fulda bei der "Neuen Mühle". Es soll 
te sich über Bettenhausen und Sandershausen nach Münden 
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