Full text: Geschichte I (2)

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hatten, wurden die Grundstücke durch das Setzen von Grenz 
steinen abgemarkt. Bei der Abmarkung der Grundstücke kam 
es oft unter den betroffenen Bauern, aber auch mit und un 
ter den sogenannten "Kleinen Leuten" (Arbeitern usw.) zu 
heftigen Streitereien über Lage und Güte des zu bekommenden 
bezw. abzugebenden Boden, Bei solchen strittigen Auseinan 
dersetzungen waren die Bauern natürlich immer im Vorteil 
gegenüber dem "Kleinen Mann", denn der war ja weit weniger 
einflußreich. Im Anschluß an die "Verkopplung" der Lände 
reien fand auch noch, wo notwendig, eine innerörtliche 
"Verkopplung" statt. In diesem Rahmen wurde in den Jahren 
19o6 und 19o? die Regulierung der Losse und der Nieste 
durchgeführt. Hierbei wurde das Bachbett der Nieste ab der 
"Ern" geteilt, so daß ab hier jetzt zwei Bachläufe vorhan 
den sind, die dann im Bereich der "Bleiche" wieder zusam- 
mengeführt wurden. Mit dieser Maßnahme sollte, bei hochwas 
serführender Nieste, die Überschwemmungsgefahr im Bereich 
der "Hühnerbleiche" und des "Dibbenmarkets" gemildert wer 
den. 
Um die Trinkwasserversorgung für die wachsende Einwohner 
zahl, die immer noch aus dem Wasser privater Brunnen oder 
aus der Nieste erfolgte, auch für die Zukunft sicherzustel 
len, wurden ab dem Jahre 19°8 in der Gemeindeverwaltung 
Überlegungen für den Bau einer Wasserleitung angestellt. 
Nachdem man sich einig war, daß der Bau der Wasserleitung 
unumgänglich war, begann die Suche nach einer Quelle. Diese 
Suche erstreckte sich zunächst auf das Gebiet des Sanders 
häuser Berges. In diesem Gebiet konnte aber keine Quelle, 
die ergiebig genug gewesen wäre, den erforderlichen Wasser 
bedarf zu decken, gefunden werden. Nach weiterem Suchen in 
anderen Gebieten, konnte endlich im Niestetal bei Uschlag 
eine brauchbare Quelle gefunden werden. Nun hatte man die 
Wasserquelle und es wurde im Jahre 1911 mit den Vorarbei 
ten für den Bau der Wasserleitung begonnen. Im Frühjahr des 
Jahres 1912 war dann der Arbeitsbeginn am Bau der Wasser 
leitung. Ausführende Firma der Arbeiten war die Firma Arthur 
Schäfer & Go., Kassel. Das an der Milchstraße (heute Ellen 
bachstraße) errichtete Wasserwerk -ein Sammelbecken mit ei 
nem Überlauf- (es stand bis vor einem Jahr noch, als von 
Gestrüpp umgebene, stillgelegte Ruine) trägt die Jahres 
zahl 1915 • In den Häusern, die schon an die verlegten 
Wasserleitungen angeschlossen waren, konnte nun, zur Freu 
de der Bewohner, das lebensnotwendige "Naß" aus der Lei 
tung gezapft werden. Eine neue Erleichterung für die Bürger 
und ein hygenischer Fortschritt in Bezug auf die Lebens 
qualität war geschaffen worden. 
Nun wollte man auch beginnen, die Beleuchtung der Räume in 
den Wohnungen auf einen modernen Stand zu bringen, das 
heißt die allgemein übliche Petroleumlampe, auch "Petrole 
umfunzel" genannt, zu ersetzen. Ab 1913 wurden von der 
Gemeindeverwaltung mit der Stadt Kassel Verhandlungen über 
den Anschluß des Dorfes an das Leitungsnetz der "Städti 
schen Gaswerke" geführt. Diese Verhandlungen wurden aber 
durch den Kriegsbeginn (August y l9' lZ 0 nicht fortgeführt. 
Im Juli 1914- feierte die Turn- und Sportgemeinde Sanders 
hausen ihr 25-jähriges Bestehen mit einem groß angelegten 
Fest. Über den Festzug wird berichtet, daß ein solches 
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