Full text: Geschichte I (2)

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Krankenversicherung, im Jahre 1884 das Gesetz der Unfall 
versicherung und im Jahr 1889 das Gesetz der Invaliden- 
und Altersversicherung in Kraft gesetzt. Diese Gesetze wur 
den in der Reichsversicherungsordnung (RVO) zusammengefaßt. 
Im Jahre 189*1 folgte dann das Arbeitsschutzgesetz. 
Die Einwohnerzahl stieg ständig an und es dauerte nicht lan 
ge , da waren die Fabrikarbeiter-Familien gegenüber den bäu 
erlichen Familien in der Überzahl. Sandershausen begann sich 
langsam von einem Ackerbauerndorf zu einer Industriewohnge- 
meinde zu verändern. Bedingt durch diese Strukturveränder 
ungen und sich daraus ergebenden Änderungen in der Lebens 
auffassung begann in der Zeit nach der Reichsgründung bis um 
die Jahrhundertwende in Sandershausen auch die Zeit der Ver 
einsgründungen. Es wurde ein Kriegerverein (1874), ein Turn- 
und Sportverein (l889) und ein Radfahrverein (l9©3) gegrün 
det. Die Gründung eines Gesangvereines war schon früher, im 
Jahre 1862 erfolgt. 
Von Bürgermeister, Gemeinderat und Gemeindeausschuß wurden 
auch, für uns heute nicht verstehbare Entscheidungen getrof 
fen, die in ihrer Auswirkung, zukunftsorientiert, nicht dem 
Wohle der Bürger dienen konnten. So z. B, bat die Gemeinde 
Spiekershausen um Zustimmung zum Anlegen einer Chaussee von 
Spiekershausen nach Sandershausen und zwar von der Fulda an 
der Lieth durch den "Lachenweg" bis an den Hof Hämmerling. 
In der Gemeinderats-/Gemeindeausschußsitzung vom 25» Juli 
des Jahres 1883 wurde die erbetene Zustimmung mit der Begrün 
dung, daß diese Chaussee für Sandershausen nicht von Vorteil 
wäre und nur Gefahren nach sich ziehe, abgelehnt. 
Durch Gesetz des Deutschen Reiches wurde im Jahre 1874 den 
Gemeinden die Einrichtung von Standesämtern vorgeschrieben. 
Diese hatten die Führung der für das Personenstandswesen er 
forderlichen Bücher (Geburten-, Trau- und Sterbebuch) zu über 
nehmen, die bisher den Kirchen Vorbehalten war. 
Das Standesamt Sandershausen wurde mit dem Standesamt Heili 
genrode in Heiligenrode eingerichtet. Zum Vollzug sämtlicher 
standesamtlicher Handlungen für Sandershäuser, für die auch 
der Standesbeamte von Heiligenrode zuständig war, mußten die 
Bürger von Sandershausen folglich immer nach Heiligenrode 
marschieren oder, wer hatte, mit einem Pferdegespann in einer 
Kutsche fahren. Auch war von der Gemeinde Sandershausen für 
die Benutzung des Standesamtsraumes und auch des Personalauf 
wandes an die Gemeindekasse Heiligenrode eine Entschädigung 
zu zahlen. 
Mit Fortschreiten der Industrialisierung und damit weniger 
werdenden ständigen landwirtschaftlichen Arbeitskräften wur 
de immer mehr ein rationelleres Arbeiten in der Landwirt 
schaft erforderlich. Gegen Ende des 19*-Jahrhunderts wurde 
das Wort "Verkopplung" zu einem Schlagwort. Dieser Ruf, nach 
Durchführung einer Verkopplung, kam zu unterschiedlichen 
Zeitpunkten auf die Tagesordnung der Gerneindeparlamente. 
Verkopplung heißt, die Ländereien Zusammenlegen und dann ein 
schließlich der Feldwege so neu aufteilen, daß dabei eine 
bessere Bewirtschaftungsmöglichkeit der Felder herauskommt. 
In den Jahren 19o4 bis 19o6 wurde in Sandershausen die 
"Verkopplung" der Feldflur durchgeführt. Nachdem die Land 
messer auf dem Reißbrett die Grundstücksumlegungen, Grund 
stücksgrößen und die erforderlichen Messpunkte festgelegt
	        

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