Full text: Geschichte I (2)

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muß die Gerichtsbarkeit aus der Geschichte der Dörfer und 
Städte herausgenommen werden. Zur Eindämmung der Prozess 
flut mit Kleinigkeiten, wurde lediglich, zur Entlastung 
der Gerichte, in den Dörfern das Amt des "Schiedsmannes" 
eingerichtet. Der Schiedsmann hat die Aufgabe kleine Strei 
tigkeiten örtlich zu schlichten. 
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Auf einer kleinen bewaldeten Anhöhe am süd-westlichen Fuße 
des Sandershäuser Berges soll in früheren Zeiten -ähnlich 
wie auf den "Vorst" in Bettenhausen- eine Richtstätte gewe 
sen sein. Aus diesem Grund hat diese Anhöhe auch den Namen 
"Galgenberg" oder wie die alten Sandershäuser sagen "am 
Galgen". 
Bis in die ersten Jahre des vorigen Jahrhunderts sollen hier 
noch öffentliche Hinrichtungen vorgenommen worden sein. Die 
zum Tode verurteilten sollen gefesselt und stehend auf einem 
Leiterwagen, bewacht von berittenen Soldaten zur Riehtstätte 
gefahren worden sein, um dann öffentlich gehängt zu werden. 
Andere mündliche Überlieferungen berichten, daß die Verur 
teilten auf einem Fell zur Richtstätte geschleift wurden um 
das Urteil zu vollstrecken. 
Alle diese Mitteilungen über Galgen, Schandpfahl, Gefange- 
nen-Verurteilten-Transport usw. beruhen auf mündlichen Über 
lieferungen von Generation zu Generation. Schriftlichen Auf 
zeichnungen von Augenzeugen, Chronisten oder Vollstreckungs 
protokolle sind, soweit bekannt, nicht vorhanden. 
Später wurde die der Lieth vorgelagerte, mit Kiefern bewal 
dete Anhöhe "Am Galgen" für die sonntägliche Erholung der 
Bürger von Sandershausen und die der näheren Umgebung mit 
genutzt. Im letzten Krieg wurde der Waldbestand durch Brand- 
und Sprengbomben schwer geschädigt und war bis zur Bebauung 
zu einem "Kusselgelände" geworden. 
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(Nach dem Siebenjährigen Krieg bis zua Beginn des 
Deutschen-Kaiserreiches) 
Die Bewohner von Sandershausen waren im Vergleich mit man 
chen anderen Dörfern der näheren Umgebung doch relativ arm. 
In dieser Beziehung hatte sich also seit der Zeit des gros 
sen Krieges nichts geändert. Somit hatte auch nach Beendi 
gung des Siebenjährigen Krieges diese gewisse "Armut" auch 
weiterhin eine große Auswirkung auf den Lebensstil und die 
Lebensgewohnheiten in allen Bereichen. 
Die Lebensführung war ausgesprochen einfach. Meist wurden 
Kleidungsstücke, hergestellt aus selbstgesponnenen Materi 
al, einfachster Art getragen. Eine ortsgebundene "Kleidungs-
	        

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