Volltext: Brief von Adolf Friedrich Hesse an Louis Spohr

das Andante mit seinen verschiedenen Tempis ging aalglatt
vorüber, das Wiegenlied war nur ein Hauch, und das
Ständchen wurde von den Violonzellen sehr schön gespielt; die
verschiedenen Elemente sonderten sich so klar ab, daß es
eine Freude war. Marsch und Tedeum wirkten
kolossal, das Gefühl der Zurückbleibenden, das ich
leidenschaftlich nahm, ohne der Klarheit Eintrag zu thun,
wirkte poetisch, und der letzte Satz wehmüthig und beruhigend.
Es waren 1000 Zuhörer gegenwärtig, und wurde das
herrliche Werk vor einer Woche auf allgemeines Begehren
wiederholt, wo es ebenso schön ging. Schnabel gab sie
3 Tage vorher im deutschen Konzerte, und die andern
Kapellen spielten zufällig in derselben Woche Ihre
1te und 2te Sinfonie recht wacker; wenn man an
eine Straßenecke kam, las man: Sinfonie von Spohr.
Im Andante der Weihe der Töne gab ich bei den
zusammenkommenden Tempis alle 16 Theile herunter-
schlagend über dem Pulte in die Hand, wobei es ohne
jede Schwierigkeit ging.
Heut geben wir Hayd’ns Sinfonie in Es mit dem
Paukenwirbel, und vor 14 Tagen war die schöne F moll-
Sinfonie von Louis Maurer. — Wenn Sie in der
Stimmung wären, mir ein paar Zeilen zukommen
zu lassen, so würde mich das sehr beglücken.
Zum 5ten gibt Mosevius in der Aula die Jahreszeiten
von Haydn und am 10ten Schnabel daselbst die

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