Full text: Brief von Adolf Friedrich Hesse an Louis Spohr

Montag d. 24 Juni 50

Hochverehrter Freund und Gönner!

So eben um 1 Uhr Mittags erhalte ich Ihren lieben Brief, und muß
Sie einen grausamen Feind schelten, daß Sie uns noch
24 Stunden quälen, während wir uns zu morgen so bestimmt
auf Ihr Eintreffen freuten. Ich versuche es noch mit
diesem Briefe auf die Gefahr hin, daß er Sie nicht
mehr trifft, denn er geht zwar heut Abend noch ab, der
Güterzug aber, mit dem er heut nur noch expedirt
werden kann, bleibt über Nacht in Görlitz liegen, so daß
der Brief, wie ich höre, erst morgen Abend nach Leipzig
kommt. Gibt man ihn bald ab, und Sie reisen doch
wahrscheinlich erst Mittwoch früh in Leipzig ab, so können
Sie ihn noch bekommen.
Der Zweck dieser Zeilen ist, Sie zu beschwören, daß
Sie ja Mittwoch Abend hier eintreffen, weil ich
sonst in Angst gerathen würde und hier schmählich
blamirt wäre. Ich muß hier zum Verräther
werden und Ihnen schreiben, daß Mittwoch
Abend 10 Uhr sich alles freudig vereinen wird, Ihnen
eine Abendmusik nebst Fackelzug zu bringen. Der
Zug, mit dem Sie ankommen, trifft schon Abends
7 Uhr ein, Sie haben daher Zeit genug sich’s bequem
zu machen, und dann später die Ihnen dargebrachte Huldigung
entgegenzunehmen. Alles ist so vorbereitet, daß ich

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