Full text: Brief von Adolf Friedrich Hesse an Louis Spohr

Breslau den 25 Januar
1850

Hochverehrter Freund und Gönner!

Es drängt mich, Ihnen wieder einmal zu schreiben,
und zwar in einer, für uns so merkwürdigen
Zeit. Was sagen Sie zu unseren dermaligen
Staatsverhältnissen? zu den Botschaften, mit
denen unser König uns erfreut? Wie recht haben
Sie (leider) damals, als Sie sich in einer Zuschrift
über das Gebahren der Regenten ausließen, gehabt.
Sie schilderten zwar mit grellen Farben, aber Ihr
Blick in dieses Getriebe war ein durchaus heller
und richtiger. Wie zu bedauern ist es, daß die
Demokratie nicht ruhiger zu Werke ging, daß sie nicht
die bösen Elemente, welche Anarchie und Gefährdung
des Lebens und Eigenthums wollten, ausscheiden konnte;
es hätte können Schönes und Großes vollbracht werden.
So aber, am Rande des Abgrunds, mußte man im
Augenblicke Gott danken, wenn um jeden Preis Ruhe wurde.
Jetzt sind hier in Breslau fast alle Konstitutionellen, zu
Demokraten geworden, ja die größten Revolutionäre gestehen
ein, daß sie sich getäuscht fühlen. Ich sende Ihnen ein
Blatt unserer Oderzeitung mit, vielleicht interessirt
es Sie, die Zusammenstellung aller Proklamationen
unseres Monarchen an sein Volk darin zu lesen.
Das Blatt, gestern, als am Tage der Urwahlen für
die Erfurter Reichsversammlung erschienen, hat
hier ungemeines Aufsehen erregt. Die Wahl-
versammlungen sind gestern hier sehr spärlich
besucht gewesen; in einem der Bezirke war

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