Full text: Brief von Adolf Friedrich Hesse an Louis Spohr

bei diesen Zuständen noch am besten herausgebissen.
Nach dem glorreichen 18. März mit seinen zweideutigen
Errungenschaften mußte das Haus geschlossen werden;
die Direktion kündigte dem ganzen Personal, und trat
bis zum 1ten October ab. Es thaten sich nun mehrere
Bühnenmitglieder zusammen und etablirten eine Lotterie,
in welcher Theaterbillets verloost wurden. Die Bedingun-
gen waren sehr mäßig und die Aussichten angenehm. Das Loos
kostete 2 Thaler, wer gar nichts gewann, bekam für den
Einsatz Billets, wobei also Niemand etwas verlor.
Das Unternehmen ging so gut, dabei fanden Gastspiele
ausgezeichneter Künstler statt, so daß das Publikum
immer rege erhalten wurde. Die Schauspieler haben
beim Abtreten der provisorischen Direktion 8000 Thaler
Überschuß unter sich vertheilt.
Das Theater-Orchester arrangirte in Liebichs Garten
Konzerte zu 2 gr. Entrée. Der Zulauf des Publikums
war ungeheuer. Donnerstags wurden immer Sinfonien
gegeben, alle Musikfreunde waren gegenwärtig, ich
selbst habe mit den Theaterkapellmeistern abwechselnd
dirigirt, unter andern 2 meiner Sinfonien und
Ihre Ouverturen zu Faust und Jessonda. Es wurde
alles immer sehr genau probirt und ging schön und gerundet.
Freilich mußte das sehr wackere Orchester das Opfer bringen,
im ersten und dritten Theile nebst neuen, modernen Ouverturen
auch Tänze zu spielen, der 2te Theil aber bestand stets aus
einer gediegenen Ouverture und einer Sinfonie.
Es war dabei erfreulich zu bemerken, wie sich dann
die Kunstfreunde in dichten Reihen um das Orchester
schaarten und wie still es dann im Garten wurde, so
daß nichts verloren ging. Diese Konzerte bestanden

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