Full text: Brief von Adolf Friedrich Hesse an Louis Spohr

Breslau d. 3. März 48.

Mein hochverehrter Freund und Gönner!

Um Ihre lieben Zeilen, die mich sehr erfreuten, sogleich
zu beantworten, melde ich Ihnen in aller Kürze, daß
Herr Schloß ein schöner Mann von imposanter Figur
und einem sehr noblen Äußern ist und eine sehr
kräftige und auch biegsame Stimme besitzt; was einem
an seinem Vortrage nicht recht gefällt ist, daß er,
auch wo es nicht hingehört, zu sehr loslegt und nach
heutiger outrirender Manier dem Hörer bei ganz
unschuldigen Stellen immer den Dolch auf die Brust
setzt, doch ist er hiebei noch nicht der Schlimmsten
einer, und wird das Zuviel unter Ihrer Leitung
gewiß ablegen; ich sollte meinen er könne, bei
dem heutigen Tenoristen-Mangel namentlich, die
erste Stelle bei Ihrem Hoftheater mit Ehren ein-
nehmen; lassen Sie ihn doch vorher gastiren.
Von Ihren Konzerten habe ich bereits gelesen, auch
daß Sie Ihr 3tes Doppelquartett so herrlich gespielt;
es ist mein großer Liebling, dies und Ihr Es dur-
Quartett op. 58 vergessen Sie ja nicht mit zu uns
zu bringen. Jetzt spricht man hier nichts als von
Paris, alle Konditoreien und Kaffeehäuser sind gefüllt,

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