Full text: Zeitungsausschnitte über sonstige Veröffentlichungen

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lassung werde, daß wir hier einen großem Markt und Lager von rus 
sischen Produkten halten, und in dieser Beziehung ist es doch wohl 
richtiger, wir lassen die Schiffer auch ferner auf dem diesseitigen Ufer 
loschen, und nicht auf dem jenseitigen; daß bei dieser unstreitig besse 
ren Einrichtung auch eine Verbindung mit dem Bahnhöfe leicht her 
zustellen ist, wenn wir den dritten Plan zur Ausführung bringen, 
wollen wir jetzt zeigen. Der Platz beim Mühlenthor hat bereits'die 
geeignete Höhe, es bedarf also nur, daß der Wall von der Wipper- 
brücke bis an das Mühlenthvr abgetragen und der Stadtgraben damit 
ausgefüllt werde, so haben wir eine hinreichend große ebene Fläche, 
wozu es keiner Expropriazion bedarf. Dieser Platz kann leicht einge 
friedigt werden, und innerhalb der Zoll- und Akziselinie bleiben, die 
einzige Schwierigkeit dabei ist nur'die Verlegung der Navigazions- 
schule. — Zu Lande können die Wagen bequem anfahren und eine 
Wasserkvmmunikazion ist leicht herzustellen, wenn längs dem Mühlen- 
reiche ein Bollwerk, und am Mühlendamme eine Schleuse angelegt 
wird, um in die Trave zu gelangen, sehr kostbar kann diese Schleuse 
nicht werden, da sie nur für Leichterfahrzeuge herzustellen ist, dieser 
Bau erscheint nur unbedeutend im Gegensatze zu den obenerwähnten, 
welche bei der Wahl der Roddenkoppel nöthig werden. — Der Trans 
port vom Bahnhöfe an die Schiffe geschieht alsdann vermittelst Leich- 
rerfahrzeuge. Da die mit der Eisenbahn ankommenden Waaren, bei 
der Weitersendung an verschiedene Schiffe vertheilt werden, so ge 
schieht solches viel bequemer durch Leichterfahrzeuge, welche von einem 
Schiffe zum andern fahren, als wenn der Bahnhof an der andern 
Seite der Trave befindlich ist, die Schiffe aber zum grüßten Theil an 
dieser Seite liegen. Wir glauben also, nachdem wir nachgewiesen ha 
ben, daß der Platz am Mühlenthor bedeutend billiger kömmt, und zu 
gleich eine bequeme Verbindung mir Stadt und Hafen darbietet, aus 
sprechen zu dürfen, daß diesem Platze der Vorzug einzuräumen sein 
wird. Entgegen steht eigentlich nur: daß die Roddenkvpvel gelegner 
ist, wenn die Bahn bis Travemünde fortgeführt werden sollte; allein 
auch von dem Mühlenthvr aus kann diese Bahn hergestellt werden, 
und zwar wie wir glauben, an der innern Seite des Walles. 
— In diesen Tagen hat unsere Stadt 3 Exemplare der trefflichen 
Seidanschen Medaille auf unsern Landsmann den Maler Overdeck 
zugesandt erhalten: eines in Gold, eines in Silber und eines in 
Bronze. Wir wünschen, daß diese wertbvvllen Gedächtnißmünzen uns 
verbleiben und zur allgemeinen Anschauung gleich der Hamburger Dank 
adresse im Jahr 1843 öffentlich ausgelegt werden mögen. Bei dieser Gelegen 
heit verdient erwähnt zu werden, daß von unserm höchst geschickten 
Gravö'r Hrn. Gröning 6 Petschafte für die Kirchen der Vierlande ge 
arbeitet sind, deren künstlerischer Werth fürwahr nicht hinter den Anfor 
derungen unserer Zeit zurückgeblieben ist. — Möchten doch zur Bele 
bung einheimischer Industrie so ausgezeichnete Arbeiten durch öffent. 
liche Ausstellung zur Beschauung der hiesigen Bewohner kommen. 
— (Droschken.) Es wurde vor wenigen Jahren die Einfüh 
rung der Droschken in lebhafte Anrege gebracht. Sie kamen und ver 
drängten bis auf Ausnabmesälle das übrige Fuhrwerk. Das in ele 
gante Kutschen unk? andere Wagen gesteckte Geld ist todtes Kapital, 
denn diese Fuhrwerke werden so selten gebraucht, daß die Reparatur 
kosten der Abnutzung vielleicht kaum gedeckt werden. Ja schon stehen 
manche dieser Fuhrwerke unbrauchbar den Eignern zur Last, weil diese 
die Repararurkoften nicht mehr anwenden können. Ernähren nun aber 
die Droschken ihren Mann? Bisher hat die Praxis gelehrt, daß die 
Miethkutscher höchstens ihr Auskommen bis an ihr Lebensende gehabt 
haben; von einem Miethkutscher, der wohlhabend oder gar reich ge 
storben wäre, meldet die Geschichte, so weit wir vernommen haben, 
nichts. Durch das Droschkenfuhrwesen, welches zuerst von einem jun 
gen Manne eingeführt worden ist, sind die Fahrpreise stark herabge 
drückt, und doch werden Wagen, Geschirr, Pferde und Kleidung der 
Kutscher wenigstens noch einmal so stark abgenutzt als vorher. — Wur 
den also bisher die Kurscher nicht reich, so ist zu besorgen, daß sie 
jetzt bei ihrem Geschäft verarmen, und das ist kein Glück für unsere 
Stadt. Die Fahrpreise sind auf eine feste Taxe gestellt. Allein die 
Abschätzung ist doch wohl nur annäherungsweise richtig; denn da hier 
weit seltener gefahren wird, als in großen Städten, so steht das Fuhr 
werk der Abnutzung durch Wittrung preisgegeben, ohne zu renriren. 
Ferner ist die hüglichte Beschaffenheit der Straßen, die Ungleichheit 
des Pflasters Ursache, daß Wagen und Pferde mehr abgenutzt werden, 
als in Städten, die flach liegen oder ebengepflastert sind. Wenn nun 
ungewöhnliche Unfälle einen Kutscher treffen, Zerbrechen des Fuhrwerks, 
Erkranken, Sturzen des Pferdes — wir fragen: har ein Droschken 
kutscher mir seinem Jahreseinkommen so viel erübrigt, um auch nur 
Einen solchen Unfall, geschweige wiederholte aushalten zu können. Er 
verarmt dadurch. Und wenn ein Stand mehr als andre so leicht dem 
Verarmen bloßgestellt ist, so liegt darin eine Ungleichheit, eine Zurück 
setzung gegen andre Stände, die in einem gureingerichteten Gemein 
wesen nicht wünschenswertb ist. — Daß in dem Grade mehr gefah 
ren werde, als der Fahrpreis herabgesetzt und die Fahrgelegenheit lo 
ckender ist, um den Gesammtertrag für unser Fuhrwerk auf den frü 
hern zu stellen, bezweifeln wir. Wollen wir diesemnach daö Droschken- 
fukrwerk nicht einschlummern sehen, so müßte vielleicht ein richtigeres 
Taxat eingeführt werden. Zu dem Ende aber ist nöthig, daß jeder 
Kutscher genau Buch führe über Ausgabe und Einnahme. Nur dann 
können die Behörden eine richtige Durchschnittssumme und billige und 
gerechteBestimmung im Interesse des Publikums und der Kutscher treffen. 
— Wie man aus St. Margarerbs Hove (Orkney) schreibt, wäre 
die bei der Insel Stroma gestrandete Bark Freiheit am II. Sept. 
abgebracht und läge jetzt unweit Panbeay. — Zwei andere lübeckische 
Schiffe scheinen schwere Kämpfe mir Unwetter bestanden zu haben. 
Von dem Schooner „Betty und Hermann", Kapr. Schmidt, war laut 
einer Meldung aus Kirkwall vom 20. Sept., ein Schiffsboor aufge 
fischt. Glücklicher Weise hat man die Nachricht, daß der Schooner 
am 116. Sept. auf dem Revier von Bordeaux angekommen ist. — 
Die Brigg Pallas, Kapt. Luetjens, von Stettin mit Roggen nach 
Amsterdam, ist sehr leck in Lillesand eingelaufen. 
— Am Montagnachmittag entstand in der Wohnung eines Ge- 
wcrbtreibenden, in der großen Schmiedestraße, Feuer, indem Klei 
dungsstücke an einer durch den Fußboden geleiteten Ofenröhre in 
Brand getiethen. Die Flamme darre schon Tapeten, Gardinen und 
Vetren ergriffen, die Fenster waren gesprungen, und noch hatte nie 
mand im Hause das mindeste wahrgenommen, als ein glücklicher Zu 
fall Knaben von einem anstoßenden Hofe aus den Brand entdecken 
ließ, der dann bald von den zu Hülfe geeilten Nachbaren gelöscht 
werden konnte. Mehr als der Verlust an Effekten rc. ist das Unglück 
des zweijährigen Kindes zu beklagen, das allein in der brennenden 
Stube sich befunden, und da das Feuer das Bertzeug der Wiege er 
griffen, starke Brandwunden im Gesicht und am Arm erhalten hat. 
(Polizeifälle.) Ein schon mehrmals wegen Trunkfälligkeit be 
straftes Individuum aus dem Landgebiete, welches wieder in völlig be 
rauschtem Zustande hier betroffen wurde, erlitt eine körperliche Züchti 
gung. — Dieselbe Strafe warb einem hiesigen Arbeitsmanne zu Theil, 
der wegen Trunkenheit angehalten war und ans dem Transport zur 
Rarhhauswache seine polizeiliche Begleitung aus das gröblichste insulrirr 
harre. — Wegen Thätlichkeiten gegen einen Arbeitsmann wurde ein hie 
siger Einwohner mit 24stündiaem Gefängniß b. W. u. Br. bestraft. — 
Ein aus dem Landgebicre gebürtiger Arbeilsman», welcher schon längere 
Zeit hier im Konkubinate lebte, ward von den Nachtwächtern in einem 
Schauer an der Trave schlafend gesunden, inhaftirt und am folgenden 
Tage entlassen, mir dem scharfen Verbote, während der Nachtzeit in 
der Stadt sich aufzuhalten. — Ein fremder dienftlvser Knecht und eine 
von hier gebürtige leichtfertige Dirne wurden wegen Trunkenheit und 
Unfugs für eine Nacht in Haft genommen, worauf der Knecht am fol 
genden Tage unter Verbot der Rückkehr fortgeschafft ward. — Dem 
Kloster wurden zugewiesen: ein früherer Pflegling dieser Anstalt, wel 
cher im Frühjahr auf sei» dringendes Ansuchen a»S derselben entlassen, 
nun aber im Landgebiere bettelnd a»geha!:en und der städtischen Polizei 
behörde zugeführt war; ein von hier gebürtiger, im Auslande wegen 
Vagadundirens inhaftirtcr und mittelst Transports bieder eingelieferter 
Handwerksgeselle; ein hochbeiahrrcr Arbeirsmann, der neuerlich aus dem 
Kloster, in welchem er verpflegt wurde, eigenmächtig sich entfernt harre. 
— Am Donnerstag der vorigen Woche wurde in der Trave, unterhalb 
der Fischergrube, der Leichnam eines von hier gebürtigen, als blödsinnig 
bekannten Mädchens gefunden, welches schon seit einigen Tagen ver 
trust war. 
Marktpreise. (23. bis 29. Sept.) 
Ochsenfleisch: 6—7 fl pr. T. Kalbfleisch: 6—8 st vr. T. Hammel 
fleisch: 4-5 st pr.D. Schweinfleisch: 5j—7 st pr.V. Kuhfleisch: 3— 
3i st pr. %. — Hasen: 28-32 st d. Sr. Rebhühner: 9—10 st d. St. 
— Gänse: 4-4i ft pr. Enten: 10—12 st d. St. Hühner: 9—II st 
d.Sr. Kücken: 6-7 st d. St. Tauben: 3—5 st d. St. — Butter: lo£ 
-nst pr. D.— Eier: 8-9 Sr. für 4 st. - Schafkäse: 2-3 st d. St. 
Pimpkäse: 4—2 Sr. für Ist. — Fische mittelmäßig. Sandarten: 5- 
7st pr. D. — Gemüse genügend. Kartoffeln, auf dem Markt: 24st pr. 
Schfl., auf dem Klingberg: 20-22'ft pr. Schfl. 
Getreidepreise. 
Lübeck, den 30. September. 
Vom Boden. Vom Lande. 
(Neues.) 
Weizen 155 -S pr. Last. 144-150 ^ pr. Last. 
Roggen 96-100 - - - 98-104 - - - 
Gerste 68 - - - 76—78 - - - 
Hafer. — 70 - - - , 66-68 - - - 
Erbsen 120 - - - 104-108 - - - 
Wicken - - - 96-100 - - - 
Buchweizen—..... - - - 62-68 - - - 
Schiffs-Graupen... - - - 17# pr. 200 ®. 
Winrer-Nappsaat.. 21 # xr.Tvnne. 20- - Tonne. 
Schlag-Leinsaar.... - - - 16 - - - 
^ledlgirt unter Verantwortlichkeit des Gigenthümers: A. J. A. Meyer 
— Erpedizion: Fisch l'trnße .*2 110. — 
Gedruckt bei Gebr. Horchers.
	        

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