Full text: Zeitungsausschnitte über sonstige Veröffentlichungen

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. Z 49 
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Worte. Es ist nicht das erste Mal, daß mir liier am Orte mehr 
- Ehre als billig geschehen ist. Dieses Travemünde bringt mir auf 
eine eigene Weise die milde Wendung unserer deutschen Dinge zum 
Besseren in Erinnerung. Schon als Knabe fuhr ich von dem nahen 
Wismar, meiner Vaterstadt, öfter hierher. Die Post übernachtete 
in Dassau; man legte die sieben Meilen in zwei Tagen mühsam 
zurück, um Travemünder Dorsche zu essen. Vergleichen Sie die 
damaligen Fischerhütlen mit dem heutigen Travemünde, blicken Sie 
aus das Festmahl heute, dessen geringe Prozente der Dorsch bildet. 
Vor ich glaube sechs Jahren saß ich eben auch hier im großen Mu- 
sikfefte, ein von seinem Amte vertriebener Mann, den allein eine 
wohl angeborene Hartnäckigkeit vor der Wanderung jenseits des 
Ozeans behütete. Dennoch ward ick hier freundlich begrüßt. Und 
heute sehen Sie mich wieder hier als einen hergestellten, in seinem 
Wirkungskreise wieder thätigen Mann, was ich der ausgleichenden 
Gerechtigkeit meines jetzigen Fürsten gern verdanke. Lassen Sie 
mich aber von den kleinen, da lick) der Anknüpfungspunkt gefunden 
hat, rasch zu großen Dingen übergehen. Das deutsche Wort muß 
Eile von der neuesten deutschen Zeit lernen. Denn dasselbe Jahr 
brachte uns den vereinigten preußischen Landtag und was, so hoch 
ich ihn halte, ich doch als Vaterlandsfreund noch weit höher schätze 
und hoffnungsvollerbetrachre: Das neue Gerichtsverfahren in Preußen. 
Erlauben Sie mir mit Ihnen ein Glas zu leeren auf das fröh 
liche. Gedeihen des neuen preußischen Gerichtsverfahrens zu Nutzen 
und Frommen des gesammten deutschen Vaterlandes." 
Pastor Philipps aus Dithmarschen brachte einen Toast: der Einig 
keit des germanischen Stammes; Srenzel: den fürstlichen Be 
schützern der Sieben, dem König von Württemberg, dem König von 
Sachsen, und dem König von Preußen. 
Prof. Wachsmuth: Offene Briefe hätten zwar wenig Kredit; aber 
die akademischen Lehrer, welche die Gastfreundschaft Lübecks genossen, 
wollten einen offenen Brief erlassen: 
Die Lübeckische Jugend soll uns am Herzen liegen. 
Bürgermeister Smidr: 
„In ganz Deutschland macht sich die Sehnsucht nach innigerer 
Annnäherug der Genossen seiner verschiedenen Stämme und StaatS- 
abtheilungen Bahn, und wenn die Regierungen darin langsam vor 
wärts zu gehen scheinen, so gestalten sich bald freiwillige Assoziazio- 
nen, um ihnen die Wege bereiten und ebnen zu helfen. Nachdem 
Kunststraßen und Eilwagen bereits als Gegenstände des Staatsbe- 
darfs anerkannt worden, erhielt die Anwendung der Dampfkraft 
auf Schiffahrt und Wegebau ihre erste praktische Geltung, durch 
Vereinigung von Privatmitteln und Kräften, und erst in unsern 
Tagen wurzelte die Ueberzeugung, daß die Staaten ihr unter ihren 
Aufgaben einen Platz nicht versagen dürften. In geistiger Hinsicht 
befinden wir uns in der nämlichen Richtung, auf dem nämlichen 
Wege begriffen. Das Bedürfniß einer näheren Verbindung von 
Bürgern aller deutschen Staaten zu humanen und wissenschaftlichen 
Zwecken, wie es nicht bloß unsere Versammlung, sondern auch viele 
andere, die nach und nach ins Leben getreten sind, zu Tage legen, 
— mag es im Anfange auch in der Gestalt von wandernden Zigeu 
nern, die sich bald hier bald dorr auf einige Tage Wasser und Weide 
erbitten, zur Erscheinung kommen, es wird sich mir jedem Jahre 
dringender geltend machen, und seine Befriedigung, wenn auch 
wenigen unter uns, doch unsern Kindern und Enkeln in gemein 
samen und bleibenden deutschen StaatSinstituzionen zur Anschauung 
kommen. Lassen Sie uns daher auf das Wohl und die Beharrlich 
keit derer trinken, die uns in unserem Bestreben folgen werden." 
Wir räumen der Jugend den Webstuhl der Zeit. 
Zu wirken an Denlschlands lebendigem Kleid! 
Senator Curtius: 
„Schon zu Anfang des Mahls sei in Erwiederung auf Jakob 
Grimms Toast im Namen Lübecks gedankt worden; seitdem nabe 
sich das Maaß freundlicher Aeußerungen für und über Lübeck so ge 
häuft, daß er sich gedrungen fühle, darauf auch ein Wort des Danks 
zu erwiedern. Er glaube aber nicht besser danken zu können, als 
mit der Versicherung, daß die von dem allverehrten Präsidenten am 
Schlüsse der vorigjährigen Versammlung in Frankfurt ausgespro 
chene Voraussetzung, daß alle die Orte, in denen die Germanisten- 
Versammlung stattfinde, von derselben einen lebendigen Nutzen er 
fahren würde — in vollstem Maße in Lübeck erfüllt worden und 
werbe. Jeder habe gesehen, wie die zahlreiche Lübeckische Zuhörer 
schaft den Reden der großen Männer der Wissenschaft gelauscht; 
der mächtige Eindruck gebe sich in allen Kreisen kund. Die Germa- 
nisten-Versammlung habe Lübeck einen Schatz gebracht, den es treu 
bewahren und hegen, den es zu reichem Segen ausbeuten werde. 
Aus innigem Dankgefühl bringe er Namens seiner Mitbürger und 
Mitbürgerinnen ein kräftig Hoch den Gasten Lübecks, den Ger 
manisten !" 
Darauf brachte Prof. Jahn das Wohl des Bürgermeister Smidt 
aus; wofür der letztere seinen Dank aussprach. — Es folgte Dr. Beth 
ut a n n auö Berlin mit einem Toast auf den Freiherrn von Stein. — 
Der Toast eines Württembergers, Dr. Adel, galt dem deutschen 
Michel, dem zukunftsreichen; Kanzler v. Wächter, der sich gegen 
selncn lungeren Landsmann erhob, wollte nur von einem deutschen 
Michael, einem thatkräftigen hören. Daran schloß sich Bürger- 
mei,ter Smidt mit einem Toast auf die baldige Wiederherstellung 
des Senator Br ehm er *), und ein Trinkspruch des Archivar Lisch 
galt dem Vorsitzenden der Festtafel (Ratb Pauli). 
Staatsrath Jaup: 
„Die Trenuungsstunde naht. Erlauben Sie mir einige Worte 
nicht an den schönen Damenkranz, der uns umgibt, nicht an die 
freundlich uns bewirthenden Lübecker Herren, sondern nur an die 
Germanilten, eigentlich an einen Theil derselben zu richten. Achtung 
und Ehre jedem derselben. Als Hauptbestandtbeil der Versammlung 
betrachte ich diejenigen Mitglieder, welche akademische Lehrer sind. 
Denn ihnen ist es vergönnt, mündlich Jahr aus Jahr ein die Keime 
wissenschaftlicher Bildung in hunderte von jugendlichen Gemüthern 
zu legen, und zugleich als Männer der Wissenschaft durch Druck 
schriften öffentlich zu belehren. Diesen zum Abfchiedsgruß widme 
ich drei Wunsche vereint, sind sie gleich einzeln hier und da er 
füllt. Der erste Wunsch heißt Lehrfreiheit. Drum weg mit 
vorgeschriebenen Lehrbüchern, mit streng verpflichtenden ewigen Sym- 
bolen, mit Vorschriften zum Lehren einer Wissenschaft in bestimmt 
wiederkehrender Zeit. Der zweite Wunsch heißt Lern fr ei heit. 
-u- n 5* r , Lehrfreiheit der Professoren, haben die Zuhörer nicht 
völlige Lernfreihelt! Weg also jeder Studienplan, weg aller Uni- 
verstcatsbann. Der dritte Wunsch heißt Schreibfreiheit, damit, 
was die Koryphäen zur Fortbildung ihrer Wissenschaft liefern wol, 
len, überall könne gedruckt werden. Also für die Professoren die 
Lehrfreiheit, für die Zuhörer die Lernfreiheit, für die Lehrer und 
für alle Deutschen, worauf wir ein Recht haben, die Scbreib- 
vder Preßfreiheit. Diesen drei vereint ein Lebehoch! 
Würdig beschloß und für Lübeck bedeutungsvoll die Reihe der Toaste 
Prof. a. hoI: dem jüngsten Germanisten, derneuen Verfassung von Lübeck, 
die da hoffentlich nickn so lange zu ihrer Entwickelung bedürfen werde, 
als der Gei mannt des Kanzlers v. Wächter (nemlich 25 Jahre). 
Um 7 Uhr endete das Festmahl. Die Rückfahrten nach Lübeck 
nahmen dann ihren Anfang; bei bengalischer Beleuchtung passirte man 
die Herrenfahre, und am Thor begrüßten aufsteigende Raketen die 
Ankömmlinge. 
r , .HP» fand im Saale der Loge zur Weltkugel, wo 
sich am Montag die hisiorische Abtheilung versammelt harte, eine Zu 
sammenkunft von Freunden der Staarskunde starr. Die allgemeinen 
Versammlungen am Donnerstag, Morgens von 9 bis I Uhr, und 
Nachmittags von 3 bis 6 Uhr, wurden hauptsächlich durch Verband, 
lungcn über das Geschwornengerichr und über den Gegensatz zwischen 
römischem und deutschem Recht, ausgefüllt. Außerdem hieltenS tentz e l 
und Schubert Vortrage über die deutsche Kolonisazion im östlichen 
Preußen; Michellen über die isländischen Rechts - und Geschichts 
quellen; Pros. Mirllenhoff über das deutsche Epos; Prof Tböl 
über die Befugnis der Frauen, ein Testament zu machen. Ein An 
trag Mltrermaiers, für den Entwurf eines deutschen Eherechts eine 
Kommission aus der Versammlung zu ernennen, ward nach einer lan 
gen Debatte angenommen. (Jaup, Bcseler, v. d. Pfordten 
Tb öl, Wachter, Wilda, Blume). — Zum Ort der nächstjähri 
gen Versammlung ward auf den Vorschlag des Präsidenten durch Akkla- 
mazivn N nrnderg gewählt. ' 
mit tariä ' Der G.rm-mW» 
„MeineHerren! Im Namen unser Aller den lebhaftesten Dank 
der hohen fielen Ltadc, sie uns hier so gastlich aufgenommen, die alles 
geleistet liat, was zur Förderung unserer Sitzungen nur dienen 
konnte Wir werden die Tage, die wir hier verlebt, niemals ver 
gessen können. Warmen Dank sodann den Lübecker Herren, die sich 
mit so großem Eifer bemüht haben, um alle möglichen GnKtK' 
f ** en . unö , durchzuführen. Endlich Dank für d e 
Nachsicht, dieL-rc nur nur gehabt haben, als ich auf dem Stuhle saß " 
Die Zahl der Zuhörer war im Laufe der Versammlunasraae aleick 
sehr groß geblieben, und ihre Theilnahme für die Verhandlungen hatte 
mit jedem Tage an Nachhaltigkeit zugenommen. Was in den ersten 
Sitzsingen kaum ein einziges Mal vorkam — Beifallsbezeuguna von 
L-elten des Publikums — wiederholte sich am letzten Versammln»as- 
tage zu öfteren Malen und in lebendigster Weise. p - 
An den vorhergegangenen Abenden waren die Germanisten in 
den Sälen ces Schauspielhauses vereinigt; am Dienstag gab der Mu 
sikverein thuen ein sehr befriedigend ausgefallenes Konzert in der Börse' 
am Donnerstag fand die letzte Zusammenkunft im Rathsweinkeller 
statt. Reden und Voaste erhöhecen, neben den Vorträgen der Lieder 
tafel, die gemuthvvlle Stimmung, die ein lebendiges Zeugniß aab um, 
bcm volkschnmlichen Sinne jener gefeierten Männer der Wissenschaft 
Kanzler v. Wachter widmete ru humoristischer Rede den Lübecker 
Hausftauen emur Toast; Prof. Wurm brachte patriotischen Erinne 
rungen und Hoffnungen, Prof. Stein aus Kiel dem Einverständnis 
Schleswig'.Holsteins m,^Hamburg und Lübeck ein Hoch Spät erst 
lösten d,e letzten Krerfe sich auf. ^ U|t 
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— (Richard (üobben.) Die Aufnahme, welche dem brittischen 
Freihandelsagi'tator in unserer Stadt bereitet worden, hat sich in voll 
kommenem Einklang mit den Wünschen gezeigt, die in dieser Bezie 
hung gehegt werden mochten. Von allen, auf welche sich bei dieser 
Gelegenheit die Augen richten konnten, hat man eine ruhige, verstän 
dige Haltung bewahren sehen, gleich fern von hitzigen Huldigungen 
als von unerfreulicher Gleichgültigkeit. Unter solchen Voraussetzungen 
wie die hier gegebenen- wird selbst der Anhänger der dem Freihandel 
entgegengesetzten nazionalökonomischen Lehre unbefangen an einem 
Festmahl zu Ehren Richard Cobdens sich betheiligen können, und um 
gekehrt ein Freihandelsmann auf das Wohl eines einfachen Bürgers, 
der der Gegenseite ein Leitstern ist, sein Glas leeren. Es war gewiß 
ein bemerkenswerrhes Zusammentreffen — und Dr. Asher in seinem 
würdigen Toast hat darauf hingewiesen — am letzten September >847 
in Travemünde, daß sich Richard Cobden, von der See her, und die 
Germanisten, landwärts einziehend, zu derselben Stunde dort begegnen 
mußten. — Bei dem Gastmahl, das am Donnerstag Hrn. Cobden ge 
geben ward,, und wozu sich etwa 70 Personen (eine durch die Räum 
lichkeit beschräukre Zahl) im Ilöiel du Nord vereinigt hatten, ergriff 
zunächst Hr. Blohm von Stockelsdorf, der der Tafel präsidirte, das 
Wort, um der Bewunderung für den Ehrengast, die zu bezeugen der 
festliche Kreis sich gebildet habe, einen Ausdruck zu geben. Hr. Cobden 
dankte für die ihm bewiesene Theilnahme, und knüpfte hieran eine 
beziehungsreiche Rede. Hier, wo man alle Freiheiten besitze, müsse 
man es unbegreiflich finden, wie es so schwer gehalten, die Vortheile 
der Hanoelssreiheit den Britten einleuchtend zu machen. Er sei kein Re- 
voluzionär, kein Radikaler, nicht einmal ein Whig; aber die Kornzölle 
habe er als eine verkappte Beraubung betrachtet. Das englische Volk 
mache zwar kühne Verbesserungen, liebe aber nicht Veränderung, und 
lebe in dem Glauben, das was lange bestanden, sei gut. Daher wäre 
die Sache schwer gewesen, und er habe seine Landsleute vom Abc au durch 
beständige Repetizionen belehren müssen, bis sie endlich es auswendig 
gelernt hätten. Für alle Veränderungen, die in Vorschlag gebracht 
würden, forderten sie gute Gründe, und so habe es starke Gegner zu 
bekämpfen gegeben. Man habe Broschüren und Flugschriften bis zum 
Belauf von 120 Tonnen Gewicht umsonst vertheilt und sie in jedes 
Haus geschickt, wo sie zuweilen nicht sehr höflich aufgenommen, viel 
mehr oftmals übel trakrirt, verbrannt u. dgl. wären. Dennoch hätten 
diese Schriften viel Gutes gestiftet. Die Opposiziou, welche ein so 
wichtiges Element im englischen Sraatsleben bildefiind die man überall 
finde, so daß man, wollte man die alten Gesetze über Ketzerverbren 
nung aufgehoben wissen, gewiß sein könne Widerspruch zu erfahren, 
diese Opposizion habe ibr Gutes: die Diskussion fördere die Wahr 
heit ans Licht. Hr. Cobden bedauerte, die Anwesenden nicht in deut 
scher Sprache anreden zu können; es gereiche ihm zum Vergnügen, 
mit den Einwohnern Lübecks zusammenzutreffen, Lübecks, das unter 
den frühesten zähle, die die Schlacht der Zivilisazion gewonnen. Der 
Redner lehnte alles Verdienst als Urheber der Freihandelsgrundsätze 
von sich ab; das Verdienst dieser Urheberschaft gebühre Adam Smith; 
er (Cobden) und seine Freunde hätten nur das Verdienst der Beharr 
lichkeit, indem sie 26 Millionen Menschen über die Grundsätze des 
freien Handels belehrt und sie zu überzeugen versucht hätten, daß 
was sie Schutz nennten, kein Schutz wäre. Dieß führte den Redner 
auf Deutschland. Der deutsche Geist, meinte.er, habe sich nicht ge 
nug tnit Fragen der politischen Oekonomie beschäftigt, er bedaure dieß 
umsomehr, als die eminenten Fähigkeiten, mir denen die deutsche Na- 
zion begabt sei, sie ganz besonders für Ausbildung der Nazionalöko- 
mie geschickt machten; die Deutschen drängen in die Tiefen und stie 
gen in die Wolken, anstatt sich mit praktischen Fragen zu beschäftigen. 
Er wünschte dringend, daß die Deutschen sich für das Studium der 
deutschen Nazioualökvnvmie mehr inceressiren möchten. Dann kam C. 
auf Lübeck zurück. Er sei erfreut, das lübeckische Territorium zu be 
treten, wo ihm kein Polizeidiencr, kein Mauchbeamter zu Gesicht ge-, 
kommen; es sei ihm gewesen, wie wenn er eine Spazierfahrt gemacht 
habe. Möchte es in allen Ländern so sein. Er werde wenigstens alles 
thun, was in seinen Kräften stehe, um ähnliche Freiheiten in seinem 
Vaterlande zu befördern. C. schloß mit einem Toast auf das Wohl 
ergehen Lübecks. — Dr. Asber, anknüpfend an die Worte Cobdens, 
sagte: auch er sei der Meinung, daß die Deutschen in der Nazional- 
ökonomie nicht genug fortgeschritten seien, aber er lebe der Hoffnung, 
was versäumt worden, würde nachgeholt werden, und dann erst würde 
Deutschland dafür gerüstet sein, Englands Vorschläge zu prüfen. Hr. 
Newman -Sh erw ood. der.folgende Redner, hob die koustituzionelle 
Seite der Frage hervor: wie die freie Konsticuzion das Volk in den Stand 
setze, anerkanntwünschenswertheVerbesserungen durchzusetzen, ohne irgend 
unkvnstituzionelle Handlungen zu begehen oder die bestehenden Jnstitu- 
zionen zu gefährden. Wie es der Fall gewesen sei bei drei großen Siegen 
der Art, die der Redner erlebt habe: 1) bei der Abschaffung des 
Sklavenhandels, 2) der Katholiken-Emanzipazion, 3) der Aufhebung 
der Kornqesetze. Hr. Newman schloß mit einem Toast auf das Ge 
deihen der konstituzionellen Freiheit und ihre Ausbreitung über die 
ganze Welt. — Nach ihm brachte Konsul Kulenkamp die Gesundheit 
des mit anwesenden Colonel Hodges aus, des „Repräsentanten der 
liebenswürdigsten Monarchin von Europa." Colonel Hodges hin 
wiederum schloß seinen Dank mir Wünschen für das Gedrihen der 
Lübecker Eisenbahn. 
— (Der Bahnhof.) Da dem Vernehmen nach, von drei 
Plätzen, welche für die Anlage des Bahnhofes in Vorschlag gebracht 
sind, die Roddenkoppel als vorzüglich berücksichtigt genannt wird, so 
erscheint es wünschenswerth, daß von verschiedenen Seiten diese Ange 
legenheit beleuchtet werde, und da wir wesentliche Bedenken gegen die 
Wahl der Rvddenkoppel haben, so wellen wir hiemit unsere Ansichten 
deßfalls aussprechen, mögen dann auch mehrere die ihrigen mittheilen. 
Vorallem erscheint es zwar nothwendig, da» aus eine Verbindung des 
Bahnhofes mit dem Hafen Rücksicht genommen werde; dabei ist jedoch 
auch der Kostenpunkt iii Betracht zu ziehen, damit nicht das Theure 
gewählt werde, wenn man das Billigere haben kann. Wir sind weit 
entfernt, einer Knauserei das Wort zu reden, allein wir müssen auf 
die bei andern Eisenbahnen gemachten Erfahrungen hinweisen, daß 
nemlich jedesmal'Verhältnisse eintreten, welche nicht vorher berechnet 
werden konnten, und daß fast jeder Anschlag nicht ausreichte; binsicht- 
lich der Mecklenburger Bahnen ist es sogar so weit gekommen, daß 
von einem Verkauf der Bahnen die Rede ist. mögen wir uns dieses 
zur Warnung dienen lassen, damit wir nicht auf zu weit gehende Pläne 
uns einlassen. Wir haben nemlich nicht bloß die für die Eisenbahn 
nöthigen bauten zu berücksichtigen, sondern auch die in Folge derselben 
nöthig werdenden städtischen Bauten, deren Größe viel von der Wahl 
des Platzes abhängt. Nach diesen Andeutungen wollen wir uns über 
die einzelnen Plätze aussprcchen: — Am allerwenigsten geeignet scheint 
»ns der Platz bei der Dankwartsbrücke, derselbe liegt zu niedrig und 
ist jedenfalls zu schmal, wenn der Wall nicht abgetragen wird; er er 
fordert den Vau einer massiven Brücke über die Trave, welche aber nicht 
nöthig ist, wenn der Bahnhofan die Stelle der Navigazionsschule kömmt; 
zudem möchte der Untergrund der jetzigen Bleichen nicht fest genug 
sein, (wir erinnern hier an die Gebäude der alten Dröge, welche hart 
an der Trave gebaut sind, und sich bedeutend gesenkt haben), aber es 
ist noch ein anderer Grund vorhanden, weßhalb wir diesen Platz als 
Bahnhof zu benutzen nickt zweckmäßig halten, nemlick an dieser Stelle 
ist die Trave sehr schmal, und der Raum daselbst für einen größeren 
Verkehr mit Fluß- und Leichcerfahrzeugen sehr beschränkt; deßhalb 
schlagen wir vor, die Moddegruben und die Bleichen daselbst auszu 
graben, die Erde wird man gut zu der Eisenbahn gebrauchen können, 
und zugleich Raum für flache Fahrzeuge gewinnen. — Zweitens 
wollen wir die Lage der Roddenkovpel untersuchen: diese hat zwar 
vieles für sich, aber es kann auck vieles dagegen eingewandt werden; 
obgleich sie dem Hafen nahe ist, so glauben wir dock, daß man durch 
eine Verbindung mit demselben mittelst einer Pferdebahn dasjenige 
nicht erreicht, sowohl an Bequemlichkeit als an Billigkeit des Trans 
portes, was uns der Bahnhof am Mühlenthor bietet, wenn die Ver- 
bindung mit den Schiffen durch Leichterfahrzeuge hergestellt wird; be 
sonders aber kommt der Kostenpunkt wegen großartiger Bauten in 
Betracht. Wird nemlich die Roddenkoppel gewählt, so wird doch wahr 
scheinlich die Bahn außerhalb des Walles geführt, und es werden 
dann eine Menge Expropriazionen von Gartenland nöthig, welches 
wegen der Nähe der Stadt großen Werth hat, auch mehrere Gebäude 
werden wohl demolirt werden müssen, die Bahn wird dann eine große 
Wiesenfläche durchschneiden, deren Erhöhung, namentlich wenn der 
Grund nickt fest ist, sehr kostspielig wird. Anglich rückt aber der 
Bahnhof dann außer der Aolllinie, und macdt eine Verlegung des 
Thors sammt der Wacke und dem Zollhause nöthig, cs sei denn, daß 
man Zoll und Akzise aufheben wolle. — Außer diesen Bauten sind 
aber »vck andere ebenfalls sehr bedeutende erforderlich, um die Ver 
bindung mit dem Hafen herzustellen; nemlick ein Brückenbau über den 
Stadtgraben, (ein Damm scheint nickt zweckmäßig weil derselbe die 
Strömung im Wasser behindert), dann ein Durchstich des Walles, 
welcher daselbst mit Kasematten versehen ist, die gegenwärtig zur La 
gerung von Bier benutzt werden. Ferner wird die Expropriazion von 
einer oder zwei Schiffbauerstellen nöthig, welche einen bedeutenden 
Werth haben, und es möchte schwer werden, andere ebenso gute Plätze 
wieder aufzufinden; allein die Hebung des Schiffbaues und der Rbe- 
derei ist es, was wir grade von der Eisenbahn erwarten. Dann wird 
es nöthig, die Pferdebahn, welche vom Bahnhöfe nach dem Hafen führt, 
längs dem Ufer hinzuleicen. Dabei stoßen wir aber aus große Schwie 
rigkeiten: Soll sie die ganze Länge von der Holsteinbrücke bis zum 
Theerhofe begreifen, so wird die Hinwegräumuug aller Gebäude, Ha- 
fenmeisterwohuung, Glockengießerei, Dröge und eines Speichers nö 
thig; die Sckiffbauerftellen werden sämmtlich abgeschnitten, die Holz- 
lagerplätze müßten um die Hälfte eingezogen werden, dieses würde 
unsern Holzhandel sehr belästigen, und alle die erwähnten baulichen 
Einrichtungen würden viele Expropriazionen und Entschädigungen nach 
sich ziehen. — Würde die Pferdebahn auch nur auf die Hälfte der 
Uferstrecke angelegt, so würden doch die Bauren immer bedeutend sein, 
auch ein neues Bollwerk zu bauen und an vielen Stellen die Erhö 
hung des Terräns wird nöthig sein. - Allein wenn auch alle diese 
Einrichtungen gemackt werden, so haben wir für Bequemlichkeit beim 
Löschen und Laden der Schiffe nichts gewonnen, sondern verloren, denn 
würden alle Schisse »ack der Wallseite hinüber legen, so würde es da- 
elbst bald an Raum gebrechen, und der Transport von Waaren, welche 
saus den Schiffen in die Stadt gebracht werden sollen, sehr erschwert 
werden. — Wir hoffen nemlich, daß bei der Eisenbahnfrage unter un 
sern Kaufleuten nicht bloß die Idee vorherrscht, daß unser Platz ein 
bloßer Spedizionsplatz werde, sondern daß eben die Eisenbahn Vera.:-
	        

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