Volltext: Zeitungsausschnitte über sonstige Veröffentlichungen

sches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. Z 49 
Lhunlich, berücksichtigt. Dabei ging aber Zeit und Kraft 
verloren. Und doch war Beides unendlich kostbar. Wenn 
der Particularismus in den alten Provinzen schlimm war, 
so war er in den neuen Gebietstheilen unendlich schlimmer, 
Hier zog er^ seine Nahrung aus staatsfeindlicher Gesin- 
nung. Die Stände von Schwedisch-Pommern erklärten ohne 
Umschweif, daß sie sich nur „mit tiefem Schmerze" von Schwe 
den getrennt hätten. Jede neue Einrichtung wurde von ihnen, 
als Verletzung der Privilegien angefeindet; die Behörden 
konnten nicht vorsichtig getiug verfahren und waren doch 
sicher, e3 Niemand recht zu machen. 
^ Als die lose verbundenen Territorien, welche die Provinz 
Sachsen bildeten, zu einen: einheitlichen Organismus ver 
bunden werden sollten, kannte die Erbitterung keine Grenzen. 
Die preußischen Adler wurden in den Koth getreten, der 
Eingaben und Bittschriften um Erhaltung aller Eigenthüm 
lichkeiten war kein Ende, jeder Kirchthurm trug seinen eige 
nen Ruhn:, jedes Haus kämpfte um seine Sonderstellung. 
Anders lagen die Dinge in: Rheinlande — mit Nichten 
günstiger. Den „Cantönligeist" zwar hatte die zwanzig 
jährige französische Herrschaft gebrochen. Dafür fand die 
neue Regierung allenthalben auf den: linken Rhein- 
ufer einen starren Provincialparticularisnnis, mit dem 
iie um so härter zu ringen hatte, als er sich an- 
sangs gar in das Gewand nationalen Gegensatzes 
kleidete. Die Rheinländer fühlten sich als Franzosen 
fast wie es heute die Elsässer thun, und mit der Achtung, 
^ wir jeder selbstbewußten Eigenart zu zollen gewohnt, 
und, trug die Regierung dieser Gesinnung Rechnung. 
Atit Geduld und Liebenswürdigkeit suchte sie des 
spröden Wesens Herr zu werden. Die Rheinprovinz 
wurde der bevorzugteste Landestheil. Hier sanunel- 
te>: sich die tüchtigsten Beamten; dem Lande blieb 
\t:n französisches Recht, wo es die Umstände gestatteten, 
wurde de:: „inländischen Beamten" der Vorzug gegeben. 
Der Erfolg kan: langsam. Hpät erst haben die Rheinlän- 
oer gelernt, sich Preußen zu nennen. An den Ultramon 
tanen liegt es nicht, wenn fie es heute eben so gut verstehen, 
wie die Brandenburger oder Pommer::. 
Do unerfreulich es demnach mit der Gesinnung in den 
neuen Provinzen aussah — so weit kein natürlicher natio 
naler Gegensatz bestand, ließ sich, nachdem einige schwere 
Jahre vorüber waren, erkennen, daß die geduldige Arbeit 
des Staats nicht mit unübersteiglichen Hindernissen zu 
kämpfen habe. Anders stand es in Posen und Westpreu 
ßen, wo die polnische Nationalität damals noch stärker ver 
treten war, als heutzutage. Hier ruhte der Widerstand ge 
gen die preußische Herrschaft auf den: festen Grunde uralter 
Rattonalfeindschaft; hier suchte und fand erdenn auch seine 
gefährlichsten Formen. Während der 100 Tage entspannen 
s:ch zwischen Paris und Posen Verhandlungen, die ohne 
Zweifel auf Landesverrath hinausliefen. Die polnischen 
Beantten zeigten sich so unzuverlässig, daß die Rede davon 
war, ihnen einen doppelten Eid aufzulegen, da sie 1806 den 
einfachen Amtseid als erzwungenen unbedenklich gebrochen 
hatten. 
Auch hier hat man es lange mit Milde und Langmuth 
versucht. Die Provinz Posen durfte sich Gronbemoo^ 
ÜMIMb-den weißen polnischen Adler in ihrem Wappen 
führen und erhielt in dem Fürsten Radzivill einen natio 
nalen Statthalter aus jagellonischem Sta:nm. Das Jahr 
1848 hat gezeigt, daß diese Nachsicht übel angebracht war. 
Aufruhr und Verrath ward ihr zum Lohne. Seitden: hat 
man ein anderes System eingeschlagen, und danüt wenig 
stens die Wiederholung offen hochverräterischen Gebahrens 
verhindert. 
Wir haben seit 10 Jahren einen weiten Weg geinacht — 
den ganzen Werth des Errrungenen fasten wir doch^erst, 
wenn wir wissen, wie es in Preußen aussah, als Fürst 
Bismarck in der Wiege lag. 
Ein Gedirchtnitzlag. 
Es sind heute 57 Jahre her, seit der alte deutsche Bund 
gegründet wurde. Gesunde Constitutionen pflegen den 
57jährig«: Geburtstag noch in frischem Wohlsein zu be- 
die Phantasie' fliegen mag. Mit einer realistischen Ueberzeu 
gungskraft, der gegenüber man. allen Widerstand aufgiebt, 
weiß er die Märchen der antiken Mythologie darzustellen. 
Die einsamen Felsen und Matten der Alpen, auf die heute 
die modernste Frühlingssonne herabscheint, bevölkert Böck- 
lin mit PanS und Nyn:phen und ähnlichen: Gelichter so 
leibhaftig, daß n:an denken könnte, in irgend einen Winkel 
des Hochgebirges habe sich eine versteckte Zucht dieses zwei 
felhaften .Menschenviehes erhalten und fortgepflanzt und 
treibe, wie 1000 Jahre vor Homer und Hesiod, als ver 
steckter Ur-Urcanton da sein Wesen. 
Etwas von Böcklins Geiste ist auch in Keller lebendtg 
gewesen. Und so ließe dieser Schweizer sich auch hier auf 
seine eigenen nationalen Elemente zurückführen. 
Indessen, fassen wir alle sieben Legenden noch einmal 
zusammen und thun die letzte Frage: Was wollen sie? 
Sie enthalten die Lehre, daß frische fünf Sinne, von hüb 
schen Schicksalen erregt, angenehmer sind, als Schwärmerei 
und Gelehrsamkeit, bei unnützen: stagnirendem Abquälen 
Mit überirdischen Erwartungen. Sie fassen eine gewisse 
Seite des mittelalterlichen Christenthums als einfache My 
thologie und zeigen, wie dergleichen, unbefangen ausge 
sprochen, sich etwa ausnimmt. Keller treibt diese Versuche 
auf die Spitze, und wirkt um so sicherer, als er durchaus 
gutmüthig erscheint. 
Allein, wen: gegenüber treibt er diesen graziösen Spott? 
Bigotten Katholiken, protestantischen Frönunlern gegenüber? 
Das älteste Christenthun: stand zum absterbenden He:den- 
thmne factisch nicht so da, wie die beiden erstgenannten 
Novellen es in: poetischen Gewände erscheinen lassen möchten. 
Man erbaute dan:als keine so schöne Statuen n:ehr, als 
.Ueller sie entstehen läßt. Das Heidenthun: war bei Weiten: 
öder und glanzloser. Ich wüßte in diesen: Sinne keine 
rechte Adresse, an die das Buch sich richtet. Voltaire konnte 
gehn. Der alte he Bund ist schon vor fast 6 Jahren 
gestorben,^ und schnzlich vergessen. Er muß also keine 
gute Constitution R und kein sehr nützliches Leben ge 
führt haben. De gedenken wir gerne seines Geburts 
tages. Nicht nur jenen: Gefühl endlicher Befreiung, 
mit dem hie und emand den Geburtstag seiner seligen 
Schwiegermutter ickbarer Rührung begeht, sondern aus 
einer weit ernfthm En:pfindung. Wir dürfen uns 
befriedigt sagen, dir innerhalb dieser beiden Menschen 
alter weiter gekomsind. Ein Conglomerat lose zusam- 
menhängendor Sb ist in eine organische Föderation 
verwandelt, die dnansend dynastische und particnlaristi- 
sche Interessen hind hergezerrte Nation zu einen: wirk 
lichen Bunde verei worden. 
Besonders anfft erscheint der Fortschritt in: Süden. 
Bayern und Würderg käinpften 1815 erbittert gegen 
die Errichtung des:des „als ihrer Souveränem präjn- 
dicirlich", 1866 bnletzt für die Fortdauer des alten 
Bundes als eines nches für ihre Souveränetät, 1870 
traten sie als die sen in das neue deutsche Reich; jetzt 
kämpfen sie gegen st organische Weiterentwickelung. Ist 
nicht da der Gedc zulässig, daß sie dereinst, und 
vielleicht ziemlich d für diese organische Weiter 
entwicklung des Res als für eine Garantie ihrer 
Selbständigkeit kümp werden? Freuen wir uns deshalb 
des Fortschritts der Z ohne uns selbstgefällig zu verwun 
dern, „wie wir es d:so herrlich weit gebracht, und ar 
beiten wir rüstig wei an der Heranbildung unserer Nation 
zur Macht und Größur sittlichen Bildung und gesetzlichen 
Freiheit! Den: altellunde aber wollen wir dafür dan 
ken, daß sein schlaff und dennoch zuweilen drückendes 
Band unsere harten tzultern so lange wund gerieben, bis 
sogar die deutsche Geld zu Ende war. Er bleibe uns in 
diesen: Sinne in gefegtem Andenken, aber er kehre nie- 
n:als wieder! 
station. — Die zum Theater geladenen Gäste können mildem 
Zuge Nachmittags 4 Uhr von Berlin fahren. Für die Rück 
kehr nach Berlin steht Abends 9sb Uhr an der Wildpark 
station ein Extrazug bereit. Um diese Zeit erfolgt auch, so 
weit bis jetzt bestimmt, die Rückkehr Sr. Majestät des Kaisers 
von Potsdam nach Berlin. 
Se M. der Kaiser wird die hier und in Potsdam 
11. Juni das Garde-Kürassier-Regiment 
Dragoner - Regiment; am 12. Juni das 2. Garde - Ulanen- 
Regiment und das 2. Garde-Dragoner-Regiment. Am 
14. Juni das Garde-Husaren- und 1. Garde-Ulancn-Rchi- 
ntent bei Potsdam, und am nächsten Tage, das Regiment 
Garde du Corps und das 3. Garde-Ulanen-Regiment, 
ebenfalls bei Potsdam. Zu diesen Besichtigungen sind gestern 
die folgenden vier österreichischen Stabsofficiere hier einge 
troffen'und von Sr. Majestät dem Kaiser empfangen worden: 
der Commandeur des 10. Husaren-Regiments Friedrich Wil 
helm III. von Preußen, Oberst Freiherr v. Ramberg, der 
Oberst Baron Bertrand vom galizrschen Dragonerregiment 
Kaiser Franz Joseph Nr. 11, der Major Kubin vom steier- 
schen FKd-Artillerie-Regiment Erzherzog Wilhelm und der 
Major Gesser vom ungarischen Feld-Artillerie-Regiment 
Nr. 12. — Als militärischer Begleiter ist denselben der Pre 
mier-Lieutenant Frhr. v. Zedlitz vom 2. Garde - Ulanen- 
Regiment commatrdirt worden. 
— S. k. H. der Prinz Albrecht Vater, begab sich gestern 
Vormittags nach Potsdam, machte daselbst Ihrer Majestät 
der Königin Wrttwe und den Mitgliedern der königl. Familie 
seine Besuche und kehrte Nachmittags von dort wieder hier 
her zurück. — Heute hat der Priaz an einige höhere Mili 
tärs Einladung zum Diner ergehen lassen. 
— Durch einen kgl. Specialbefehl vom 30. November 1663 
wurde dem Ober-Cercntonienmcister und Wirkl. Geh. Rath 
Grafen von Stillfried der Auftrag, eine Beschreibung der 
Krönung I. Mas. des Königs und der Königin am 
18. Oktober 1861 zu verfassen. Die an Beziehungen auf 
c * ~irjr. 
Berlin, 9. Juni. >e. M. der Kaiser und König ließ 
sich gestern Vormittagwom Ober-Hof - und Hausmarschall 
Grafen Pückler, dem ofmarschall GrasenPerponcher und 
dem Geh. Hofrath Bok Vortrag halten, empfing den Ge 
neral-Inspecteur sänmlicher deutscher Festungen und der 
Pioniere, General - Liuenant v. Kamecke, welcher sich vor 
Antritt einer Jnspiciu-gsrelle nach Elsaß-Lothringen ver 
abschiedete, arbeitete n; dem Chef des Militär - Cabinets, 
Obersten v. Albcdyll rnd später noch mit dem Geh. Cabi- 
netsrath v. Wilmowck: und ertheilte dein zum Hof- und 
Domprediger ernanntn Garnisonpfarrer Frommcl eine 
Audienz. Mittags litte Se. M. der Kaiser eine längere 
Confercnz mit dem Kriegsminister Grafen v. Roon und 
dem Minister des Jmern Grafen zu Eulenburg und 
machte darauf eine Spzierfahrt. Zum Diner waren keine 
Einladungen ergangen Abends begab sich Se. Mas. 
der Kaiser, begleite, vom Flügeladjutanten, Hauptmann 
v. Lindequist, per Eckrazug nach Potsdam und nahm das 
Nachtquartier auf Schloß Babelsberg. Heute Vormittags 
findet im Neuen Palais zu Polsdan: die Feier des Stif 
tungsfestes des Lehr-Jnfantcrie-Bataillons statt. Der Got 
tesdienst wird um 11 Uhr im Freien, bei ungünstigem Wet- 
Lehr-Jnfanterie-Bataillons und die Speisung derselben unter 
der Colonnade. Das Diner wird um 2 Uhr im Grotten- 
Saal eingenoimnen, und sind zu demselben etwa 150 Einla 
dungen ergangen. Unter den geladenen Gästen befinden sich 
die hier anwesenden Mitglieder der königlichen Familie mit 
ihrem Gefolge, die hier verweilenden Fürstlichkeiten, die Ober 
sten, Obcrhof- und Hofchargen, die General- und Flügel- 
Adjutanten, die Generale ä la suite, die bei den hiesigen Bot 
schaften und Gesandtschaften accreditirtcn Militärbevollmächtig' 
4V. (KJ IV- ^U|^UIIU|U uuui x. vpnuuv- 
Regiment z. F. ausgeführt. Der Anzug ist gestickte Uniform 
und dunkle Unterkleider — beim Gottesdienst mit, beim Diner 
ohne Ordensband. Die Herren vom Militär: Parade-Auzug 
mit Schärpe. Um 6 Uhr findet Theatervorstellung statt und 
folgt dieser ein Souper, zu welchem ebenfalls zahlreiche Ein 
ladungen ergangen sind. Ein um 10 Uhr Vormittags, von: 
Potsdamer Bahnhöfe aus abgehender Extrazug befördert die 
zum Gottesdienst erscheinenden Herrschaften bis zurWildpark- 
AMHfcUWJiMtUl!IMWWMtBIBBtMWBA8UMWI>l!>ViMi»W6JtiUNiitgfciaBWPTOHt 
seiner Zeit zur Beförderung allgemeiner Aufklärung der 
gleichen Scherze nebenbei auffliegen lassen, mit denen er 
einer reichen, faulen und selbst ungläubigen Geistlichkeit 
ihr selber zun: Plaisir ein Schnippchen schlug. An wen 
aber dachte Keller? Und so haben die „Sieben Legenden" 
als einzelne Publication ftir sich bei aller Frische doch 
etwas Veraltetes. — m. 
Shakespearetage in Dresden. 
Juni 1872. 
Die deutsche Shakespeare-Gesellschaft hatte dies- 
mal ihre Jahresversammlung auf's Ende der Pfingstwoche 
nach unsern: Elbathen ausgeschrieben — vielleicht propa 
gandistisch, um auf Dresden zu wirken, vielleicht egoistisch, 
MN Dresden auf sich wirken zu lassen: erhorchen ließ sich 
das nicht, und eine Frage verbot doch die Discretion. Ich 
kannte die Gesellschaft bis dahin nur nach That und Ruf 
— das heißt, nach literarischer That, den: von ihr edirten 
Jahrbuch, welches ich ab und zu perlustrirt hatte, ::nd nach 
literarischen: Ruf, welchen zwei kritische. Ulanen mit einge 
legter Lanze umschwärmten: Rudolph Genee nämlich und 
Rudolph Gottschall — Par nobile fratrum! Dabei mußte 
ich mir immer Gloster's Monolog parvdiren: 
Die Weissagung besagt, daß G 
den Shakespeare-Männern nach dem Leben steh'. 
Nun wurde aber das erste G trotzdem Mitglied der Ge 
sellschaft, gerade als ihn: deren neuestes Jahrbuch in Bezug 
auf Shakespeares Muttersprache die bedenkliche Flatterhaf 
tigkeit nachwies, daß er den allbekannten „Bärengarten" 
in einen „Biergarten" verwandelt hatte; und das zweite 
G verblieb zwar Mitglied der Gesellschaft, als es den: Vor 
stande derselben nicht mehr angehören sollte, tvobei mög 
licherweise auch ein menschlicher Bodensatz vom „grollenden 
den, wtssmschasmcye ^npaure re., wcru-r, 
Se. Majestät Allerhöchstselbst bestimmt haben. Das Wert . 
selbst ist in sehr großen: Formate hergestellt (etwa 3 Hoch, 
2' breit), in rothem Maroquin - Entband gebunden und 
in der Königl. Geh. Ober - H'ofbuchdruckeret (R. v. Decker) 
gedruckt worden. Der Text des Buches enthalt eure 
genaue Beschreibung der Krönungsfeier w:e aller mt 
dieser im Zusammenhange stehenden Festlichkeiten. ^.aS 
Werk ist in zwölf Abschnitte getheilt, ,welches nnt dem 
Allerhöchsten, die Feier der Krönung bestimmenden Manifest 
vom 6. Juli 1861 beginnend, dieFestreffe von Potsdam nach 
dem Schlosse Waldburg (Capustigall), den Einzug :n Königs 
berg, die dortigen Festlichkeiten, die Festreise nach und den 
Aufenthalt in Danzig, so wie schließlich die Fahrt nach und 
Einzug in Berlin schildern. Dem Werk sind eme Reihe „vor 
trefflicher Abbildungen beigeaeben: zunächst ein allegorpcheö . 
^i+clbilb in meM rrvFl, 'o ,nn Steindruck von Ludwig Burger, 
sodann von demselben die Porträts Ihrer Majestäten, sowie 
die der brandcnburgischen Kurfürsten und preußischen Könige 
von Kurfürst Friedrich Wilhelm bis zu König Friedrich Wil 
helm IV. Es folgen an weiteren Bildern das Fest des hohen 
Ordens vom Schwarzen Adler im Schlosse zu Königsberg am 
17. Oktober 1861, die Krönung Sr. Majestät, sowie die Krö 
nung Ihrer Majestät, dü Huldigung auf dem Schloßhofe zu 
Königsberg, der Eiilzug Ihrer Majestäten in Berlin und das 
Ballfest im Weißen Saale des Köiitglichen Schlosses daselbst 
am 25. Oktober 1861. 
— Ueber die Revision des Seminars in Wcißenfels 
durch Minister Dr. Falk in Begleitung des Geheimrath Stiehl 
entnehmen wir dem „Weißenfclser Krcisblatte" in: Auszuge 
Folgendes: 
Um 7 Uhr Morgens versammelte sich der gesammte Coetus des 
Seminars im Orgelsaal und nach einer in gewohnter Weise von 
dem Director gehaltenen Morgenandacht begann die Revision. Zuerst 
hielt der Director mit der 2. Klaffe des Seminars eine Katechisinus- 
lection. Die Seminaristen mußten zunächst in selbständiger Weise 
Rechenschaft geben über das. was bereits behandelt war: sodann 
wurde in der Unterweisung fortgefahren. Darauf wurde bie 1. Klasse 
in der Sprache geprüft. In selbständigem Vortrage analystrten die 
Achilleus" verblieben fein könnte. Ich :i:uß indeß der 
Wahrheit die Ehre und dem Hofrath Gottschall Recht geben, 
lDcntt er meint, das Sprüchlein: 
Grau, theurer Freund, ist alle Theorie 
Und grün des Lebens goldner Bamn — 
sei der Gesellschaft noch nicht zur vollen Erkenntniß aufge 
blüht; die Register des Jahrbuchs zeugen in der That von 
deutschen: Gelehrtenfleiß, aber nicht in gleichen: Grade von 
den: praktischen: Ztveck, Shakespeare immer noch inehr auf 
deutschem Boden zu acclüuatisireu. 
Shakespeare zog also bei uns ein — nicht festlich mit 
Fahnen und Kränzen, mit Saug und Klang: dafür steht er 
den Strömungen des Tages allzufern; nein, still und spo 
radisch, aber würdig vertrete:: durch die Namen seiner Missio 
nare. Ein vorbehaltenes Zimmer der Belvedere-Restaura 
tion vereinigte allabendlich nicht blos die Gesellschaftsnnt- 
glieder, sondern: auch alle Shakespeare-Freuilde, die sich zu 
ihnen finde:: wollten. Da war das Präsidium vollzählig: 
Prof.Ulrici (Halle), Cominerzienrath Oechelhäuser (Deffcu:), 
Oberhofmarschall Frhr. v. Friesen (Dresden); sodann als 
Vorstandsmitglieder (alphabetisch geordnet, um Rangstrei- 
tigkeiten zu vermeiden); Prof. Delins (Bonn), Prof. Elze 
(Dessau), Prof. Hertzberg (Brennn), Pros. Leo (Berlin-, 
General-Intendant Frhr. v. Loen (Weinmr), Frhr. v. Vincke 
(Freiburg in Baden). — Keiner darunter, der ::icht dem 
Gesellschastspatron seinen Zoll schon Schivarz ans Weiß dar 
gebracht hätte, verschiede:: natürlich nach Werth und Erfolg, 
die sich eben in Grammen bekanntlich schwer abivägen las 
sen. Fünf Vorstä::de fehlten — nach der authentischen 
Quelle des Jahrbuchs. Unter den fren:den Gästen wurde 
wiederholt das Bedauern laut, daß - ihnen der Wunsch 
nicht erfüllt werden sollte, ihr königliches Mitglied, unsern 
greisen Gelehrten ans de::: Throne, von Angesicht zu sehen; 
König Johann konnte aits Gesundheitsrücksichten seinen
	        

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