Full text: Zeitungsausschnitte über sonstige Veröffentlichungen

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. Z 49 
Portugal. 
Der englische G l o b e theilt folgenden Auszug aus einem 
Schrcibcn aus Falmouth vom 18 Zun. mit: ,-Durch das heute 
hier eingetloffene Paketboot Esvoir haben wir Nachrichten aus 
Lissabon bis zum ii d., dem Tag seiner Abfahrt. Am Schluß 
der Debatte, die sich in Folge der von den Ministern am 3 ge 
gebenen „Erklärung" erhoben hatte, wurden die Sitze jener De- 
putirten, welche die neue Verwaltung bilden, den Bestimmun 
gen der unlängst kn Wirksamkeit getretenen Constitution gemäß 
als förmlich erledigt erklärt, und es sollen nun andere Depu- 
tirte dafür gewählt werden. Hierauf erhob sich die Frage, ob 
sie im Hause gegenwärtig seyn oder sich wahrend der Debatte 
wegbegeben sollten, ward aber eventuell verschoben. An dem 
selben Tage wurde der Bericht der Finanzcommittee genehmigt. 
Der Gesctzesentwurf wegen Suspension der Habeas-Corpus- 
Acte in Algarbien ward am 5 vorgelegt, und mit einer Mehr 
heit von 86 Stimmen gegen 7 entschieden, daß die Suspension 
noch drei Wochen weiter zu bestehen habe, von welcher Zeit an 
sie dann dem ersten Gesetz zufolge erlischt. Am 5 ward das 
Budget discutirt, und dessen Verweisung an eine Committee 
auf den folgenden Tag bestimmt. Der Tarif wird bald ganz 
aufgehoben oder doch wesentlich geändert werden. Zwischen der 
jetzigen patriotischen Verwaltung und den brittischen Behörden 
scheint ein gutes Einvernehmen zu bestehen, wodurch ein letzter 
Hoffnungsschimmer aufgeht, daß Portugal noch vom Verderben 
gerettet werden, und sich wieder so weit erheben könne, um den 
ihm gebührenden Rang unter den Nationen einzunehmen. Durch 
diese Vereinigung wird den mannichfachen brittischen Ansprü 
chen, die wiederholt vor den Cortes und im Palast erhoben wur 
den, endlich ihr Recht widerfahren. Am Tag vor der Abfahrt 
des Pakctboots wurde von der Kriegscommittee erklärt, daß die 
Forderungen gerecht seyen, und daß sie um deren Befriedigung 
nachsuchen werde, daß sie dieselben aber an die Regierung zu 
rückweisen müsse, indem sie sich außer Stand sehe darüber zu 
entscheiden." 
Preußen. 
Die Hannoversche Zeitung enthalt folgendes Schreiben 
aus Berlin vom 20 Iun.: „In Beziehung auf eine Privat- 
correspondenz in Ihrem Blatte über die angeblich zum Prote 
stantismus sich hinneigenden Tyroler Gemeinden kann ich Ihnen 
aus guter Quelle folgende Berichtigung mittheilen. Im Zlller- 
thale befindet sich eine nicht ganz hundert Köpfe betragende An 
zahl von Einwohnern, welche — von dem, auch kn andern Ge 
genden Deutschlands wahrgenommenen Schwindel ergriffen — 
weder Katholiken bleiben, noch zu der lutherischen oder refor- 
mlrten Kirche übertreten wollen. Die Religionsbegriffe, zu wel 
chen diese Leute sich bekennen, weichen so vielfältig von den all 
gemein gültigen Lehren des Christenthums ab, daß man die 
Anhänger dieser neuen Secte kaum mehr für Christen halten 
darf, denn sie verwerfen die Taufe der Kinder und die Ein 
segnung der Ehe, und betrachten die eine wie die andere als 
Zumuthlmgen , welche mit ihrer Doctcln durchaus unverträglich 
seyen. Aller Wahrscheinlichkeit nach durch Einflüsterungen von 
außen aufgeregt, und durch Sinnesverwandte zurWiderspänstig- 
keit verleitet, schweben sie in dem Irrthume, als wären sie ein 
Gegenstand der Bewunderung des Auslandes, verspotten die 
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gottesdienstlichen Gebräuche, beschimpfen und beunruhigen ike 
friedlich lebenden Katholiken, welche sich zu ihrer Lehre nicht i?- 
quemen wollen, und veranlassen dadurch tagtäglich die gerecht 
sten Klagen und Beschwerden. Die ihrerseits verübten Ungs- 
bührlichkeiten gehen so weit, daß man zu der Vermuthung 
rechtigt ist, als legten sie es ernstlich darauf an, die Obrigk 
zu einer ernst gemessenen Einschreitung zu nöthigen, damit 
sich dereinst für Opfer der Verfolgung geltend machen können. 
Da jedoch in Gemäßheit uralter Landesprivilegien keine andere 
als die katholische Relkgionsübung in Tyrol bestehen darf, uch 
die Stände der fürstlichen Grafschaft auf der Auftechthaltuni 
ihrer vertragsmäßigen Rechte bestehen, so hatte die Reglerum \ 
den Entschluß gefaßt, den Sectirern den Zeitraum eines halber 
Jahres zu vergönnen, damit sie sich eines Bessern besinnen mö 
gen. Gedenken sie Katholiken zu bleiben, so dürfen sie ruhig 
und ungestört kn ihrer Helmath verweilen. Beharren sie jedoch 
auf dem Entschlüsse, der katholischen Kirche ykcht länger anzuge 
hören, so haben sie sich zu einer der gesetzlich autoristrten akatholi- 
schen Confessivnen zu bekennen, uud in diesem Falle Tyrol zu 
verlassen und ihren künftigen Aufenthalt in einer andern Pro 
vinz zu nehmen, woselbst sich Nichtkatholkken befinden. Dabei 
ist es ihnen gestattet, ihr liegendes Eigenthum zu verkaufen, 
und ihr bewegliches Eigenthum mitzunehmen, und sowohl dke^ 
Landesbehörden von Tyrol, als diejenigen der Provinz, worir 
die Ankömmlinge sich ansiedeln, sind angewiesen worden, 
alle mögliche Hülfe und Erleichterung angedeihen zu lassen, m 
sie mit aller erdenklichen Milde zu behandeln, denn da oder 
lebend, hören sie darum nicht auf, östreichische Unterthanen 
seyn. Uebrigens kann es Gebirgsbewohnern deutscher Z^ 
nur willkommen seyn, sich gleichfalls in das gebirgige Sie 
bürgen und unter Glaubensgenossen versetzt zu sehen, welche' 
Sachsen dahin eingewandert sind, sich dort des Genusses vt 
faltiger Freiheiten und Begünstigungen erfreuen und sich in dl 
selben Sprache verständlich zu machen wissen. Nachdem sowohl diese 
Vorgänge, als auch das von der östreichischen Staatsverwaltung 
eingehaltene Verfahren offenkundig vorliegen, auch kein Grund, 
und selbst nicht einmal eine Möglichkeit vorhanden war, sie ge 
heim zu halten, so konnte es sicherlich nicht in der Absicht einer 
wohlunterrichteten Regierung liegen, irgend eine Unterhandlung 
zum Behuf des ohnedieß unverwehrten Uebertrlttes derderZkller- 
thaler Gemeinde Angehörigen zur protestantischen Religion un 
eben so wenig zu einer Auswanderung ins Ausland eintreten 
zu lassen. Es leuchtet demnach von selbst ein, daß die auf die 
sen Gegenstand bezügliche Privatmittheilung auf einem der 
Wahrheit zuwider laufenden Gerüchte beruhe." 
* Aus Pommern, 15 Iun. Bet der letzten Inspections- 
relfe Cr. königl. Höh. des Kronprinzen durch unsre Provinz 
ereignete sich ein sehr trauriger Vorfall in Stolpe, der auf den 
.Prinzen den erschütterndsten Eindruck ausübte. An der Tafel 
zur Seite des Kronprinzen rührte den dortigen Postmeister, 
Hrn. y. Kleist, plötzlich der Schlag, welcher ihm das Leben 
raubte. Man zeigt sich jetzt hier einen Brief, den Se. k. Höh. 
unmittelbar nach dem Ereigniss eigenhändig an die Wittwe 
geschrieben und den wir hkemit dem größern Publicum mitthei 
len, weil er zur Charakteristik des Thronerben dient und weil 
in seinen einfachen Worten religiöser Ernst, tiefes Mitgefühl
	        

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