Full text: Zeitungsausschnitte über sonstige Veröffentlichungen

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. Z 49 
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von der Nützlichkeit und Angemessenheit, eine Bürgergarde 
zu schaffen, überzeugt, die beitrage, die öffentliche Ruhe und 
Sicherheit zu erhalten; auf einstimmige Zustimmung des Staats- 
rathes, und nach Anhörung unsers Rathes befehlen wir, wie 
folgt: 1) Es wird im Großherzogthum die Dürgergarde ein 
gesetzt, die als Staats-Znstitut betrachtet werden soll. 2) Wir 
behalten uns vor, das Grundgesetz besagter Instituzion zu ge 
nehmigen, nach den Vorschlagen des Staarsraths, der bereits zu- 
sammenberufen und beauftragt ist, nach den Vorschriften der Lan 
desgesetze darüber zu berathen. Toskancr! die Bürgergarde 
ist eine erhaltende Instituzion, eine Znstituzion der Bürgschaft 
für die gesellschaftliche Ordnung, der öffentlichen und Privat-Sicher- 
heik. Nehmt diese Einrichtung als ein neues Unterpfand des 
unbegränzten Vertrauens, welches Euer Fürst und Vater zu euch 
hegt, auf. Erwartet mit Ruhe und Zuversicht die nöthige Ent 
wickelung dieser, bereits genehmigten Znstituzion. Treu dem 
Herrscher, gehorsam dem Gesetze und den Behörden, seid immer, 
wie ihr immer wäret. Verliert nie aus den Augen, daß Eure 
eigenen Interessen mit der Ordnung und der Beobachtung der 
Gesetze im Zusammenhange stehen, daß die Agitazionen, um den 
Fortschritt zu befördern, stets Veranlassung zur Unordnung sind, 
und leicht dazu führen können, Industrie und Handel zu gefähr 
den, die besonderen und allgemeinen Interessen zu stören, und 
in allen Klassen der Gesellschaft durch Mißtrauen und Furcht 
Nachtheil zu bringen. Leopold." — Unbeschreiblich war die Wir 
kung dieser Bekanntmachung; auf den Straßen umarmte sich 
Alles, ohne sich zu kennen; der eine weinte, der andere lachte 
vor Freude. Das war um 6 Uhr, und sogleich wurde beschlossen, 
am andern Tage, Sonntag den 5., dem Großherzoge zu danken. 
Zu dem Zwecke wurde die ganze Nacht gearbeitet, um Fahnen 
und Kokarden zu fertigen. Die von 300 Studenten abgeholte 
Fahne war roth und weiß (toskaner Farben), 7 Ellen lang und 
6 breit, mit der Inschrift Viva Leopoldo II. 4. Settembre 
1847, der Stock weiß und Gelb (des Papstes Farben) und mir 
einem Lorbcerkranz und rothen Quasten verziert. Alle Männer 
der Stadt nahmen an dem Zuge Theil, reiche, arme, junge und 
alte: die Frauen standen auf dem Platze Pirri oder in den um 
gebenden Hausern, um aus den Fenstern mitzuwirken. Alle mit 
der Kokarde geziert, roth und weiß und viele auch weiß und 
gelb, die Männer auf dem Hut, die Frauen an der linken 
Schulter. Die Frauen fast alle weiß oder gelb gekleidet, mit 
roth und weiß garnirten Hüten. Der Zug bestand gewiß minde 
stens aus 20,000 Menschen, in lauter Bataillone abgetheilt, die 
in militärischer Ordnung marschirtcn, Arm in Arm, der Adlige 
mit dem Bauer, der Gelehrte mit dem Unwissenden; 5 Musik 
chöre in verschiedenen Abtheilungen des Zuges vertheilt, gaben 
den Takt an. Alle hatten die Schnupftücher an Stöcke gebun 
den, um sie als kleine Fahnen zu gebrauchen: außerdem waren 
50 große Fahnen vertheilt, der obigen ähnlich. Die römischen 
Unterthanen bildeten eine eigene Abtheilung, mit einer weißen 
und gelben Fahne davor, die Juden eine andere mit viva Pio IX. 
in derselben; dann eine weiße Fahne mir viva Gioberti! eine 
andere mir viva ia lega dei Prineipi Italiani! eine andere 
viva la nazionalitä Italiana! noch eine viva la fratellaiiza! 
eine fernere viva la guardia civica! ferner: II popolo rico- 
noscerite al suo sovrano! — viva Italia! — viva Pio IX ! 
Die Griechen haben den Florentinern eine sehr schmucke Fahne 
geschenkt, auf der einen Seite die toskanischen, auf der andern 
die griechischen Farben, und darauf zwei in einander geschlungene 
Hände, mir der Umschrift: la gioventu greca, alla nazione 
italiana! Alle diese Menschen, auf dem Platze Pitti versam 
melt, fingen nun an zu rufen: viva Leopoldo II., viva Ja guardia 
civica! Alle Zuschauer wehten mit den Tüchern, klaschren in 
die Hände, warfen Blumen rc. Nach einigen Augenblicken wur 
den die Thüren des Balkons am Palast geöffnet: der rothe, 
gvldgesäumte sammtene Teppich auf das Geländer gelegt, und der 
Großherzog mit seinen beiden ältesten Söhnen trat heraus, um zu 
danken; er weinte vor Rührung. Nachdem er eine Zeitlang mit 
dem Schnupftuche, unter dem Beifallsgeschrei der Menge, ge 
grüßt hatte, ging er wieder hinein, erschien aber gleich wieder 
mit dem Mantel des St. Stephans-Ordens, der eine roth und 
weiße Schleppe hat, und legte diese heraus, um damit zu grü 
ßen, und die Kinder wehten damit dem Volke zu; danach nahm 
der Großherzog den goldenen Saum der rothen Decke und legte 
ihn neben die roth'und weiße Schleppe, um so die Farben des 
Papstes mit den seinigen zu vereinen. Man kann denken, wie 
dieß verstanden und aufgenommen wurde, und damit nichts un 
verständlich bliebe, zog er ein gelbes, seidenes Schnupftuch aus 
der Tasche und wehte damit dem Volke zu. Zuletzt mußten ihn 
zwei Personen wegführen, weil er sich ohnmächtig fühlte. Dieß 
Schauspiel, von den lebhaften Italienern aufgeführt, ist nicht zu 
beschreiben. 
Von da ging der Zug unter fortwährendem Viva-Geschrei 
nach dem Domplatz, fortwährend erscholl es: viva» Je donne 
Italiane! evvivan le donne eite portano Ja cocarda! — 
Dorr sammelte sich Alles, um Mittagsbrod zu essen. In den 
Privathäufern ging cs nun lebendig zu. Ohne sich zu kennen, 
nannte sich 'Alles sorella, fratello, verlangte jeder, was er zum 
Schmuck bedurfte: Kokarden, Stecknadeln, Lorbeer-Reiser :c., 
bis um 5 Uhr, wo die einzelnen Züge wieder zusammentraten, 
um sich im Dom zu vereinigen, in welchem ein Tedeum gesungen 
wurde. 'Alle Fahnen wurden in der Mitte der Kirche um den 
Erzbijchof zusammengestellt. Der Vers salvwn fac populum 
tuurn, Domiiie, ward knieend abgesungen, und nach dem Ende 
aus den Fahnen ein Bogen gebildet, unter dem der Erzbischof 
bis zu seinem Palast geleitet wurde, wo er, vom Fenster aus, 
den Segen auf das versammelte Volk sprach. Nun ging der 
Zug in verschiedenen Abtheilungen durch die Stadt, zu den Mi 
nistern und nach der Festung unter ewiva la linea, evviva i 
ministero! — Alles ging in musterhafter Ordnung zu, ohne 
Soldaten, ohne Polizei! bei so aufgeregtem Pöbel und allen 
Dauern der Umgegend in der Stadt; und doch ist nicht ein 
Schnupftuch entwendet worden, obgleich alle Thüren offen stan 
den! — Am Abend war die ganze Stadt illuminirt. und, merk 
würdig genug, die schönste Illuminazion war im Judenviertel. 
Den 7. wiederholt sich dasselbe Fest, denn der Hof komme zur 
Kirche der Sta. Annunciata, zum Fest der Geburt der heil. Jungfrau ; 
man wird dem Großherzoge die Pferde ausspannen und ihn nach 
Hause ziehen. Sontaqs kommen die Livorneser und Pisaner, 
"in zu gratuliern und Fahnen zu bringen, und das Fest wieder 
holt sich vonneuem." 
Prozeß Praslin. 
^aris, 23. Sepr. Dem. de Luzy-Despvrtes befindet sich 
nicht mehr in geheimer Haft, seit einigen Tagen darf sie Besuche 
empfangen. Sie hat ein rechtfertigendes Memoire an den Kanzler 
Pasquier gerichtet und wird wohl binnenkurzem in Freiheit 
gesetzt werden. Wie es heißt, wird Dem. de Luzy ihren Brief, 
Wechsel mit dem Herzoge von Praslin veröffentlichen, um sich 
vor der öffentlichen Meinung zu rechtfertigen. Zwei sehr acht 
bare und reiche Männer haben ihr ihre Hand anbieten lassen. 
Es hieß vorkurzem, daß der Marschall Cebastiani den Be 
fehl gegeben habe, die Zimmer, wo seine Tochter ermordet worden 
ist, zu vermauern. Der Marschall scheint kein so schlechter Fi 
nanzmann zu sein; denn allen Gesetzen der Schicklichkeit Hohn 
sprechend, hak er bereits die Zimmer, welche seine unglückliche 
Tochter bewohnte, an einen Herrn Mosselmann vermiethct. 
Das Mobiliar der Zimmer ist versteigert worden. 
Lübeck, den 30. September. 
Die Versammlung der Germanisten. 
„So lange die alte Hansestadt steht, hat sie eine solche, eine die 
ser ähnliche Versammlung noch nicht in ihren Mauern gesehen. Ist 
das Interesse für dieselbe natürlich auch in dem wissenschaftlich gebil 
deten Theile unserer Bevölkerung vorzugsweise lebendig, so durch 
dringt doch die Ahnung, daß es ein höchst bedeutender Moment für 
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das gesammte geistige Leben unsers Volkes ist, der sich hier unter 
unsern Augen vorbereitet, auch das ganze übrige Publikum. Und 
gewiß wenden sich aus ganz Deutschland in diesen Tagen die Blicke 
der Freunde des Vaterlandes mir der wärmsten Theilnahme hieher. 
Umfaßt doch die Versammlung der Germanisten gerade solche Män 
ner, welche vor Andern durch die überwiegende freie Thätigkeit ihres 
Lebens dem deutschen Volke die Bürgschaft gegeben haben, daß ihr 
ganzes Herz ihm angehört; haben doch diese Männer im vorigen 
Jahr zu Frankfurt den Beweis geliefert, daß ihnen die unermüdlich 
liebevolle Erforschung der Vergangenheit unseres Volkes nach den 
höchsten und wesentlichsten Aeußerungen seines Lebens hin nicht ge 
nügt, sondern daß sie auch eine weite offene Empfänglichkeit haben 
für alle Pulsschläge der Gegenwart, und daß ihnen die innige Ver 
senkung in die Vergangenheit gerade als schönste Frucht die Weis 
heit eingetragen, welche den gedeihlichen Weg der unaufhaltsam wei- 
.terstrebenden künftigen Entwickelung des deucscbcn Volkes klar erkennt. 
Wie groß daher auch das praktische Interesse sei, das andere Ver 
sammlungen, deren wir jetzt überall in Deutschland so viele entstehen 
sehen, für sich in Anspruch nehmen; — das Gemüth des Volkes 
gehört der Versammlung der Germanisten au. In der That können 
wir auch den Segen, den wir uns von der Wirksamkeit gerade dieser 
Versammlung versprechen dürfen, nicht hoch genug anschlagen. Es 
ist einmal das Schicksal, das tief beklagenswerthe Schicksal des deut 
schen Volkes gewesen, daß es jedes genügende Organ für eine rasche 
und kräftige Gestaltung seiner öffentlichen Zustände, seiner Rechts 
und Staatsvcrhältnisse, in vvlksthümlich-einheitlichem Sinn verloren 
hat; die Hoffnung, daß sich bei aller politischen Gecheiltheit de§ Lan 
des doch eine volksrhumliche Einheit in den Zuständen immer mehr 
herausbilde und nicht Alles sich in die regelloseste Verschiedenheit 
versplittere, kann allein darauf beruhen, daß das Bewußtsein über 
das was uns noththue sich zu dem höchsten Grad von Klarheit durch 
bilde, zu einer Klarheit, die sich die allgemeine Zustimmung und da 
mit auch praktische Bedeutung erzwinge. Dazrffbedarf es aber eines 
Organs, ln welchem die Einheit des Bewußtseins sich in seiner höch 
sten Potenz durchbilde und den ihr entsprechenden Ausdruck gewinne, 
* und ein solches erblicken und hoffen wir in der Versammlung der 
Germanisten." Diese,'den Mittheilungen der Weser-Zeitung ent 
nommenen, Worte möge uns gestattet sein, der Berichterstattung 
selbst vorauszuschicken. 
Zu der festgesetzten Stunde, Montag früh 9 Uhr, eröffnete in 
der refvrmirten Kirche") Jakob Grimm, als vorjähriger Präsident 
die Versammlung mit folgender Anrede: 
„MeineHerren, ich habe die Freude, Sie willkommen zu heißen. 
Was zu Frankfurt beschlossen war, ist heute in Erfüllung gegangen. 
Wir finden uns zusammen in einer andern, nicht minder an erhe 
benden Erinnerungen reichen alten freien Stadt, wo wir mir der 
Zustimmung eines hohen Senats auf das freundschaftlichste auf 
genommen worden sind, wo es an keiner Art von Anstalten fehlt, 
deren wir bedürfen. Dieses Alles muß uns schon imvoraus mit 
lebhaftem Dank erfüllen. Wenn eS gestattet ist. Neues mit Altem 
und Kleines mit Großem zusammenzuhalten, so gemahnen die wis 
senschaftlichen, von einem Orte Deutschlands an den andern ver 
legten Vereine an die alten Hofrage der deutschen Könige. Der 
Wechsel des Orts ist gewiß eine Gunst; cs wird dadurch möglichst 
der Zutritt zu den Versammlungen erleichtert, es wird dadurch 
alles eng Provinzielle entfernt, es können alle Deutsche nach und 
nach an diesen Versammlungen Theil nehmen, auch wenn sie ver 
hindert sein sollten, zu reisen. Es ist aber auch noch etwas An 
deres, was ich hier hervorheben möchte. An jenen Hoftagen wur 
den ursprünglich bloß ungebotene freiwillige Gaben dargereicht. 
Möge auch bei uns das Bestreben vorwalten, ungezwungen und 
frei zu reden. Es ist mir verschiedentlich die Frage vorgelegt wor 
den, was denn bei unserem Vereine die Hauptsache sei, ob die öf 
fentliche Gemeinsitzung oder ob die Arbeiten jn den Sekzionen. Ich 
habe da nicht gezaudert, zu bekennen, daß mir beiweicem die ge 
meinschaftlichen Sitzungen und was ihnen vorangeht, was ihnen 
nachfolgt, was mit ihnen zusammenhängt, das Wesentlichste zu sein 
scheint. Ich glaube sogar weissage» zu dürfen, daß wenn unsere 
Erfahrungen reicher werden, wir vielleicht die Arbeit der Sekzio- 
nen ganz von uns abstreifen können, so daß sich Alles in desto 
freierer Weise zu regen vermag. Aber das mir aufgetragene Amt 
beginnt zu erlöschen. Das jetzt mir obliegende Geschäft ist, die 
Wahl meines Nachfolgers einzuleiten." 
Bei der Abstimmung erhielt Jakob Grimm — von 148 — 
92 Stimmen. Derselbe nahm hiernach als wiedcrerwählter Präsident 
den Vorsitz ein. Zn Sekretären wurden von ihm ernannt Dr. v. 
*) Für die allgemeinen Versammlungen der Germanisten waren in der refor. 
mieten Kirche die erforderlichen Einrichiungcn getroffen. Die Kanzel, wie 
ähnlich die Orgel, war durch eine mir dem Silberfischen Wappen «. verzierte 
Pyramide verhängt; auf der Erhöhung davor befand sich die Rednerbuhnc, 
vor dieser dce Präsidenten»^'l, zur Rechten der Tisch der Sekretäre, zur 
Linken der Tisch der Stenographen. Die Sitze im untern Theil der Kirche 
waren für die Milglieder der Berfammlung, aller übrige Raum für die Zu 
hörer bestimmt. 
Duhn und Kollaborator Mantels von Lübeck, zu Gehülfen im Prä 
sidium Stentzel, Pauli, Mittermaier, Dahlmann und 
S o uchap. Als auf diese Weise der Vorstand konftittiirt war, betrat 
zuerst Prof. Wurm die Rednerbühne, und hielt seinen vorangekün- 
digten Vorrrag über das nazionale Element in der Geschichte der 
deutschen Hansa. Nach Beendigung desselben verlas Archivar Dr. 
Lappenberg von Hamburg den (einen großen Theil der Sitzung 
binwegnehmenden) Bericht der Kommission, welche in Betreff der 
Erhaltung deutscher Nazionalitär und Sprache außerhalb der deut 
schen Staaten, von der vorjährigen Versammlung in Frankfurt er 
nannt war. Dem Berichterstatter folgte auf der Rednerbühne Dahl 
mann, der selbst Mitglied der erwähnten Kommission gewesen, um 
sich gegen die Vorschläge des Berichts, wie er schon in der Kom 
mission selbst gethan, zu erklären. Mit ihm einverstanden erklärten 
sich Hofgerichlsdirekror Christ und Bürgermeister Smidt. Die 
Sitzung schloß mit einer Diskussion über vorgängigen Druck der 
Kommissionsberichce und ausgedehntere, resp. beschleunigte Veröffent 
lichung der Verhandlungen, bei der sich v. Wächter, Dahlmann, 
Wurm, Beseler, Waitz, Jaup, Mittermaier, Asher, 
Lisch, Micbelsen und I. Grimm betheiligten. 
Schon am Sonntag hatte im Saale der Gesellschaft zur Beförde 
rung gemeinnütziger Thätigkeit eine Versammlung in Bezug auf die 
Angelegenheiten der historischen Vereine stattgefunden. Am Montag 
Nachmittags 3 Uhr versammelten sich nun in der vom Programm 
angegebenen Weise die Abtheilungen; in der Sekzion für Sprache 
ward Lachmann, in der historischen P ertz, und in der r'echtswissen- 
schaftlichen Mittermaier zum Vorsitzenden gewählt. Die letzt 
genannte war die weitaus am zahlreichsten besuchte, und in dem le 
bendigen Kampfe der dorr zwischen den Vertretern des römischen 
und denen des deutschen Rechts sich entspann, ward mehr als einmal 
auf das Ominöse des Orts (der Kriegsstnbe) Bezug genommen. 
Jn der Sitzung am Dienstag ward zuvörderst über einen von 
Gervinus gestellten Antrag: die Staturen dahin abzuändern, daß 
Sekzionen wohl regelmäßig stattfinden können, aber nicht müssen, ver 
handelt, und derselbe schließlich — nachdem ein von Pertz, imNamen 
der historischen Sekzion an die Versammlung gebrachter Gegenantrag, 
die Abtheilungen zu verschiedenen Stunden sich versammeln zu lassen, 
als unausführbar abgelehnt war — angenommen. An der Diskussion 
nahmen außer den beiden Genannten und dem Präsidenten, Wächter, 
Lachmann, Mittermaier, Beseler, Waitz, Richthosen, 
Christ, Dahlmann, Blume Theil. AIs der Gegenstand verlassen 
wurde, betrat Schubert und nach ihm Fallati die Rednerbühne; 
die Anträge, welche sie im Sinne ihrer besonderen Fachgcnossen an 
die Versammlung richteten, fanden dadurch eine beide Redner zufrie 
denstellende Erledigung, daß ausdrücklich erklärt wurde (Grimm, 
Dahlmann, Mittermaier), daß die Staatskunde und Sta 
tistik selbstverständlich in das Bereich der Germanisten - Versamm 
lung gehöre. Es folgte dann, in einem freien Vortrage Mitrer- 
maiers, der Kvmmissionsbericht über das Geschwornengerichr, dem 
sich ein zweiter Vorcrag über denselben Gegenstand, von einem andern 
Mitglieds der Kommission, Janp, und dann eine durch die ganze 
NackmittagSsitzungfortgesetzte'Debatte sich anschloß. (Mittermaier, 
Heffter, Beseler, Wächter, Blume, Michelsen, Souchay, 
Jaup, v. d. Pfordteu, Baumeister.) Zu den widrigsten 
Momenten der Verhandlung gehörten die offenen und ausführlich 
morivircen Erklärungen der in der Wissenschaft und im Amt hochge 
stellten Männer, die früher in Schriften und im Leben gegen die Ein 
führung der Geschwornengericbte sich erklärt hatten, jetzt aber das Be 
kenntniß einer gewonnenen andern Ueberzeugung freimüthig ablegten 
und ihre Stimmen mit der MittermaierS und der übrigen Ver 
theidiger der Geschwornengerichte für die Adoptirung derselben ver 
einigten. Und einer der Redner, der sich selbst zu denen bekannte, die 
da noch schwankten, erklärte sich überzeugt, daß die faktische Annahme 
der Geschwornengerichte, sei es früher oder später, erfolgen werde. 
Dahin dränge die Nothwendigkeit, die Geschichte. 
Der Michaelistag ward zu der Festfahrt nach Travemünde ver 
wendet. Jn kurzen Zwischenräumen, wie sie durch das Uebersetzen 
über die Trave geböten waren, fuhren die einzelnen Züge von je 
sechs Wagen vom Kaufberg ab; ein paar der frühesten über Wald 
husen, dessen Grabalterthümer ein lebhaftes Interesse erregten. We 
hende Flaggen hatten den Germanisten bei der Abfahrt nachgewinkt, 
wehende Flaggen begrüßten sie bei ihrer Einfahrt in Travemünde, und 
bei ihrer Ankunft vor der Stadt Hamburg und dem llöipl de Russie 
empfingen sie die Trompeten der Dragoner und die Hörner der Füsi 
liere. Bald waren die Frühstücktafeln besetzt, und etwas später, gegen 
1 Uhr, ging die stattliche Alexandra mit einer kostbaren Bürde, wie 
sie noch keine zuvor getragen, in See; mit den Klängen der Hörner 
mischte sich der Donner der Kanonen, die vom Leuchtenfelde aus dem 
eilenden Dampfer-.,'hren schallenden Salut über die schäumenden Wel 
len nachsendeten.") 
An die Meerfahrt schloß sich das Festmahl auf der Badeanstalt. 
Von der Stimmung, die dabei herrschte, gibt nichts ein deutlicheres 
*) Bei der Rückkehr der Alexandra in den Hafen schwieg das Geschütz; eines 
durch Unvorsichtigkeit entstandenen Unfalls wegen hatte man das Feuern 
eingestellt.
	        

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