Full text: Zeitungsausschnitte über sonstige Veröffentlichungen

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. Z 49 
266 Photographisches Archiv. [Nr. 677.J 
Das photographische Yerstärkungsvertahreii, 
welches indem Werke „Wer ist ?“ 
von dem Verfasser desselben angewendet 
worden ist. 
Von Max Lautner in Breslau. 
(Fortsetzung.) 
Ersatz für Ch 1 o rsi 1 b er ge lat i n e-Pap ier. 
Wie erwähnt, bietet jede auf Papier aufgetragene 
Emulsionsschicht meinem photographischen Verstärkungs- 
Verfahren gewisse Schwierigkeiten, und andererseits lassen 
sich diejenigen Emulsionen, welche eine Hervorrufung noth 
wendig machen, nur in beschränktem Masse verwenden. 
Sehr wünschenswert waren mir darum C h 1 or silbergelatine- 
Films, welche sich durch blosse Belichtung und ohne Her 
vorrufung bedrucken lassen. Dieselben können am besten 
auf sehr dünner Celluloseschicht hergestellt werden oder 
auch auf einem Häutchen von Chromgelatine. 
Diese völlig durchsichtigen, faserfreien Häutchen 
würden einen doppelten Vortheil bieten: einerseits wird man 
durch sie bei der fortgesetzten Verstärkung eine Wieder 
gabe der Objecte erreichen, die nach der Möglichkeit ab 
solut frei ist von allen störenden und fremden Beigaben. 
Man wird also die denkbar grösste Objectivität auch bei 
höchstgetriebener Verstärkung erreichen. Auch wird der 
Process der Verdoppelung schneller vor sich gehen als bei 
Verwendung von Chlorsilbergelatine-Papier. Andererseits 
wird man nur eine einzige Aufnahme in der Camera 
nöthig haben und die ferneren Negative durch Doppel 
druck von den zuvor erhaltenen verstärkten Diapositiven 
herstellen können. Diese Negative werden zweckmässiger 
sein als die nach Exposition in der Camera und durch Her 
vorrufung gewonnenen, weil man bei ihrer Herstellung 
(durch doppelten Druck unter dem vorhergehenden Diapositiv) 
die zu grossen Contraste der Flächentönung durch das 
Deckungsverfahren jedesmal vermeiden kann. Auch bleibt 
dabei die Grösse des Bildes immer genau dieselbe, wodurch 
die Vergleichung der einzelnen Zustände mit einander er 
leichtert wird. — Das letzte Negativ, welches in den Con- 
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trasten deutlich genug erscheint, kann man alsdann auf' 
Papier drucken. 
Wo man das Deckungsverfahren anwendet, muss man 
natürlich in zerstreutem Licht copiren. Wo man dagegen 
das Deckungsverfahren nicht anwenden wird, wie z. B. 
bei vielen astronomischen Aufnahmen, wird man gut thun, 
die Belichtung vermittels einer etwa Vs Meter langen, 
innen schwarzen Pappröhre so einzurichten, dass die auf 
fallenden Strahlen möglichst senkrecht zu dem Bilde und 
parallel zu einander sind. 
Weitere Anwendungen des Verfahrens. 
Da es durch das Verfahren möglich ist, alle Nüancen 
zu retten, so kann man natürlich auch ein kleines Bild 
vermittels desselben sehr bedeutend vergrößern, ohne da 
bei viel retouchiren zu müssen. Endlich wird man bei 
fortgesetzter Verstärkung auch die Gleichmässigkeit oder 
relative Fehlerhaftigkeit der benutzten Silberschichten selbst 
prüfen können. Auch Falsificate aller Art lassen sich bei 
einiger Verstärkung leicht erweisen. 
Die Benennung des Verfahrens. 
Als das Wesen des in Rede stehenden Verfahrens 
zeigte es sich, dass man vermittels desselben die Contraste 
der Tönungen bis zu einem völlig beliebigen (hohen oder 
niedrigen) Grade verstärken kann, — eine Möglichkeit, die 
sich in künstlerischer, besonders aber in wissenschaftlicher 
Beziehung ausnutzen lässt. — Unter dem Worte der „Ver 
stärkung“ versteht man nun in der Regel etwas, das man 
auf rein chemischem Wege erreicht. Formal nun wäre es. 
richtig, wenn man das Verfahren Verdoppelungs- oder Du- 
plicationsverfahren nennen wollte, sofern das doppelseitige 
Bedrucken einer Silberschicht dabei angedeutet wird. In 
dessen handelt es sich nicht in allen Fällen um eine volle 
Verdoppelung der Contraste. Darum ist die Bezeichnung 
des Verfahrens als A d d i t i onsverfahren die richtige. 
Denn dieser Name trifft auch dann zu, wenn es sich 
schliesslich — bei fortgesetzter Anwendung des Verfahrens. 
— selbst um eine Multiplication der Contraste handelt. 
(Schluss folgt.)
	        

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