Full text: Zeitungsausschnitte über sonstige Veröffentlichungen

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. Z 49 
Beilage zu Nr. 692 der Hessischen Morgenzcitlmg. 
* Die Beraubung des Museums zu 
Kassel durch die Franzosen. 
(Schluß.) 
Die im September 1807 in Kassel eingetrvffenen 
Regenten des im Tilsiter Frieden errichteten Königreichs 
Westphalen, Beugnos und Simeon, besuchten alsbald 
das Museum und ordneten an, daß aus der Bibliothek 
kein Buch ohne ihre Erlaubniß ausgeliehen werden 
dürfe, Simeon aber gab viele Bücher dem berüchtigten 
Astronomen Reißig. Anfangs 1808 kam Johannes v. 
Müller an und an ihn hielt sich der Konservator, weil 
er von einem Deutschen für das Museum mehr Gutes 
erwartete. Doch er sah sich bitter getäuscht. Dem 
Joh. v. Müller sollte statt seiner unbequemen Wohnung 
in dem vorderen Flügel des Orangeriegebäudes eine 
bessere im ersten Stock des Museums gegeben werden; 
Müller ging aber nicht auf den Plan ein. Einige 
Höflinge schlugen vor, aus dem Bibliotheksaale einen 
Tanzsaal zu machen, die Bücher sollten mit Tapeten 
bedeckt und aus den Abtheilungen oben und unten, wo 
die Säulen stehen, kleine Zimmer gemacht werden. Der 
Schreiner nahm schon die Maße. Einer der Herren, 
welche diese Einrichtung treffen wollten, fragte, ob die 
mathematischen Instrumente in dem neben dem Biblio- 
thekLsaale befindlichen Zimmer nicht in der Küche zu 
brauchen seien. Durch eine Verwendung des Conser- 
vators beim Secretär der Intendanz scheint die Gefahr 
für die Bibliothek abgewandt zu sein. 
Aber man schien der Meinung zu sein, daß alles, 
was sonst nicht unterzubringen sei, vom Museum aufge 
nommen werden müsse. So war es eine Zeit lang im 
Plan, eine französische Druckerei hineinzulegen. Die 
nun leeren Medaillentische wurden auf den Rath des 
Professor Klingender verkauft; nur Einen rettete der 
Conservator und der ist jetzt im Bellevueschloß. Viele 
Bilder, die man nicht verkaufen konnte, wurden auf 
Simeon's Befehl im Museum aufgestellt. Joh. von 
Müller bewirkte die Anstellung M.'s als Bibliothe 
kar. desselben, welcher aus Büchern der Göttinger 
Umverfität^Kupferstiche ausgeschnitten haben soll. Dieser 
Mann fabrizirte dann in dem Bibliothekszimmer den 
„Moniteur" des Königreichs. Müller ordnete an, daß 
das Doublettenzimmer dem Murhard abgetreten werde, 
damit er dort diejenigen empfangen könne, die ihn we 
gen des „Moniteur" zu sprechen wünschten. 
Im Frühjahr 1808 wurde das Museum in einen 
Ständepalast umgewandelt. Simeon ließ zu diesem 
Zwecke einen Architekten mit Gehülfen aus Paris kom 
men , dem das Doublettenzimmer überwiesen wurde. 
Vom Treppenhause des Museums wurde nun das Dach 
abgerissen. Unter diesem Dache lagen in einer ver 
schlossenen Kammer viele Exemplare von Winkclmann's 
Beschreibung von Hessen und andere Werke, die bald 
eine Beute der Zimmerleute und Tagelöhner wurden. 
Gegen Mittag und Abend warfen sie beim Abgehen von 
der Arbeit ganze Packs dieser Bücher in den Hof und 
verkauften sie an die Krämer und Metzger der Stadt. 
Dasselbe Schicksal hatten die gebundenen Doubletten 
im Zimmer am Observatorium, wozu die französischen 
Baukünstler den Schlüssel führten. Dicke Staubwolken 
drangen durch die Thüren und Fenster und bedeckten 
alle Gegenstände, auch die in den Schränken, und doch 
machte Simeon dem Conservator im August 1808 Vor 
würfe wegen des Zustandes des Museums, erhielt aber 
eine gebührende Antwort. Die große Thür des Biblio 
theksaals wurde ausgebrochen und die Bücher von den 
Repofitorien aus den Fußboden geworfen. Da die 
große Treppe abgetragen war, konnte Niemand durch 
die Tbür in den Saal gelangen; aber unbemerkt 
kroch ein Tagelöhner durch den Fußboden in den 
Saal und stahl Stücke des vergoldeten Dintenfasses 
(29. Oktober 1808). Im Januar 1809 durch 
schnitt ein Tagelöhner eine Thür im oberen Stock, kroch 
hindurch und stahl mehr als 30 Uhren. Der Conser 
vator wurde wegen dieses Vorfalls vom Minister des 
Innern hart zur Rede gestellt, daß er eine Reise unter 
nommen habe, während welcher Zeit der Diebflahl ver 
übt wurde. Hätte man die Uhren an ihrem ursprüng 
lichen Platze gelassen, so würde der Diebstahl nicht 
möglich gewesen sein. Die Franzosen sprengten das 
Gerücht aus, der Conservator habe die Uhren dem 
Kurfürsten geschickt. Sehr oft mußten die verschiedenen 
Gegenstände des Museums ihwn Platz wechseln, weil 
bald dieser, bald jener Raum zu andern Zwecken bean 
sprucht wurde. Selten kam der König Jerome ins 
Museum ohne irgend eine derartige mühevolle Verände 
rung anzuordnen. Simeon hatte im Sinne, alle noch 
im Museum vorhandenen Kuvstsachen nach Paris zu 
schicken. Sein Vetter Grandjean hatte ihn hierin be 
stärkt und gesagt, sie könnten iott weit besser versteigert 
werden als in Kassel. Des Conservators Kollegen 
Strieder und Grandidier wichen dem vielen Ungemach 
aus, zogen sich zurück und so hatte ersterer die ganze 
Last zu tragen. Im Büchersaaw saßen die Maurer und 
und spitzten daselbst die Steine zu der Rückenmauer 
des Ständesaales. Der Consirvator klagte beim Mi 
nister Simeon über den Unraih, mit dem die Gegen 
stände des Museums bedeckt würden, aber weder dieser 
noch der Minister Wolfrath stellte das Uebel ab, ob 
wohl der Conservator dem letzteren die seltenen und 
kostbaren griechischen Inschriften zeigte, wie sie neben 
den Mauersteinen aus dem Fußboden lagen. Dieses 
Wirrsal dauerte zwei Jahre. Tann wurde der Stände 
saal eröffnet. Der König schenkte alle ausgestopften 
Vögel, Vierfüßer und Muscheln der Universität Göttin 
gen und Joh. v. Müller dehnte die Schenkung auf das 
ganze Naturaliencabinet aus. Aus Göttingen kam Herr 
Gravenhorst, um die Gegenständ« einzuholen, glücklicher 
weise aber fehlte es an Geld zu so vielen Kisten als nöthig 
waren, auch fürchtete Joh. v. Müller eine Vermehrung 
der Unruhe des Volks, die beim Ausbruche des öster 
reichischen Krieges entstanden war. Herr Grandjean 
und Genossen pflegten um die Mittagsstunde, wenn sie 
sich unbemerkt glaubten, viele Bücher zu stehlen. Der 
Conservator erwischte sie dabei. Ein anderer Dieb war 
ein Gehülfe Grandjean's, ein gewisser Riff, der alles 
gestohlen hat, was im Fache der Architektur fehlt. 
Aber auch der Bibliothekar M. brachte die Bibliothek 
um Bücher. Seine an den Conservator gerichteten 
Billets sind Eingeständnisse, daß er ungebundene Werke 
an Personen auslieh, welche sie unvollständig zurück 
gaben. Herr Grandjean ließ den ausgestopften Ele 
phanten in die Gallerie zwischen die Gypsabgüsse vom 
vatikanischen Apoll und Laokoon stellen. Der Stände- 
saal, welcher dem Lande so viel gekostet, den franzö 
sischen Architekten viel eingebracht und das Museum 
ganz umgekehrt hat, ist nur zweimal gebraucht: zur 
Versammlung der Reichsstände 1810 und zur Huldi 
gung der Deputaten von den hannöverschen zum König 
reich Westphalen geschlagenen Provinzen. Im November 
1811 wurden in diesem Saal die aus dem abgebrann 
ten Schlosse geflüchteten Gegenstände aufbewahrt. Im 
Oktober 1812 wollte man ebenda Gericht halten über 
die große Spitzbubenbande, doch war der Raum zu 
enge dazu. 
Im Jahre 1812 ließ Jerome die Säle neben der 
Bibliothek im nördlichen Flügel des Museums zu Stu 
ben für Maler und zur Schule für die Frau des Ma 
lers Quinson einrichten. Diese unterrichtete junge Mäd 
chen von Stande im Zeichnen und Jerome besuchte sie, 
jedoch nicht etwa aus Begierde, die Fortschritte der 
Schülerinnen iu der Kunst zu sehen. Der Minister, 
zu dessen Abtheilung das Museum gehörte, gestattete 
am 11. Januar 1811 dem Finanzminister MalchuS und 
später auch dessen Frau, ausgestopfte Vögel aus der 
Naturaliensammlung zu nehmen und sie aus einer Mas 
kerade als verkleideter Fuchs umherzutragen. Am 20. 
Oktober 1813 wurde dem Konservator befohlen, 
besten Sachen im Museum einzupacken, um sie vor den 
Russen „in Sicherheit zu bringen". Die Schurken 
Moulard und Malchus entzogen dem Museum eine 
Sammlung, die nicht einmal Dönon angerührt hatte. 
Viele Kisten voll schleppten diese Buben fort, nur die 
Siegelringe, Petschafte und den großen Sardonix ver 
steckte der Conservator, so daß sie den Dieben entgingen. 
Von diesen Gegenständen find die Gemmen, jedoch nicht 
ohne Verluste, im Jahre 1814 zurückgebracht. Der Mi- 
nister des Innern hatte selbst jene Verpackung geleitet, 
Denon sagte auf des Conservators Bttten, doch die 
geschliffenen Steine dazulassen, „i! saut prendre“ und 
die Königin äußerte vor dem Pretiosenschranke: „jyj, 
il saut voler“; das war das einzige Mal, daß man 
dieses Wegnehmen nicht „conftrviren" nannte. 
Bekanntmachungen. 
Ziehung am 20. und 21. STovemher. 
Grosse Staats-Gewinn-Verloosung. 
Gewinne: st. 200,000, 100,000, 50,000, 30,000, 25,000, 20,000, 15,000, 
12,000, 10,000, 5000, 4000, 3000. 2000, 117mal 1000, 111 mol 300, 6333mal 100 etc. 
Bei diesen Verloosungen sind nur 28,000 Loose betheiligt, wovon 14,800 Loose 
Gewinne erhalten müssen; ausserdem erhält jedes Loos, welches ohne Gewinn heraus 
kommt, ein Freiloos zur ersten Ziehung der nächsten Verloosung. — Bei dem unter 
zeichneten Loose-Haupt-Depot werden die günstigsten Zahlungsbedingungen ge 
stellt; schon gegen Einsendung von 3 Thalern für ein ganze« I.OOS, Ä Thaler 
15 Sgr. für '/a 1*00«, SO Sgr. für 7« I*oos werden die Original-Loose 
überschickt. — — Die Ziehungslisten werden pünktlich zugesandt und die Gewinne 
sogleich ausbezahlt. Verloosungspläne und jede beliebige Auskunft werden 
gratis und franco geliefert. — Man beliebe sich deshalb direct zu wenden an 
Anton Ho rix, Banquier in Frankfurt a. M. 
Der Betrag kann per Postvorschuss erhoben werden. Auch Briefmarken werden 
an Zahlung genommen. [2568j 
i Wichtig für BrnchieMende. 
Wer sich von der überraschenden Wirksamkeit des berühmten Bruchhcilmittels von dem 
Erucharzte Krüsy- Altherr in GaiS, Canton Appenzell (Schweiz), überzeugen will, kann 
b-7 der Expedition dieser Zeitung ein Schristchen mit vielen Hundert Zeugnissen in 
Emvfang nehmen- [1614] 
Apotheker Bergmann s Kls - Pommade, 
welche die Haare kräuselt, stärkt und vor dem Ergrauen schuht, empfiehlt 
lb Flacons s 5, 8 und 10 Sgr. 
Chr. HoiFxnann in Kassel, mütl. Johannisstraße Nr. 733. 
Damen-Jacken in DMestossen 
von IV2 Thlr. an bis 5 Thlr. bei 
DM'-ss. M. lindenfeld, "MW 
W123 Mittelgaffe125. 
Association xu ßrfiirt. 
Das in den vergangenen Messen uns in so hoherArade zu Theil gewordene 
Vertrauen des Publikums, sowie vielfach deshalb geäußert^ünsche veranlassen uns, den 
kommenden hiesigen Martini-Markt wiederum n einem wohl assortirten Lager 
feriiger Damen-, Herren- u. Kin'rschnheu. Stiefeln 
zu beziehen. 
Das Verkaufslokal ist: 
Marstaller Platz Nr. 387, Partes, im Locale des Herrn 
Restaurateurs Josty (früher ^cherich sches Hans). 7 
Indem wir uns dem geneigten Woblw? Publikums bestens empfohlen 
halten, bemerken wir noch, daß wir an Wieder Waaren partiewersie zu 
LlnKrvs-Preisen abgeben. ~ . 
[2630] Die Goeratwn zu Erfurt.
	        

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