Full text: Zeitungsausschnitte über Grimmdenkmäler, -feiern, -sammlungen und -museen

aus : Casseler Tageblatt und Anzeiger, Nr. 22 
1897, Jan. 22, S. 6 
© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. Z 48 
Nach der neulichen officiellen Mittheilung über den Be- 
and der Grimm-Sammlung in der Landesbibliothek scheint 
' daß auch nicht ein einziger Span zu deren Vermehrung 
Folge des geschehenen Aufrufes für dieselbe noch bep 
tragen ward. Wir haben ein solches Fehlresultat voraus 
sagt, denn wo kaum etwas ist, da stampft auch keine 
ollectivberedtsamkeit so leicht etwas aus dem Boden, 
rer Wille, Zeit, Geld und Mühe erscheinen nun in dieser 
icktung als ein Aufwand, der bester gleich für ein erfolg- 
nenderes Ziel in Fluß gebracht worden wäre. 
Mit demjenigen „Grimm-Denkmal", als welches unS 
ach der Meinung jenes Aufrufes die „planmäßig auS- 
bauende" Sammlung von Reliquien in der Landes- 
bliothek gelten und genügen sollte — ist es also überhaupt 
ichts. Möge die Zeit, welche mit dem Einschlagen eine- 
alschen Weges verloren ging, sich nicht thatlos fortspinnen, 
is etwa auch bezüglich des zweiten Doppelstatidbildes, da- 
>en Brüdern Grimm errichtet werden wird, für Cassel ein 
„Zu spät" herausschlägt. Soll Hns, wie Hanau uns mit 
dem ersten Monument zuvorkam, nun durch unser aber 
maliges Zögern und Trödelt: etwa Berlin wieder den Rang 
ablaufen? Wir wissen aus sicherster Quelle, daß in der 
Neickshauvtstadt nicht in einem, sondern in mehreren Kreisen 
bereits der Gedanke eines dort aufzustellenden DoppelbildeS 
der Grimm erörtert worden. Tritt diese Sache dortselbst 
erst in die Oeffentlichkett, so haben wir wieder bestimmt auf 
mehrere Jahrzehnte hinaus das leidige, hoffnungsärinste 
Nachsehen. 
Mögen darum die Herren des Sammlungs-Ausschusse-. 
eren Absicht kund ward, sich für ein hier zu errichtende- \ 
Zrimmstandbild an die Spitze zu stellen, nur recht bald"' 
damit vorangehen, auf daß in dieser Angelegenheit nicht, 
wieder einmal das Wort aus „Wilhelm Tell" sich ewahr-W 
heilen dürfe: „Verzeih' Gott Denen, die zum Abufschu/ 
riechen!"
	        

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