Full text: Zeitungsausschnitte über Grimmdenkmäler, -feiern, -sammlungen und -museen

sches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. Z 48 
MmmichsaltigtS 
— (Ein wirklich modernes Dienst 
mädchen.) Als ein in Berlin wohnender Bau 
meister am Sonntag Morgen früher als gewöhn 
lich aus seinem Schlafzimmer trat, erblickte er 
in der Küche einen Dienstmann, der, die bren 
nende Zigarre im Munde, in aller Gemüths 
ruhe die Stiefel des Baumeisters putzte, während 
das Mädchen auf einem Küchenstuhl faß und der 
Arbeit zuschaute. Darüber zur Rede gestellt, 
erwiderte das Mädchen: „Na stoben Sie denn, 
det ick Ihnen Sonntags die Stiebel putzen 
werde? Det paßt mir nich, und darum habe ick 
mir den Dienstmann angenommen, den ick von 
mein Lohn bezahle, und wenn Ihnen det nich 
recht ist, kann ick ja ziehen." Der Baumeister 
ließ sich das nicht zweimal sagen. 
— (Eigenartiges Zweirad.) Großes 
Aufsehen erregt in jüngster Zeit in den Straßen 
Wiens C'.njels neues Zweirad mit zwei Sitzen 
nebeneinander. Das Merkwürdige ist, daß auch 
zwei verschieden schwere Personen das Rad be 
nutzen können, ohne aus dem Gleichgewicht zu 
kommen, ebenso kann es auch ein Fahrer allein 
benutzen. Ein halbwegs geübter Fahrer kann 
ohne Weiteres auf diesem neuen Zweirad einen 
Zweiten mitnehmen, der noch nie auf einem Rad 
gesessen hat. Wie verlautet, gedenken Herr Karl 
Kollar-, Mitglied des Wiener Velocipedistenklubs, 
und Herr Arthur Crnjel jun. mit dem Rade in 
den nächsten Wochen eine Reise nach London 
anzutreten, um die Maschine auf den dortigen 
Fahrrad Ausstellungen vorzuführen. 
— Der Fremdenverkehr in Berlin war in 
diesem Jahre ganz bedeutend. Die Anmeldungen 
der in den Gasthöfen, Hotels garnis u. s. w. 
beherbergten Fremden ergaben in den ersten neun 
Monaten dieses Jahres 581 300 Personen gegen 
440 189 im Vorjahre. Nun kommt indessen 
nicht das ganze Plus auf Rechnung der Aus 
stellung, ds der Fremdenverkehr auch ohnedies 
im Zunehmen ist. Zieht man dies in Rückächt, 
so dürfte der Besuch von etwa 118 000 Hotel 
gästen auf die Ausstellung zurückzuführen sein. 
Aber es ist bekannt, daß eine sehr große Zahl 
v)n Berlin Besuchenden sich unangemeldet in 
Familien aufhält. Wie viele dies sein mö 
gen, läßt sich schätzen, wenn man berücksichtigt, 
daß bei der Volkszählung von 1890 nur 3623 
Personen als Hotelgäste gezählt wurden, wäh 
rend die Zahl der übrigen vorübergehend An 
wesenden 14 428 betrug, also viermal so groß 
war. Darnach würde sich der durch die Aus 
stellung herbeigeführte Fremdenverkehr auf gegen 
600 000 Personen belaufen, während der Ge- 
sammtverkehr in den Monaten Mai bis Sep 
tember die Zahl von 1616 000 erreichen würde. 
— Mehr als vierzig Millionen Mark Kaution 
wurden am Dienstag vor dem Marlborough 
Street Polizeilichter in London von dortigen 
Firmen, darunter auch von dem bedeutendsten 
Finanzhause, für einen kalifornischen Großkauf 
mann angeboten, der mit seiner Frau wegen 
verhältnißmäßig geringfügiger Diebstähle, die sie 
in Londoner Geschäften verübt haben sollen, ver 
haftet worden war. Beide Angeklagten betheuer 
ten ihre Unschuld. Der Richter, der sie vor die 
Asstsen verwies, begnügte sich mit dreißigtauseud 
Lstr. als Sicherheit, welche sofort hinterlegt 
wurden. 
— (Ein Witz von Disraeli.) In Ge 
sellschaft des englischen Staatsmannes Disraeli, 
Lord Beaconsfield, bemerkte einmal ein Frauen- 
haster, der unbezwinglichste Fehler des „ewig 
Weiblichen" sei der Eigensinn. „Das muß ich 
Ihnen leider bestätigen", meinte Beaconsfield, 
„da ich es an meiner eigenen Gattin erlebte, 
die ich im Uebrigen sehr verehre. Meine Frau 
hat viele der schätzbarsten Vorzüge, aber ihr 
Eigensinn ist außerordentlich. Erst wollte sie 
durchaus nicht in die dreißiger Jahre -hinein, 
und dann bedurfte ich wieder jahrelanger An 
strengungen, um sie zu bewegen, wieder aus den 
Dreißigern hinauszugehen!" 
— (Häusliches Parlament.) 1. Ab 
geordneter : „Gestern beim Vorbeigehen an Ihrer 
Wohnung erregte Stimme von Frau Gemahlin 
gehört." — 2. Abgeordneter: „Kleinen Ord 
nungsruf bekommen." 
Scherzräthsel« 
(Von einem ungalanten Junggesellen). 
Die Mägdlein, die das Elfte rathen, 
Bekommen sicher einen Mann. 
Doch Biele merkend mit dem Letzten, 
Um ihre Hand hält keiner an. 
Sie werden schließlich alte Jungfern 
Und gleichen wohl dem Ganzen dann. 
(Jens Holmen).
	        

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